Zeitschriften » Grundrisse » Jahrgang 2009 » Nummer 30
Ebru Işikli • Käthe Knittler (Übersetzung) • François Naetar (Übersetzung)

Die Massenmigration in der Türkei der 1950er-Jahre vom Land in die Städte

Einleitung

Türkische IndustriearbeiterInnen kamen in den 1950er-Jahren hauptsächlich aus ländlichen Gebieten der Türkei in die Städte. Das ökonomische Umfeld dieser Jahre ist schon genau untersucht; ich versuche dagegen in diesem Artikel herauszufinden, wie die IndustriearbeiterInnen diese Zeit erlebten. Die 50er-Jahre in der Türkei hatten einige Besonderheiten bezüglich der Arbeitsbedingungen. Insgesamt gesehen, hat die Migration viele verschiedene Aspekte, wie Urbanisierung, demographische Änderungen, usw. In diesem Artikel wird nur der Aspekt der Arbeitsbedingungen behandelt.

Verschiedene Blickwinkel, die Geschichte von Arbeits- und Klassenbeziehungen zu betrachten

Methodisch möchte dieser Artikel die strukturellen Änderungen der Arbeitsbeziehungen im Kontext der täglichen Erfahrungen der ArbeiterInnen behandeln. In den Untersuchungen über die Geschichte der Arbeit können verschiedene, zum Teil in Widerspruch zueinander stehende, Herangehensweisen festgestellt werden. Auf der einen Seite wurden - vornehmlich in den 50er-Jahren in Europa - die in den Gewerkschaften und politischen Parteien organisierten ArbeiterInnen betrachtet. Änderungen der Klassenverhältnisse wurden durch Verschiebungen in ökonomischen und politischen Verhältnissen erklärt. Die ArbeiterInnenklasse war ein abstraktes Strukturkonzept.

In den späten Sechzigern entwickelte sich im Zusammenhang mit der Stärkung der politischen Bewegungen und dem verstärkten politischen Engagement der Forscher ein gesteigertes Interesse an der Alltagskultur und dem Alltagsleben der ArbeiterInnen. Eley schreibt: „ Das Alltagsleben ist Brennpunkt der revolutionären Widersprüche in einer Welt entfremdeter Sozialbeziehungen“ (Eley, 1989) Die Hauptaufgabe der ArbeiterInnenforschung bestand in der Suche nach einem geschichtsmächtigen Subjekt in seinen Existenzbedingungen. Das Interesse der Forscher verschob sich von der Geschichte der Klassen (der Klassenanalyse) zur Geschichte der Klassenkämpfe. Andere Fachrichtungen wie Soziologie und Psychologie wurden in die Untersuchungen miteinbezogen, um die Entwicklungen der Alltagskultur und des Alltagslebens zu verstehen. Das Erwachen der Klassenkräfte in den Kämpfen selbst wurde interessant.

In der Suche nach geeigneten Theorien war Thompson am einflussreichsten. E.P. Thompson beschrieb die Entstehung der ArbeiterInnenklasse mehr als einen Prozess der Selbstermächtigung [1] denn als ein Fortschreiten der Geschichte zu einem vorbestimmten Ende. Das stand im Widerspruch zu der marxistischen Tradition, die Klassenentstehung aus der Entwicklung der Produktivkräfte zu erklären. Die Thompsonsche Beschreibung des Klassenbildungsprozesses war durch die Erfahrungen der an ihm teilhabenden Menschen geformt.

Die Betrachtung des Alltags hatte in dieser Theorie eine wichtige Bedeutung und führte dazu, dass sich viele Forscher mehr mit dem Alltag der ArbeiterInnen als mit den Gewerkschaften und politischen Parteien zu beschäftigen begannen. E.P. Thompson wiederum wurde einerseits vorgehalten, dass er einen marxistischen, vordeterminierten ArbeiterInnenklassenbegriff während seiner Archivforschungen im Kopf habe, trotz seiner Behauptung, dass die Erfahrung hier sich selbst darstelle. Andererseits wurde ihm vorgehalten, dass er die Erfahrungen der ArbeiterInnen und nicht deren Beziehungen zu den Produktionsmitteln ins Zentrum stelle. [2]

Thompson empfiehlt einen gewissen Skeptizismus [3] und ein Relativieren starrer Modelle bei Forschungen, wenn der Untersuchungsgegenstand für eine dialektische Herangehensweise geeignet ist. Die dialektische Methodik besteht ja darin, durch das Aufspüren der immanenten Widersprüche einer bestimmten Argumentation zu einer vertieften Argumentation mit verbesserter Erklärungskraft zu gelangen. In diesem Sinn ist die Stärke des Thompson’schen Ansatzes die Verbindung von Erfahrung mit Struktur. Das Schlüsselwort für Thompson ist Erfahrung – die Erfahrung der ArbeiterInnen sollen in die Untersuchungen eingehen. Nicht mehr nur den Arbeitsplatz, sondern auch das Leben abseits des Arbeitsplatzes soll in die Untersuchungen einfließen.

