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Ludwig Csépai • Fritz Molden

Ein österreichischer Patriot: Fritz Molden

Fritz Molden war im österreichischen Widerstand gegen das Dritte Reich, in den fünfziger Jahren Redakteur und Herausgeber der Tageszeitung „Die Presse“ und bis 1960 Mitglied des Politischen Komitees des Befreiungsausschusses Südtirol.

Vom Widerstand gegen den Nationalsozialismus zur Südtiroler „Feuernacht“

ZOOM: Sie schreiben in ihrem Buch „Fepolinski und Waschlapski“, daß Herr Pfaundler Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten war, als Ötztaler Partisan.

Fritz Molden: Pfaundler war einer der prominentesten österreichischen Widerständler im Zweiten Weltkrieg. Er ist Jahrgang 1924, er war also dreizehn oder vierzehn Jahre alt, als die Nazis gekommen sind, er ist, soviel ich weiß, erstmals 1940 von ihnen eingesperrt gewesen und ist dann relativ früh in den Widerstand gegangen. In Österreich hießen die allerdings nicht Partisanen, sondern die grünen Kader. Das waren die Kader, die nicht zur Wehrmacht eingerückt waren, sondern in den Wald gegangen sind. Die stärkste Widerstandsgruppe Tirols war im Ötztal, die bis ins Paznaun und ins obere Sellrain hinüberreichte. Das Ötztal selbst, vor allem das hintere, war in den letzten Kriegsmonaten für die Deutschen vollkommen zu. Eine zweite, kleinere Widerstandsgruppe gab es in Osttirol in den Lienzer Dolomiten, die bis nach Kärnten hinüberreichte. Im Höllengebirge war dann noch eine Gruppe unter der Führung des Sozialisten und späteren Abgeordneten Gaiswinkler. Das waren, wie man heutzutage sagt, Partisanengruppen. Es gab nämlich auch Widerstandsgruppen in den Städten und Dörfern, die zu Hause gewohnt und untertags ihre normale Arbeit erfüllt haben und während der Nacht dann Widerständler waren.

Im Ötztal hat ein Bauer, dessen Name mir jetzt entfallen ist, die Gruppe offiziell als Schützenhauptmann geführt, der Kopf dahinter aber war Pfaundler. Nach dem Krieg trat er ziemlich bald wie viele Südtiroler, vom Landeshauptmann angefangen über Reut-Nicolussi und den ganz großen Köpfen in Tirol und in Südtirol bis zum Außenminister Gruber und Figl für das Selbstbestimmungsrecht Südtirols ein. Damals war das eindeutige Ziel: Südtirol bis Salurn an Österreich. Dieser Traum ist 1946 bei den Verhandlungen in Paris geplatzt, an denen ich noch als Sekretär des Außenministers teilgenommen habe, mein vis-à-vis war damals ein gewisser Andreotti, der spätere Ministerpräsident Italiens. Er war damals Sekretär von De Gasperi, dem damaligen italienischen Außenminister.

Diese Verhandlungen gingen also schief. Danach begannen die langwierigen Bemühungen um die Autonomie und das Südtirol-Paket. Als auch die immer schlechter liefen und die Italiener eine sehr geschickte Unterwanderungspolitik machten, war Pfaundler einer jener, die sich für eine scharfe Lösung ausgesprochen haben. Ich war eher für eine mildere Lösung, übrigens auch Gerd Bacher und Max Lersch. Wir waren die drei nach der New Yorker UNO-Konferenz, die bei der entscheidenden Sitzung im Dezember 1960 aus dem Befreiungsausschuß ausgeschieden sind.

Wer waren Max Lersch und Reut-Nicolussi?

Max Lersch war ein österreichischer Bohemien und ein Expeditionsfanatiker. Die Expeditionen machte er teils mit Hans Haas, teils mit anderen Leuten, teils auch alleine, zum Beispiel nach Afrika. Er lebte in Sievering und war der Gründer des „Strohkoffers“. Dort befand sich der „Artclub“, das erste moderne Szenelokal nach 1945, im Kärntner Durchgang, unten in der sogenannten Kärntner Bar. Er war lange Zeit eingezogen beim Militär, wurde verwundet und stieß dann zum österreichischen Widerstand und war später auch im BAS (Befreiungsausschuß Südtirol). Er ist 1969 gestorben.

Reut-Nicolussi war Professor für Völkerrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Innsbruck und Abgeordneter der damals Tiroler Volkspartei genannten Südtiroler Volkspartei im italienischen Parlament von 1920, flüchtet dann 1927 nach Österrreich, weil die italienischen Faschisten ihm den Prozeß machen wollten, lehrte dann an der Universität Innsbruck. Nach 1945 war er der erste Landesrat für Südtirol in der ersten Landesregierung von Karl Gruber, dem damaligen Landeshauptmann. Reut-Nicolussi war der große Führer der Südtiroler Bewegung, Freund des Kanonikus Gamper.

Wer blieb dann als führende Persönlichkeit übrig?

