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Ernst Lohoff
2000 Zeichen abwärts

Diese Welt ist nicht von unserem Reich

Angesichts der aus Stasizeiten vertrauten Abnahme von Geruchsproben, der massiven Einschüchterungsversuche im Vorfeld des Gipfels und der Errichtung eines anti-antiimperialistischen Schutzwalls um den Tagungsort fühlen sich viele im deutschen Osten heim in die DDR versetzt. Was die strukturelle Paranoia der politischen Klasse angeht, stimmt der Vergleich zweifellos, herrschaftsgeographisch betrachtet hinkt er allerdingsDas große Vorbild des Heiligendammer Sicherheitszaun hat einst die sozialistische Weide eingehegt, um die Arbeiter- und Bauernschäfchen am Weglaufen zu hindern. Das Remake sorgt dagegen dafür, dass potentielle Störer, also alle außer den Funktionsträgern, draußen bleiben müssen.

Die Verlegung der G8-Treffen von Städten wie Seattle oder Genua in „sicherheitstechnisch“ hochgerüstete Römerlager auf Zeit in der tiefsten Provinz, fügt sich in eine allgemeinere Entwicklung ein. In den letzten Jahren hat sich gegenüber älteren Phasen der kapitalistischen Gesellschaft eine Rollenumkehr vollzogen. Seit dem 16. Jhdt. haben die Herrschenden Vagabunden und Arbeitsscheue hinter Schloss und Riegel bringen lassen, heute sperren sie sich sicherheitshalber selber weg. Vom Absolutismus bis zu den Nachkriegsdemokratien bildete der Sitz des Souveräns das gut sichtbare, symbolische Zentrum eines Staates, der zumindest dem Anspruch nach sein gesamtes Territorium gleichermaßen erfasste. Daneben entstanden Sonderzonen der Unzugänglichkeit und potenzierten Kontrolle wie das Gefängnis, das Arbeitshaus und schließlich das Lager, die zur Aussonderung gewöhnlicher Delinquenter und vermeintlicher oder tatsächlicher Staatsfeinde dienten. Das heutige Aussperrregime greift auf diese Vorbilder zurück und organisiert die Zonen der Macht zum Hochsicherheitstrakt um.

Offiziell soll der G8-Gipfel die großen globalen Probleme (Klimaschutz, Verarmung) einer Lösung näher bringen. Es gibt viele Gründe, warum kaum jemand ernsthaft erwartet, dass er diesem Anspruch gerecht wird. Dazu gehört auch die sicherheitsgeograpische Message, die von Heiligendamm ausgeht: „Diese Welt ist nicht von unserem Reich.“

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
2007
Heft 40, Seite 20
Autor/inn/en:

Ernst Lohoff:

Ernst Lohoff ist Publizist und Mitherausgeber der Zeitschrift Krisis – er lebt und wirkt in Nürnberg.

Lizenz dieses Beitrags:
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