Thompson ist skeptisch bezüglich linearer Konzeptionen von Geschichte und weist darauf hin, dass Konzepte durch Erfahrungen an Realität gewinnen. In seinen diesbezüglichen Studien verwendet er den Begriff der „moral economy“, [4] um sich auf die wirkmächtigen, aber nicht oder nur ungenügend in Gesetzen niedergelegten informellen Regeln der Subalternen zu beziehen.

Yiğit Akın kritisiert in Übereinstimmung mit diesen Überlegungen das Fehlen von Studien über die Sozial- und Kulturgeschichte der Arbeit. Auch Hakan Koçak kritisiert eine Forschung, welche die offiziellen Regelungen der Arbeitsbedingungen als Ausgangspunkt ihrer Geschichtsschreibung nimmt. Er unterscheidet zwei Ansätze. Der erste interessiert sich für Verhältnisse der industriellen Arbeit, der andere für Klassen. Ersterer liefert eine Aufzählung von Änderungen in den Arbeitsbeziehungen, [5] letzterer kann eine Vorstellung über Konflikte und Interaktion zwischen den Klassen liefern.

Im Sinne dieser Betrachtungen werden in diesem Artikel Erfahrungen mit strukturellen Veränderungen verbunden. Unter Berücksichtigung des Kontextes wird den Erfahrungen der Menschen mittels der Erinnerungen der interviewten ArbeiterInnen selbst auf den Grund gegangen. Obwohl es aufgrund des hohen Alters der Zielgruppe schwierig war, ArbeiterInnen zu finden, die in den 50er-Jahren in den Arbeitsprozess eingetreten waren, konnten drei Ex-Arbeiter dieser Zielgruppe interviewt werden. Es sind:

  • Celal Potur (1931), Et Balık Kurumu-1952 (arbeitete 25 Jahre), migrierte 1955 von Giresun nach İstanbul,
  • Vasfi Işıklı (1931), Derby Shoes-1940 (arbeitete 26 Jahre), migrierte 1955 von Yozgat nach İstanbul,
  • Mehmet Özgün (1924), Akfil Textile-1955 (arbeitete 14 Jahre), migrierte 1956 von Trabzon nach İstanbul.

Kontext

Die Veränderungen kapitalistischer Gesellschaften in den 1950er-Jahren beeinflusste die Arbeitsverhältnisse und Bedingungen sowie andere Gegebenheiten des Staates in der Türkei. Die Zeichen der Zeit waren: Industrieentwicklung durch eine liberale, aber auch geplante Wirtschaft in Verbindung mit einem Mehrparteiensystem. Die vorherrschende „solidarische“ Ideologie des Einparteienregimes verlor ihren Einfluss, der autoritäre Charakter des Staates wurde durch die marktwirtschaftlichen Reformen herausgefordert, die Türkei näherte sich den USA und ihrer Ideologie an, um sich besser in die Weltwirtschaft zu integrieren.

Nach 1954 wurden aber Importbeschränkungen eingeführt, die der lokalen Bourgeoisie mehr Kapital zu akkumulieren gestattete. Die Marktwirtschaft verwandelte sich durch den Schutz des Heimmarktes in eine gemischte Wirtschaftsform. Topraks Periodisierung der türkischen Wirtschaftsformen liefert folgendes Bild der 50er-Jahre: [6]

  • Periode der Liberalisierung: 1948-1953
  • Gemischte Wirtschaft: 1954-1957
  • Ökonomische Stabilisierung: 1958-1962