Pfaundler war dann einer der Top-Leute, nachdem wir als gemäßigte Gruppe weg waren. Daher nahm sein Einfluß zu. Er war aber immer als schwerer Anti-Nazi und mit einem jüdischen Großvater eine Garantie, daß das eine österreichisch-patriotische Sache blieb. Er war dafür, daß man losschlägt. Er wies darauf hin, daß man in Zypern und in Algerien losgeschlagen hat. Fieldmarshall Harding, der damalige britische Militärgouverneur von Zypern, den Pfaundler dauernd zitiert hat, sagte, einige Länder dieser Welt würden nie aufhören, britische Kolonien zu sein. Dazu gehöre Zypern. Zwei Jahre später war es unabhängig. Und warum war es unabhängig? Weil sie dort geschossen haben. Das war seine Theorie, und per saldo hat er recht behalten, denn Südtirol gehört zwar nicht zu Österreich, aber es hat eine Autonomie, mit der es leben kann. Das wäre ohne den Bumsern nicht passiert, grob gesprochen.

Die ersten anderthalb Jahre Kampf in Südtirol, das waren Klotz, Amplatz, dann Kerschbaumer, das waren alles Leute von uns, proösterreichische Leute. Die wollten ein Tirol. Dann kamen eben der Burger und ähnlich rechtsradikale Typen, die haben sich dann eingemischt und haben unten natürlich die größte Verwirrung gestiftet, denn die harmlosen Bauern haben sich nichts dabei gedacht, wenn da einer kam und sagte, er kommt aus Innsbruck und da hast fünf Kilo Donarit und zwanzig Handgranaten. Da haben sie gedacht, das geht in Ordnung. Die haben größtes Unglück angestiftet, weil die haben gesagt: Ihr müßt richtig losschlagen.

Bis dorthin galt der Befehl: Masten sprengen, Eisenbahnen sprengen, aber nicht wenn ein Zug kommt, d.h. möglichst wenig Verluste, möglichst wenig Blut auf beiden Seiten. Es war nie geplant, Leute umzubringen. Der Klotz und der Amplatz haben natürlich, wie sie verfolgt wurden, auf die Polizei geschossen, aber vorher hat diese auf sie geschossen. Es war in der ersten Phase nie geplant, durch Blutvergießen weiterzukommen, sondern durch Aktionen wie zum Beispiel die Sprengung von 40 Strommasten in der Herz-Jesu-Nacht. Damit war Südtirol lahmgelegt und der Export nach Italien war zwei Monate cinque. Das war genau die Politik, die wir wollten. Sogar zu dieser habe ich persönlich nein gesagt, was ein Fehler war. Ich gebe heute zu, ich hätte damals auch zustimmen sollen. Vielleicht hätte man, wenn man das konsequenter gemacht hätte, die Einmischung der Rechtsradikalen überhaupt verhindern können.

Übernahme durch die Neonationalsozialisten

Warum konnte man das nicht verhindern?

Unsere Leute sind zunehmend im Häfen gesessen oder geflüchtet. Klotz mußte flüchten, Amplatz war tot, Kerschbaumer war eingesperrt, und so ging es weiter. Die Pusterer-Buam waren noch unsere Leute, aber die waren schon wild, weil man sie in die Wälder gejagt hat. Deswegen haben sie auch schärfere Methoden angewandt. Aber die waren noch in Ordnung. Die nächste Garnitur, die neue Generation waren dann die Burger-Leute, waren Rechte, nämlich ’Rechte’. Linke hat es in Südtirol nie gegeben, es gab einen berühmten Kommunisten, zu dem sind wir immer wallfahrten hingegangen, damit er immer mitunterschreibt, der hat auch brav alles mitunterschrieben, aber das war der einzige Südtiroler, der Kommunist war. Es war daher schwierig für die Linke, denn links war reserviert für die Italiener. Es gab eine starke kommunistische Partei, die war italienisch, und durch den Volkstumskampf waren die Südtiroler konservativ, katholisch und daher immun gegen Linke. Die Linken in Italien waren weniger aggressiv in Sachen Südtirol, nur in Südtirol selbst nicht, denn in Südtirol wollten die Kommunisten natürlich italienische Stimmen bekommen, hier mußten auch die Kommunisten nationalistisch sein. Das ist ganz logisch gewesen.

Das einzig Erfreuliche an der Neonazi-Gruppe war, daß sie in Wirklichkeit niemals Erfahrungen mit dem Kampf im Untergrund gehabt haben. Und genauso, wie sie hier mit ihren Anschlägen zwar arme Leute umbringen, aber in Wirklichkeit zu nichts kommen, sind sie dort zu nichts gekommen. Leute, die aus dem Bazillus eines Terrorregimes, das von oben regiert, geboren werden, sind nicht für den Untergrundkampf geboren. Das ist nicht ihre Mentalität.

Ich habe zu dem Herrn Burger gesagt: Sie werden auf ihrem Gewissen ein paar hundert Leute, Tote, Italiener, Österreicher und Südtiroler haben, aber sonst werden sie gar nichts erreichen, denn das hat ihnen ihr geistiger Großvater, der Herr Himmler, nie beigebracht, wie man für die Freiheit im Untergrund kämpft. Sie wissen nur, wie man von oben die Freiheit unterdrückt, und das können sie nicht umdrehen. Da war er wütend. Das habe ich ihm bei einer Versammlung offen gesagt, da haben sie mich ausgepfiffen, und er ist aus dem Saal gegangen – Gott sei Dank, sonst hätte er mich verprügelt, das war bei der Freiheitlichen Studentenschaft im Jahr 1962. Das ist auch heute meine Überzeugung, daß sie deswegen nichts erreicht haben, weil ihnen das Kastel im Kopf fehlt, wo drinnensteht: Für Freiheit kämpfen und, wenn es sein muß, sterben. Erstens wollten sie nicht sterben, und wenn, dann nur für den Führer, und der war halt in den Südtiroler Dörfern nicht zu finden.

