Zeitschriften » FŒHN » Heft 23+24
Markus Wilhelm

Ein Bild lügt mehr als tausend Worte

Statistiken, sagt man, lügen. Falsch! Statistiker lügen. Die Zahlen, die Meinungs„forscher“ oder Wirtschafts„forscher“ auf Wunsch ihrer Auftraggeber in die Welt setzen, sind nach ihrer Brauchbarkeit, das heißt, ihrer politischen Rückwirkung ausgewählt. Die Zahlen sollen, um Gottes Willen, nicht aussagen, was ist, sondern — hier, bitte, ist das Geld! — was die Leute glauben sollten, daß sei! Weil aber das Hochrechnen, wie man das in diesen Kreisen nennt, auch irgendwo seine Grenzen hat, müssen die Grafikkünstler das ganze noch überzeichnen. Solche Schaubilder haben den Glanz der Mathematik, der Präzision, der Gewissenhaftigkeit, und damit der viel höheren Glaubwürdigkeit als alle schönen Worte. Mehr noch, es sind die Andachtsbilder der Wachstums-Religion, die uns vor allem von Politik- und Wirtschaftsseiten herunter betören und in die Knie zwingen sollen. Die zwei ziemlich willkürlich ausgesuchten Beispiele zu unserem Thema stammen aus zwei verschiedenen Fälscherwerkstätten.

  1. Die zugrundelügenden Zahlen stimmen natürlich nicht.
  2. Die Platte, auf der die beiden Diagramme stehen, fällt stark nach rechts ab, damit die halt doch nicht ganz zu verheimlichende Steigerung der „Preise bei EG-Beitritt“ nicht sichtbar wird. Selbst wenn die Kurve aufwärts geht, geht sie damit abwärts.
  3. Der Riegel der „Preise bei Nicht-Beitritt“ startet schon viel höher, damit er ja den vorderen Riegel stark überragt. (Würde man die beiden vertauschen, sähe „der Beitritt“ schlecht aus.)
  4. Durch das Hineinsetzen der Indexzahlen wird verdeckt, daß die vordere Kurve ab 1999 stärker ansteigt als die hintere.

Usw.

Kurier, 12.9.1992
  1. Die zugrundelügenden Zahlen stimmen natürlich nicht.
  2. Obwohl nur 8 Prozent Unterschied sein sollen, wird durch den Trick, daß die Grafik erst bei 30% beginnt, der Eindruck vermittelt: Doppelt soviele sind „Für EG“ wie „Gegen EG“.
  3. Der 5%-Rasterabstand ist durch die unnotwendig perspektivische Zeichnung am Ende (Dez’93) viel breiter als am Anfang (Dez’91) und vergrößert damit den Abstand der beiden Riegel immer mehr.
  4. Der vordere Riegel ist im Original natürlich rot, der hintere natürlich grün ...

Usw.

News-Spezial „EU-Extra“, 4/94

Wurden die grafischen Darstellungen von den Kriegsschauplätzen auf Seite 1 des „Völkischen Beobachters“ dort publiziert, weil sie gestimmt haben oder weil sie nicht gestimmt haben? Auch dort ging’s um die Leugnung der wirklichen Kriegslage, um die Verzerrung des tatsächlichen Frontverlaufs. Die Erfolge des Gegners wurden heruntergespielt und die eigenen Kräfte überzeichnet.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
1997
Heft 23+24, Seite 92
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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