Die Demokratische Partei (DP) wollte den einzelnen ArbeiterInnen mehr individuelle Rechte (arbeitsfreie Tage, bezahlten Urlaub, etc.) als die CHP (Republikanische Volkspartei) zugestehen. Dabei wollte sie verhindern, dass diese sich in Klassenorganisationen zusammenschlössen. Gemeinsam war beiden Parteien, dass sie den Klassenkonflikt schlichtweg leugneten. [7] Beschränkungen für Klassenorganisationen wurden 1946 abgeschafft, und das Gewerkschaftsgesetz 1947 verabschiedet; aber Streiks waren weiterhin verboten. Man versuchte, Klassenkonflikte auf individueller Basis zu behandeln, und ähnlich den USA Organisationen der ArbeiterInnenklasse frei von Politik zu halten. [8] Makal meint, dass die DP der ArbeiterInnenklasse näher gestanden habe, da sie das Recht auf Streiks und eine unterschiedliche Behandlung von Streiks und Aussperrungen einzuführen versprach. Allerdings änderte sich diese Haltung der DP Ende der 50er-Jahre. Sie sprach nicht mehr über demokratische Rechte und hörte auf, das Recht auf Streiks zu verteidigen. [9] Die CHP ihrerseits änderte ihre Haltung zu den ArbeiterInnenorganisationen, die ausgehend von „Arbeiterbüros“ in der Zeit der Mehrparteienkonkurrenz (1948) entstanden. Die 50er-Jahre kennzeichnete eine Zunahme von Betrieben, die Kredite der „Industrial Development Bank“ erhielten und fordistische Produktionsformen einzuführen begannen. Dadurch gewannen die IndustriearbeiterInnen mehr und mehr an Bedeutung, obwohl sie noch keinen bedeutenden Teil der ArbeiterInnenschaft darstellten. [10] Keyder meint, dass so gut wie jeder Betrieb in den 50ern-Kredit von der „Industrial Development Bank“ erhalten habe. [11] Er meint auch, dass die 50er-Jahre für die Entstehung einer Abeiterbewegung jenseits der CHP bedeutend gewesen seien. [12]

Arbeitsverhältnisse während der 50er Jahre

Die Geschichte der ArbeiterInnenbewegung begann nicht 1950. Aber die 50er-Jahre zeichneten sich - bedingt durch die oben beschriebenen internen und internationalen Entwicklungen – durch einige Besonderheiten in Bezug auf die Entwicklung der Arbeitsverhältnisse aus. Aber auch was vorher geschah, hatte eine Einfluss. Die Kriegswirtschaft des 2. Weltkriegs schränkte bestimmte Formen von Zwangsarbeit (bounded labour) mit der damit einhergehenden Ausbeutung von Kindern und Frauen ein.

Die in der Zeit des Einparteiensystems vorherrschende Ideologie der so genannten Solidarität war nichts anderes als staatlicher Dirigismus, der die Klassenbasis der Gesellschaft verleugnete, um die Einheit der Nation in den Vordergrund zu stellen. [13] Die Ideologie der Solidarität meinte, wenn alle für die Entwicklung der Gesellschaft ohne Konflikte und Kämpfe zusammenstünden, würde sich auch die Nation entwickeln. Das bedeutete, dass die gewerkschaftliche Organisation der ArbeiterInnen behindert werden sollte. Gewerkschaften mit wenig Rechten (Streikverbot) konnten nicht einmal die den ArbeiterInnen zustehenden gesetzlichen Rechte durchsetzen, geschweige denn die informellen Gesetze, die in einer von LandarbeiterInnen dominierten Gesellschaft vorherrschten. Wie gesagt: Obwohl die Anzahl der IndustriearbeiterInnen insbesondere in den großen Städten zunahm, waren sie nur ein kleiner Teil der ArbeiterInnenschaft.

Die Zeiten änderten sich schnell. Nach dem Krieg beschleunigte der Kapitalismus seine Entwicklung. Der Marshall-Plan, der den Ländern, die am 2. Weltkrieg teilgenommen hatten, Hilfe und die Integration ins kapitalistische Weltsystem versprach, beeinflusste auch die Wirtschaftspolitik der 50er-Jahre. Die politischen Veränderungen führten zum Mehrparteiensystem. Zusammen mit der Einführung von Wahlen verlor die Ideologie der Solidarität an Einfluss, Liberalismus und Planung traten in den Vordergrund (in Übereinstimmung mit den Erwartungen der Hegemonialmacht USA). Die Mechanisierung der Landwirtschaft war eines der Resultate dieser Nachkriegsperiode.

Nicht allein der durch die Mechanisierung der Landwirtschaft bewirkte Arbeitskräfte­überschuss, auch der Versuch, der Armut am Land zu entkommen, zwang BäuerInnen in die Städte zu wandern, um dort Arbeit zu finden. Im Osten der Türkei eher als im Westen zwangen auch Enclosures [14] zur Migration. Die Steigerung der Agrarproduktion infolge der Mechanisierung führte zu einem generellen Anstieg der kommerziellen Aktivitäten, der Export nahm um 50% zu, die Anzahl der Fabriken stieg genauso wie die Anzahl der ArbeiterInnen in den Fabriken; in der zweiten Hälfte der 50er-Jahre erhöhte sich die Anzahl der Fabriken von 163.000 auf 324.000. [15] Der Anteil der StadtbewohnerInnen an der Gesamtbevölkerung stieg von 19% auf 26%. [16] Während also die Anzahl der IndustriearbeiterInnen stieg, verringerte sich die bäurische Bevölkerung auf dem Land durch die Migration in die Städte. [17]

Die Arbeitsmöglichkeiten, die sich entweder durch die Industrie in den Städten oder durch Bau- und Infrastrukturprojekte im ganzen Land auftaten, verhießen den BäuerInnen ein besseres Leben. Die Leute, die aus den Dörfern auswanderten, waren billige Arbeitskräfte für die Industrie. Unmissverständlich stellen AkteurInnen dieser Auswanderungswelle fest, Stadtbewohner wären nicht bereit gewesen, zu den Bedingungen zu arbeiten, zu denen sie arbeiteten. Es stellt sich die Frage, wie groß der Anteil der in der Stadt aufgewachsenen ArbeiterInnen war.