Ich habe in dem Buch „Feuernacht“ gelesen, daß Norbert Burger schon 1954 aktiv war.

Das weiß ich nicht, aber individuelle Anschläge gab es schon in den vierziger Jahren, eben nicht organisiert.

Organisation von Widerstand

Wie organisiert sich eine Widerstandsbewegung? Wie finanzierte sie sich? Woher besorgte sie sich, in diesem Fall, die Sprengmittel?

Es gibt mehr Fragen. Beides, Finanzen und Waffen, ist essentiell, aber der Anfang einer Widerstandsbewegung besteht darin, daß man die Leute findet, die eine gewisse Vorraussetzung mitbringen, nämlich Mut, Zivilcourage und Intelligenz. Mut allein genügt nicht, Zivilcourage ist etwas eigenes, nämlich selbst entscheiden und couragiert entscheiden, und das dritte, die Intelligenz ist nötig, damit man weiß, daß man das Richtige entscheidet. Ohne solche Leute kann man keine Infrastruktur aufbauen, sie sind die Basis einer Widerstandsbewegung, egal ob sie sich mit kämpferischen, nachrichtensammelnden oder propagandistischen Aktivitäten beschäftigt, z.B. einen Böller steigen lassen, der keinen Schaden anrichtet, aber einen Höllenlärm macht und die ganze Stadt aufweckt.

Man muß zuerst eine relativ große Anzahl von Leuten haben. Wie wir das Ganze in den Jahren 1958/1959 in Südtirol aufgebaut haben, waren am Schluß wirklich nur fünf oder sechs Leute eingeweiht, und jeder von den sechs hat wiederum fünf gehabt. Das waren dann schon dreißig. Insgesamt waren es vierzig, und jeder von diesen hatte drei. Im ganzen waren also nicht mehr als 120 Leute in Südtirol eingeweiht, als die ersten zwanzig Masten hochgegangen sind.

Eine kleine Organisation?

Sie muß klein sein, die Leute dürfen sich nicht gegenseitig kennen, nicht mehr als unbedingt notwendig, der Obere kennt fünf Untere. Oben gibt es vielleicht fünf, die kennen also insgesamt dreißig, die wiederum kennen vielleicht fünf, die nächsten kennen dann nur mehr zwei. Das muß dann funktionieren. Die Leute müssen die Goschn halten können, das ist das Wichtigste. Sie dürfen sich nicht wichtig machen, sie dürfen nicht auffallen.

Sie müssen ununterbrochen sagen: Diese Trotteln, die da diesen Nationalismus predigen, der Fremdenverkehr geht vor die Hunde, die Italiener werden sich ärgern, wir werden nur Schwierigkeiten haben. Sie müssen immer das Gegenteil von dem sagen, was sie denken. Der wirkliche Untergrundmann in einem besetzten Land, und Südtirol war in dem Sinne ein von den Carabinieri besetztes Land, darf als solcher nicht erkannt werden, denn im Augenblick, da man schon weiß, er ist zumindest gegen die Italiener, wird der nächste Carabiniere aufpassen. Dann ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis man ihn erwischt. Diese Infrastruktur muß an erster Stelle stehen.

Woher kam das Geld?

Das muß meist von woanders herkommen, denn diese kleinen Leute sind meist junge Idealisten, Studenten, Bauernsöhne oder Arbeiter, die haben kein Geld. Die beste Methode ist, glaube ich, daß man die Leute ein bißchen erpreßt, indem man ihnen sagt: Lieber Herr Kommerzialrat „X“, wenn du von deinen Milliarden nicht fünfzig Millionen gibst, dann wird möglicherweise auch eine deiner Fabriken durch einen Irrtum hochgehen. Ich weiß nicht, ob es die Südtiroler so gemacht haben, wir haben es in der Nazizeit getan. Foradori zum Beispiel war einer der größten Textilindustriellen von Nordtirol, unsere Leute in Tirol haben es von ihm geholt, und dann ist sogar er gekommen und hat es uns nachgetragen. Es war also nicht schwer, Geld zu beschaffen, aber ich war glücklich darüber, daß ich das nicht zu tun hatte. Da waren eigene Leute dafür eingesetzt. In Südtirol war es sicher ähnlich, die haben jede Menge Geld gehabt. Geld war kein Problem. Die reichen Kaufleute in Bozen haben sich alle freigekauft, die haben jede Menge gezahlt.

Meine Aufgabe war Politik, die Versuche, mit den Amerikanern zu verhandeln, auch mit den Italienern via New York, in Österreich mit dem Bundeskanzler und dem Vizekanzler. Aber ich weiß, wie das ungefähr geschehen ist, und die Waffenbeschaffung ist nie in Südtirol erfolgt, sondern immer in Österreich oder in der Schweiz. In Deutschland erst, nachdem die Burger-Leute gekommen sind, weil wir haben den Spundus davor gehabt: Die Südtiroler haben eh schon die Eigenschaft, daß sie immer nur von „deutsch“ reden. Sie meinen Österreich, besser gesagt Tirol, aber sie reden von „deutsch“, wir sind „deutsch“. Wie der erste internationale Journalist gekommen ist, und alle haben gesagt, wir sind „deutsch“, hat er gemeint, aha, das sind die Neonazis. Daher keine Waffen aus Deutschland.

