Zeitschriften » FŒHN » Heft 22
Markus Wilhelm

Eine Kuh gibt Milch? Welche Lüge! Sie wird ihr genommen!

Der Kapitalismus ist unter unserem Niveau. Es ist mit unserem Gewissen unvereinbar, daß es so bleibt. Es ist mit unseren Ansprüchen an das Leben unvereinbar, daß es so bleibt. Wenn wir uns wünschen, daß an der Spitze der Nationalbank ausgemistet wird, hat man uns schon sehr kleingekriegt. Wo sind wir denn hingeraten, wenn wir uns fanatisieren dafür, daß der Vranitzky den Baufirmen Milliardenaufträge zuschanzt und nicht der Schüssel? Auf die drübere Seite, von wo aus wir schneidig gegen uns selber kämpfen. Wir sind abgerichtet. Wir sind ja zufrieden wie an die Kette gelegte Kühe, die zweimal täglich trockenes Heu vorgesetzt bekommen. Und kommt einmal eine Handvoll Leistungsfutter dazu, schmatzen wir schon. Was ist in unseren Köpfen passiert, daß wir so gar nicht mehr an uns selber denken. Millionen von unterdrückten Menschen scheint es zu genügen, ein auch noch selbstgekauftes T-Shirt zu tragen, auf dem BOSS steht.
Welch vorbereitete Ernte für Haider & Co.! Gegen den Schutt, der uns ins Hirn gekippt worden ist, ist die ganze Umweltverschmutzung ein Dreck.

Der Großteil der Österreicherinnen und Österreicher lebt lohnberaubt von den Reichen der Welt, und alle (vom Banker bis zur Mindestrentnerin) leben subventioniert von den Armen der Welt. Dein Hemd ist Diebsgut aus einem ausgeraubten Land. Wir, die große Masse der Menschen in diesem Land, sind keine Räuber, aber Nutznießer der Räuber. Warum wir z.B. in der EU noch keine unüberwindbare kapitalistische Krise haben? Weil sie Stück für Stück exportiert wird. „Wir“ exportieren von hier die Arbeitslosigkeit, die Kinderarbeit, die giftigste, schmutzigste und schwerste Arbeit, den Müll, den Krieg usw. und importieren Privilegien für alle etwa in der Form von T-Shirts um 29 oder auch 79 Schilling. Ein Teil der Rechte, die auch die Unterdrücktesten in Österreich haben, kommt nicht daher, wo sie herkommen sollen, aus Österreich, sondern aus Rumänien, aus Singapur, aus Kolumbien usw. Der billige Urlaub kommt nicht von unseren hohen Löhnen, sondern von den niedrigen in der Türkei. Der Faschismus, der in den industriellen Zentren schon lange vor der Türe steht, wird dort so lange nicht stattfinden, wie die Unzufriedenheit ihrer Massen zu einem genügend großen Teil exportiert — und billiges Konsumglück importiert — werden kann. Vom Kaffee am Morgen an (Mexiko), was sag’ ich, von der Kaffeetasse an (Ungarn), ach, schon von der Unterhose an (Pakistan), nein, vom Wecker an (Taiwan) handelt es sich um Plünderware aus der sogenannten erst Dritten Welt. Schlimm, daß wir auf Kosten der Sklaven des internationalen Kapitals dort leben. Schlimmer, daß wir hier mit niedrigen Löhnen abzuspeisen sind und hohe Wohnungsmieten hinnehmen, weil wir das zum Teil mit den billigen Waren der multinationalen Hehlerbanden wettmachen können. Die Schmeichelei der Politiker von den „fleißigen und tüchtigen Österreichern, die durch ihre Arbeit Wohlstand geschaffen haben“, ist so wahr wie gelogen. Ja, sie sind fleißig und tüchtig. Nein, daraus stammt ihr bißchen materieller Wohlstand nicht.

Bevor wir den Kapitalismus in Österreich vernichten, könnte man sagen, müssen wir doch danach trachten, daß es allen Menschen auf dieser Erde wenigstens so gut geht wie den Menschen in Österreich. Aber, wäre zu antworten, wenn es auch nur einem Teil der Menschen in den Hungerländern einmal so gut geht wie den Menschen in Österreich, geht es den Menschen in Österreich nicht mehr so gut. Das heißt, wir müssen uns unsere Ansprüche dort sichern, wo wir sie schaffen: in Österreich. Und das heißt, das wir mit dem kapitalistischen Regime hier ums Eck müssen.

Wir stecken bis zum Hals in Sklavenarbeitskleidern

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Erstveröffentlichung im FORVM:
September
1996
Heft 22, Seite 62
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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