Zeitschriften » Context XXI » Print » Jahrgang 1996 » ZOOM 4+5/1996

Editorial

Als Anfang dieses Jahres bekannt wurde, daß die CIA nach Kriegsende beträchtliche Mengen an Waffen und Sprengstoff in österreichischem Boden vergraben hatte, wurde offensichtlich, daß auch Österreich Operationsgebiet für verdeckte Aktivitäten des US-Geheimdienstes gewesen ist. Den Hintergründen der Waffenlager gehen wir in dieser Broschüre nach.

Die den Operationen hier wie in anderen europäischen Ländern zugrundeliegenden Strukturen waren ein Produkt der amerikanischen Geheimpolitik während des kalten Krieges. Aus ihnen entwickelte sich der unter seinem italienischen Namen „Gladio“ bekanntgewordener NATO -Geheimdienst, in den auch neutrale Staaten eingebunden waren.

Vieles von dem, was in dieser Broschüre angeschnitten wird – etwa die Remilitarisierung Österreichs oder die Rekrutierung alter und neuer Nazis für geheime Einsätze –, ist heute bereits Geschichte. Eine Geschichte aber, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind.

Die mit den verschiedenen Vorgängen einhergegangenen Verletzungen der österreichischen Neutralität werden vom Bundesheer und seinem Nachrichtenamt bis heute fortgesetzt. Jene, die die Neutralität immer nur in ihrer militärischen Dimension gedacht haben, nahmen daher auch das Bekanntwerden der Waffenlager zum Anlaß, auf die Obsoletheit der Neutralität hinzuweisen. Die De-facto-Anbindung Österreichs an das westliche Bündnis, schrieb etwa Andreas Unterberger in der „Presse“, habe dazu geführt, daß die Neutralität heute einer „schlapp mit wenig Restluft gefüllten, am Boden schleifenden Birne“ gleiche. Warum also nicht gleich der NATO beitreten?

Eine – wenngleich auch zumeist unerwünschte – Folge der Rekrutierung von Nationalsozialisten durch den amerikanischen und andere Geheimdienste war die dadurch geleistete „Aufbauhilfe“. Denn die in den fünfziger und sechziger Jahren geschaffenen Neonazistrukturen führen direkt in den heutigen Naziuntergrund. So wurde letztes Jahr bei einem deutschen Naziterroristen, der eine zeitlang sogar als „Hirn“ der österreichischen Briefbombenterroristen gehandelt wurde, eine große Zahl an Waffen und Sprengstoff gefunden. Diese stammten mit aller Wahrscheinlichkeit aus einem Gladio-Depot.

Während der Arbeit sellte sich heraus, daß das uns zur Verfügung stehende Material mehr als eine Broschüre gefüllt hätte. Aktuelle Beiträge zu Thema werden wir daher in den kommenden regulären Ausgaben der ZOOM nachreichen. Für alle, die mit dieser Broschüre zum ersten Mal eine ZOOM in ihren Händen halten, vielleicht ein Grund, diese zu abonnieren.

Ein Danke für das Zurverfügungstellen von Material an Thomas C. und Christian Stifter.

Die ZOOM-Redaktion

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Oktober
1996
ZOOM 4+5/1996, Seite 1
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