Es gibt eine Aussage von Pfaundler, daß er Sprengstoff aus der Widerstandszeit gehabt hätte.

Das kann schon sein.

In der Sendung „Freizeichen“ im Februar dieses Jahres haben Sie, scheint es, angedeutet, daß Pfaundler Waffen aus den amerikanischen Waffenlagern für den Südtiroler Widerstand verwendet hat.

Ich wurde gefragt, ob ich es für möglich halte. Darauf meinte ich nur, möglich ist alles, aber ich kann es weder bestätigen noch sonst etwas.

Tirol stand doch bis 1955 unter französischer Verwaltung. Wurden da nicht alle Waffen eingesammelt? Wurden die Waffen versteckt? Und wenn, warum?

Wegen Südtirol.

Von vornherein? Oder erst, nachdem Gruber gescheitert war?

Von vornherein. Es war ja der Gedanke da, Südtirol mit der österreichischen Gendarmerie zu besetzen, unmittelbar nach dem Krieg. Das war der erste Gedanke im Frühjahr 1945.

Das wäre damals auch möglich gewesen. Da haben sich nur die in Südtirol in die Hosen gemacht. In Nordtirol wäre Gruber dafür zu haben gewesen. Den Amerikanern, mit denen ich da rauf gekommen bin, war alles wurscht. Sie sagten: O.K., let’s get to Austria. Aber dann haben sie doch einen General angerufen, und der hat gesagt: Keep your hands out of it. Und dann hat es nicht geklappt. Denn es hätte nur im ersten Moment gehen können. In den ersten acht Tagen waren die Italiener geschockt, die Carabinieri und die Armee sind davongelaufen, die wurden von den Engländern als Gefangene eingesammelt. Wenn da drei Lastwägen voll mit österreichischer Gendarmerie nach Bozen, Brixen, Bruneck und Meran gefahren wären, so wäre Südtirol bei Österreich gewesen.

Bei Gott, ich wollte, wir hätten es getan und hätten zehn rotweißrote Fahnen aufgesteckt, dann wären die Verhandlungen unter einem anderen Stern gestanden. Wir hätten in Paris verhandelt und die Italiener hätten gesagt: Schweinerei, die müssen uns Südtirol wieder zurückgeben. Aber Zurückgeben ist immer schwieriger als Krieg.

Aber das war wahrscheinlich der Hintergedanke bei Leuten wie Pfaundler, Munition und Waffen, die man vielleicht noch aus dem Widerstand hatte, aufzuheben. Die Franzosen haben geholfen, wo sie konnten. Mir ist nicht bekannt, daß sie direkt Waffen hergegeben hätten, aber geholfen haben sie überall. Sie waren von allen Alliierten am stärksten dafür, daß Südtirol wieder zu Österreich kommt, weil die Italiener ihnen Nizza gestohlen haben.

Im Widerstand gegen die Nationalsozialisten

Sie haben in ihrem Buch auch den Oberst und späteren General Lahousen erwähnt. Sie haben das nicht explizit geschrieben, aber es schien, als hätte er den Widerstand heimlich unterstützt.

Und wie. Ich schildere ja meine Situation als junger Bursche, wie ich es damals gesehen habe und keine Wertschätzungen. Der hat mir das natürlich nicht gesagt, dazu war ich damals viel zu unbedarft und zu unbedeutend. Außerdem wäre das für ihn auch viel zu gefährlich gewesen zu sagen: Ich bin gegen den Hitler, wir beide sind gegen die Nazis, daher machen wir das und das. Ich habe ihn konspirativ bei einem Abendessen getroffen, wo ich gar nicht gewußt habe, daß er hinkommt. Dort hat er gleich Du zu mir gesagt, damit war klar: Er, der österreichische Offizier, sagt zu einem österreichischen Soldaten Du, da ist eine Verbindung. Das hätte ein Nazi nie gemacht: Ein Oberst, der zu einem Soldaten Du sagt ohne Grund. Da habe ich bemerkt, er bezieht mich in seine Welt ein.

Nachher hat er zu mir gesagt: Ich kann dich mitnehmen, gemma a bisserl spazieren. Dann hat er mir gesagt, du wirst jetzt versetzt werden, mach dir keine Gedanken. Ich bin mit solchen Ohren dagestanden, denn ich habe geglaubt, daß ich am nächsten Tag nach Rußland fahre. Da habe ich dann langsam bemerkt und im nachhinein erst nachvollzogen, daß er sehr genau informiert war, durch den Major Stillfried und durch Becker, daß ich schon in einer Widerstandsgruppe gewesen war, ein Strafbataillon durch Zufall überlebt habe, welches in Stalingrad draufgegangen ist, wodurch alle Unterlagen vernichtet waren. Er hat das begriffen und sich gedacht, den schicken wir nach Italien und setzen ihn ein.

Die Abwehr war halt besser als der Generalstab und das Außenministerium. Von der Abwehr sind nur der Chef der Abwehr Admiral Canaris und der Wiener Abwehrchef Oberst Marogna-Redtwitz hingerichtet worden. Denn die Abwehr hat gewußt, wie man professionell so ein Geschäft führt. Sie haben sich nicht gegenseitig informiert, sie haben keine Gesprächskreise auf Schlössern in Ostdeutschland organisiert. Die waren ja vollkommen verrückt, diese Widerstandskämpfer.

Die haben oft telefoniert und anderes mehr. Szokoll hingegen war klug, er hat zu Stauffenberg gesagt, er macht nur mit, wenn der Graf sich ein zusätzliches Telefon beschafft, und auf diesem Telefon wird nur er anrufen. Er wird ihm berichten, was in Wien und in der Ostmark los ist, aber er wird nur dann sprechen, wenn er die Stimme von Stauffenberg hört, und dieser solle ihn nie von diesem Telefon aus anrufen. Auf diese Weise ist der Szokoll nie aufgeflogen. Alle anderen Telefone von Stauffenberg waren nämlich schon seit Monaten von der Gestapo abgehört worden.

Nach dem Attentat wurde die Abwehr doch ...

Aufgelöst. Der Lahousen ist dann ins Reichssicherheitshauptamt eingegliedert worden.

Im österreichischen Untergrund gegen die Sowjetunion

Wie kamen Sie zu diesem geheimen Treffen 1946 in Zürich zur Organisation eines Widerstandsnetzes gegen die Sowjets, von dem Sie in ihrem Buch „Besetzer, Toren, Biedermänner“ schreiben?

Der einzige Grund, warum ich trotz meiner Jugend dabei sein durfte, war, daß ich schon 1944 Verbindungsoffizier zwischen dem alliierten Hauptquartier und dem österreichischen Widerstand war. Alle Intelligence Officers haben mich gekannt, und ich war der Sekretär des Außenministers. Diese Kombination hat dazu geführt, daß ich auf dieser sehr hohen Ebene miteinbezogen wurde.

Das war damals ein privates Treffen, vom Waibel und vom Dickmann organisiert, im Einvernehmen mit Gero von Gävernitz, dem Sprecher der Amerikaner. Mit dabei war etwa Josef Müller, damals Minister in Bayern, es war aber mehr ein lockerer Kreis, nicht unbedingt mit Leuten in Funktionen, sondern aus verschiedenen Ländern. Von denen ist angenommen worden, daß sie in ihrem Land etwas bewegen können, sollte es zu irgendwelchen Aktivitäten kommen. Aus Österreich waren das Dr. Kurt Grimm, den ich damals im Buch nicht erwähnte, und ich. Damals habe ich Dr. Grimm nicht genannt, weil er es nicht wollte. Ich bin damals zu jedem hingegangen und habe gefragt, ob er genannt werden wollte.

Sie haben geschrieben, daß Sie mit den Herren Olah und Lemberger versucht haben, diese Strukturen in Ostösterreich aufzubauen.

Lemberger, Olah und ich haben völlig andere Funktionen gehabt, ich hatte den Kontakt zu den alliierten Stellen aufrechtzuerhalten und wahrzunehmen, damals war ich schon nicht mehr im Außenministerium. Lemberger war der Verbindungsmann, inoffiziell und geheim natürlich, des Außenministeriums zu diesen Aktivitäten, insbesondere derer der Gewerkschaften, also zu Olah. Und Olah war der Olah.

Verstehe.

Wir drei waren in völlig verschiedenen Funktionen, wir haben uns nicht alle paar Wochen zu dritt getroffen. Olah habe ich eigentlich nur in Amerika getroffen. Olah hatte mit anderen Leuten zu tun, mit der Gewerkschaft, ich nehme an mit Oskar Helmer, dem damaligen Innenminister und so.

Auf das Interview mit Ihnen in der Zeitschrift „News“ hat Olah sehr ungehalten reagiert und gesagt, man müsse schweigen.

Olah hat den Standpunkt, über diese Dinge nicht sprechen zu wollen. Ich dagegen schon, wenn durch Dummheit oder die Entwicklung der Welt Dinge an die Öffentlichkeit gelangen. Ich sehe dann keinen Grund, jetzt noch darüber zu schweigen, besonders dann nicht, wenn jemand wie die amerikanische Botschafterin, wenn auch in gutem Glauben, einen solchen Blödsinn daherredet. Das muß man richtigstellen, schon um Österreich und Amerika in ein richtiges Licht zu rücken und hier nicht eine falsche Darstellung stehenzulassen. Aber Olah hat das Recht auf seine eigene Meinung und hat außerdem viele andere Sachen, über die er nicht gerne reden will. Daher redet er am liebsten überhaupt nichts. Über die „Kronen Zeitung“ wird er Ihnen auch nichts erzählen. Ich bemühe mich, die Wahrheit zu sagen. Ich bemühe mich, keine dritten Personen bloßzustellen, weil ich nicht weiß, ob diese das wollen. Daher sage ich immer wieder: Über das will ich nicht reden.

Über dieses Untergrundnetz schreiben Sie, daß der NKWD (sowjetischer Geheimdienst) es bald unterwandert hätte. Deshalb auch die Verhaftung von Margarethe Ottilinger, die ja sonst nur mit reiner sowjetischer Behördenwillkür zu erklären gewesen wäre. Aber es kamen doch alle zurück: Inspektor Marek, Kiridus, Ottilinger, Dr. Spann?

Ob der Marek zurückgekommen ist, weiß ich nicht. Kiridus ist zurückgekommen, aber den kannte ich nicht. Ich kannte Marek, Spann und Ottilinger. Viele andere, die verhaftet wurden, kannte ich auch nicht.

Sie wären ja ohne ihren Freund Johannes Imhof vom CIC wohl auch nicht rausgekommen?

Wahrscheinlich. Er war ein geborener Wiener, sein Bruder Victor Imhof vom Bankhaus Pinschoff lebt noch. Johannes Imhof ist nur auf Grund eines Stipendiums in den USA gewesen und blieb dort, weil er gegen den Nationalsozialismus war und trat freiwillig der US-Army bei. Sein Bruder diente hier.

Sie haben auch geschrieben, daß Sie gute Kontakte zu Walter Jost und Coburn Kidd hatten.

Walter Jost war diplomatischer Geschäftsträger, und Coburn Kidd war Chef des Political Department an der Botschaft. Das waren Diplomaten, die den Kontakt zu politisch interessierten Österreichern gehalten haben. Ich kannte natürlich auch einige von der CIA, wie zum Beispiel Charles Friediger.

Es ist ja auch bekannt, daß ihr damaliger Schwiegervater Allen Dulles war, der spätere CIA-Chef.

Na ja, ich habe Joan Dulles erst im Jahre 1948 geheiratet.

Erst als Sie in New York waren?

Genau. Ich lernte sie 1946 in der Schweiz kennen. Dulles aber kannte ich ja schon seit 1944.

Wie lang blieb dieses Untergrundnetz bestehen. Über 1955 hinaus?

Das kann ich Ihnen leider nicht sagen, da ich ja 1948 verschwinden mußte, weil die Russen mich schnappen wollten. Ich unterbrach auch automatisch alle Kontakte, um niemanden in Gefahr zu bringen. Ich weiß von einigen Leuten wie Professor Fritz Neeb, Statistiker an der Universität Linz, die weitergemacht haben. Er war einer der Hauptführer, mußte aber 1948/49 nach Linz flüchten. Leider ist er schon vor zwei Jahren verstorben. Die haben dann zum Teil weitergemacht. Ich bin erst im Jahr 1950 zurückgekommen. Das russische Hochkommissariat hat mich auf Intervention des Außenministeriums zurück nach Österreich gelassen, mit der klaren Auflage, nichts mehr mit all diesen Dingen zu tun zu haben. Außerdem hätte ich nur die anderen und mich gefährdet.

Woher kamen diese Gruppen?

Zum Teil aus dem Auerspergkreis

Gehörte der Quiritenklub dazu?

Ein Großteil des Quiritenklubs gehörte zum Widerstand, ein kleiner Teil gehörte vielleicht auch zu dieser Organisation, aber das weiß ich nicht genau.

Motivation

Wie lange waren Sie Herausgeber der „Presse“?

Vom Jahr 1953 bis 1962.

Als Herausgeber einer österreichischen Tageszeitung ist es doch erstaunlich, wenn auch auf Grund ihrer Biographie verständlich, daß Sie im Hintergrund eine solche politische Linie verfolgten.

So habe ich mich gesehen, und so komisch es klingen mag, so sehe ich mich heute noch. Aber momentan „besteht kein Handlungsbedarf“, würde der Herr Bundeskanzler Vranitzky sagen. Ich habe mich mein Leben lang als österreichischen Patrioten gesehen.

Als österreichischer Patriot habe ich mich, sobald ich konnte, einer Widerstandsgruppe angeschlossen, habe versucht, mir Waffen zu beschaffen. Dann haben sie mich eingesperrt, und so ist es eine logische Geschichte gewesen. Der Kampf gegen die Nazis war ein Kampf für die Wiederherstellung eines freien Österreichs. Den habe ich mit Freunden, die ich alle erst im Untergrund kennengelernt habe, zumindest die Mehrzahl, geführt. Da haben wir nie daran gedacht zu diskutieren, welcher politischen Partei man angehört. Mein engster Freund war ein Sozialdemokrat, der spätere Botschafter Lemberger. Eine Reihe von Kommunisten, gerade in Tirol, war im Untergrund. Genauso konnte ich mit Sozialdemokraten, Konservativen, mit Erzmonarchisten, die eine der besten Gruppen waren. Es gab nur ein Problem: Österreich freimachen und den Hitler hinaushauen. Dann ist das auch geschehen, zugegebenermaßen vorwiegend durch die Alliierten, aber ein bisserl was haben wir auch dazu getan. Dann waren wir zufrieden und haben gesagt, was brauchen wir noch? Ordnung im Lande, demokratische Verhältnisse, freie Wahlen, Abwehr des sowjetischen Druckes in der Ostzone. Das hat sofort mitgespielt, aber das Hauptproblem war Südtirol. Ich habe mich damals sehr für die Minderheiten im Lande eingesetzt, denn meine Mutter war Kroatin, deshalb war ich für die kroatischen Burgenländer und automatisch für die Slowenen in Kärnten und für die Ungarn im Burgenland. Also haben wir gesagt, wir können nicht für Südtirol etwas verlangen, was wir im eigenen Land nicht tun. Dafür wurde ich damals von nationalen Kreisen heftig attackiert. Aber so war es damals.

Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Ludwig Csépai.

Siehe auch das Interview mit Fritz Molden in ZOOM 3/98.

Fritz Molden

Sohn des Chefredakteurs der „Neuen Freien Presse“ Ernst Molden und der Dichterin der österreichischen Bundeshymne Paula von Preradovic, arbeitete schon während seiner Wehrmachtszeit mit dem österreichischen Widerstand gegen das Dritte Reich zusammen. Er desertierte 1944 von der nationalsozialistischen Wehrmacht, schlüpfte bei der italienischen Partisaneneinheit „Fiamme Verde“ unter und baute die Kontakte des österreichischen Widerstandes zum alliierten Ausland auf. Unter dem Decknamen „Gerhard Wieser“ war er der Verbindungsmann des österreichischen Widerstandes zur OSS-Schweiz unter Allen Welsh Dulles und zum Schweizer Geheimdienst. Nach dem Krieg Verleihung der „medal of freedom“ durch die USA, 1946 Aufbau eines antisowjetischen Untergrundnetzes im sowjetischen Teil Österreichs, 1948 aufgeflogen und in die USA emigriert, Heirat von Joan Dulles, Tochter des späteren CIA-Chefs Dulles. Nach der Rückkehr aus den USA Mitherausgeber und nach dem Tod seines Vaters 1953 alleiniger Herausgeber der Tageszeitung „Die Presse“. 1957 Mitglied des politischen Komitees des Südtiroler Befreiungsausschusses, Gründer des Verlages Fritz Molden, Präsident des Auslandsösterreicherwerkes. Bruder Otto Molden war Mitglied der österreichischen Widerstandsorganisation O5 und Mitbegründer des „Forum Alpbach“, damals „Österreichisches College“ genannt.

Namensregister

Amplatz, Luis, Südtiroler Freiheitskämpfer und Terrorist, 1964 bei einem Attentat durch einen italienischen Geheimdienstagenten ermordet.
Becker, Dr. Hans, bis 1938 Leiter des Propagandareferates und des geheimen Nachrichtendienstes der Vaterländischen Front im austrofaschistischen Ständestaat, 1941 aus Dachau entlassen, im katholischen Widerstand gegen das Dritte Reich, Mitglied des Provisorischen Komitees der O5 im April 1945.
Burger, Dr. Norbert, Gründer der NDP, Rechtsextremist bzw. Neonationalsozialist, Südtirolterrorist.
De Gasperi, Alcide, italienischer Außenminister bei den Pariser Verhandlungen über Südtirol.
Dickmann, Dr. Fritz, Leiter der Österreich-Abteilung des Schweizer Militärgeheimdienstes während des Zweiten Weltkrieges.
Dulles, Allen Welsh, Rechtsanwalt in New York, 1942 Leiter des OSS-Bureaus New York, danach Leiter der OSS-Schweiz von November 1942 bis 1945 in Bern. 1945 Leiter der OSS-Mission für Deutschland in Biebrach bei Wiesbaden, 1947 Berater des US-Repräsentantenhauses in Sachen Geheimdienst, 1948 Leiter eines Komitees zur Überwachung des CIA, 1951 Vizedirektor der CIA, 1953 bis 1961 CIA-Direktor.
Gaevernitz, Gero von Schulze-, OSS-Offizier, rechte Hand von Dulles in Bern.
Grimm, Dr. Kurt, 1938 nach Zürich emigriert, 1942 Aufbau eines österreichischen Flüchtlingskomitees.
Gruber, Dr. Karl, ÖVP, organisierte den bewaffneten Widerstand in Innsbruck 1945, Außenminister bis 1953.
Helmer, Oskar, SPÖ, bis 1934 stellvertretender Landeshauptmann Niederösterreichs, sozialistischer Vertrauensmann während des Dritten Reiches und in der Zeit vom kleinen Angestellten der kirchlichen Versicherungsanstalt Assecurazione Generali zum Direktor derselben aufgestiegen, 1945 -1959 Innenminister.
Kiridus, Franz, Gendarmeriebeamter, Mitglied des antisowjetischen Untergrundnetzes im sowjetischen Teil Österreichs, am 16.7.1948 von den Sow- jets verhaftet, 1955 freigelassen.
Klotz, Georg, Mitglied des BAS, Südtirolfreiheitskämpfer und Terrorist, 1964 bei einem Attentat durch einen italienischen Geheimdienstagenten schwer verletzt.
Lemberger, Dr. Ernst, SPÖ, Emigrant, Freiheitskämpfer im französischen Maquis 1943 bis 1945, stellte den Kontakt zur O5 in der Schweiz her, Empfänger der ’medal of freedom’ durch die USA.
Lahousen-Vivremont, Erwin Edler von, Oberstleutnant i.G. der österreichischen Nachrichtenabteilung unter Oberst des Generalstabes Böhme bis 1938, danach 1941 Oberst der nationalsozialistischen Abwehr unter Admiral Canaris, Leiter der Abteilung II (Sonderdienst) der Abwehr 1938 bis 1943, ab 1943 stillschweigende Unterstützung des österreichischen Widerstandes, Kronzeuge der Staatsanwälte im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß.
Marek, Anton, nach 1945 Vertrauensmann von Oskar Helmer im Innenministerium, Leiter der Stapo-Gruppe 5 im Innenministerium, zuständig für Flüchtlingsvernehmungen, Mitglied des antisowjetischen Untergrundnetzes im sowjetischen Teil Österreichs nach 1945; am 17.6. 1948 von den Sowjets verhaftet, Rückkehr 1955.
Ottilinger, Dr. Margarethe, Sektionschefin im Ministerium für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung, Mitglied des antisowjetischen Untergrundnetzes im sowjetischen Teil Österreichs nach 1945, von den Sowjets 1948 verhaftet, 1955 Rückkehr nach Österreich.
Pfaundler, Wolfgang, Führer der Ötztaler Partisanen gegen die Nationalsozialisten, einer der BAS-Gründer, Waffen-, Sprengstoff- und Geldbote des Südtiroler Freiheitskampfes respective Terrors.
Szokoll, Karl, Major der nationalsozialistischen Wehrmacht, Anführer des österreichischen Teiles der Stauffenberg-Verschwörung, konnte bis April 1945 den militärischen Widerstand in Österreich, gemeinsam mit der O5, weiter organisieren. Von den Sowjets (NKWD) als angeblicher Westagent Mai 1945 verhaftet, als die Widerstandsbewegung eine provisorische Regierung aufbauen wollte, konnte aber entkommen. Im Oktober 1945 wurde er erneut verhaftet, mit dem Vorwurf, die Regierung Renner stürzen zu wollen. Der einzige Vertreter von O5 in der Regierung, Raoul Bumballa-Burenau, wurde entlassen, die O5 als Organisation verboten. Szokoll wurde ein Jahr darauf entlassen.
Waibel, Max, Major, Mitbegründer des geheimen antinationalsozialistischen „Offiziersbundes“, der für den Fall eines Angriffes durch das Dritte Reich auf die Schweiz das Kommando übernehmen und Widerstand leisten sollte, Chef des NS 1 (Nachrichtenstelle) des Schweizer Nachrichtendienstes während des Zweiten Weltkrieges, 1947 Militärattaché an der Schweizer Botschaft in Wahington.

Organisationen

Auerspergkreis, Teil der O5, nach dem Treffpunkt im Palais Auersperg benannt, nach Gefangennahme führender Mitglieder der POEN durch die Gestapo Treffpunkt des Siebenerausschusses und Sturmlokal für den dann mißlungenen Aufstand in den frühen Apriltagen 1945.
O5, anfangs nur Symbol, im Jahre 1944 langsamer Aufbau von Kontakten zwischen den unterschiedlichen Kreisen und Geheimgruppen des Widerstandes.
Quiritenklub, Sammlung von Liberalen und ehemaligen Widerständlern innerhalb der ÖVP zwischen 1945 und 1948; Mitglied war unter anderen Fritz Molden.

Literatur:

  • Fritz Molden: Fepolinski und Waschlapski auf dem berstenden Stern. Bericht einer unruhigen Jugend. Verlag Fritz Molden, Wien-München-Zürich 1976.
  • Fritz Molden: Besetzer, Toren, Biedermänner. Ein Bericht aus Österreich 1945-1962. Verlag Fritz Molden, Wien-München-Zürich-New York 1980.
  • Otto Molden: Der Ruf des Gewissens. Der österreichische Freiheitskampf 1938 – 1945. Verlag Herold, Wien-München 1958.
  • Joseph E. Persico: Die späte Infiltration des OSS-CIA im Nazideutschland 1945. Ein Dokument klassischer Geheimdienstmethoden. Verlag Fritz Molden, Wien-Zürich-München-Innsbruck 1980.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Oktober
1996
ZOOM 4+5/1996, Seite 33
Autor/inn/en:

Ludwig Csépai: Redaktionsmitglied von Context XXI (ZOOM) bis März 1999.

Fritz Molden:

1924 in Wien geboren, Sohn des Historikers und Journalisten Ernst Molden und der Dichterin Paula von Preradović, der Verfasserin des Textes der österreichischen Bundeshymne. Ab 1940 Verhaftungen durch die Gestapo wegen Widerstandes gegen das NS-Regime. Verbindungsoffizier des Widerstandes zu den Alliierten. 1945 Sekretär des österreichischen Außenministers, anschließend Diplomat in den USA. 1950 bis 1962 Redakteur, später Herausgeber der „Presse“, der „Wochenpresse“ und des „Express“; 1963 Gründer des Molden Buchverlages, den er mit Unterbrechungen bis 2004 führte. Lehrbeauftragter am Institut für Publizistik und an der Diplomatischen Akademie in Wien. Seit 1976 Präsident derAuslandsösterreicher-Werkes. Seit 1982 auch freier Schriftsteller und Filmemacher (52 TV-Dokumentationen „Auf rot-weiß-roten Spuren“). Zahlreiche Publikationen, darunter autobiografisch „Fepolinski und Waschlapski“, „Besetzer, Toren, Biedermänner“, „Feuer in der Nacht“ und „Ungarns Freiheitskampf 1956“.

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