Die MigrantInnen waren hauptsächlich Männer. Die Trennung von ihren Dörfern und die schwierigen Lebensbedingungen in einer ihnen völlig unbekannten Umgebung führte entweder dazu, die alten Beziehungen zum Dorf zu bewahren, oder sich neue Netze aufzubauen, die es ihnen gestatten sollten, die Erwartungen, die sie an die Stadt hatten, umzusetzen. Alles schien in der Stadt besser als im Dorf zu sein. Sie dachten keinesfalls daran, in ihre Dörfer zurückzukehren, nachdem sie sich etwas Geld erspart hatten, im Gegenteil: Sie arbeiteten noch härter, um ihre Familien ebenfalls in die Stadt zu bringen und sich dort um sie zu kümmern – vor allem wenn sie Erwachsene waren. Nicht-wirtschaftliche Faktoren zu der sie umgebenden Gesellschaft spielten eine wichtige Rolle in ihren Leben, das durch den Überlebenskampf in einer Marktgesellschaft gezeichnet war. Die Anonymität der Beziehungen einer modernen Gesellschaft mussten sie erst mühsam lernen; oder sie hatten schon einige Erfahrungen durch den für Männer verpflichtenden Militärdienst. Das Leben in einer modernen Gesellschaft erfordert idealer Weise Vertrauen in die Institutionen und Beziehungen zwischen anonymen Individuen. [18] Menschen, die kein Vertrauen in diese Art von Beziehungen haben, sind denjenigen gegenüber benachteiligt, die dieses Vertrauen durch Erziehung und Praxis besitzen. Ihre Möglichkeiten zu Veränderungen sind weniger entwickelt. Sie ziehen informelle Beziehungen zu Personen vor, in die sie Vertrauen gewinnen können. Es muss betont werden, dass an dieser Unfähigkeit Organisationen schuld sind, die Möglichkeiten für die soziale Integration in die Gesellschaft hätten bieten sollen. [19]

Die Menschen, die wegen extremer Armut ihre Dörfer verließen, entwickelten allein oder kollektiv Techniken, um ihr Leben in unbekannter Umgebung zu organisieren. Diese halfen, ein nicht vollständig „freier Arbeiter“ [20] zu sein, und verminderten die Gefahr, vollständig die Kontrolle über ihre Leben zu verlieren. Die Bedingungen der ersten Stadtjahre machten sie zu einer Art von „Kriegern“, und ihre persönlichen Bemühungen lösten so manches Problem, für dessen Lösung öffentliche Stellen verantwortlich gewesen wären. [21]

Aufbruch in die hoffnungsfrohe Ungewissheit

Die Arbeitsmigration vom Land in die Stadt war männlich dominiert. Startpunkt für das neue Leben in der Stadt waren zumeist irreguläre Arbeiten, wie beispielsweise im Baugewerbe. Oft teilten die jungen Männer ein Zimmer, und es war üblich, mehr als nur einen Job zu haben, um schnell so viel Geld wie möglich zu verdienen. Nach der ersten Zeit der Eingewöhnung und gewissen Ersparnissen holten viele ihre Familien vom Land nach, um sich und ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen, auch weil sich die Lebensbedingungen auf dem Land mit Einführung der Kriegswirtschaft [22] deutlich verschlechtert hatten.

Ein Arbeitsplatz in der Fabrik war begehrt, aber es war nicht einfach, einen zu bekommen, da man dazu meist Empfehlungen brauchte. Ein regulärer, wenn auch ein unqualifizierter, Arbeitsplatz stellte eine deutliche Verbesserung gegenüber temporären Beschäftigungsmöglichkeiten dar. Die Frage nach qualifizierter Arbeit stellte sich für viele erst gar nicht, bzw. schien es beinahe unmöglich, eine solche anstreben zu wollen. Einerseits waren sich viele ihrer Qualifikationen nicht bewusst, andererseits stellte sich die Notwendigkeit zur Qualifizierung noch nicht. Unter den ArbeiterInnen war es üblich, sich über Vor- und Nachteile der verschiedenen Arbeitsstellen auszutauschen, Arbeitsbedingungen und Bezahlung zu vergleichen und zu fragen, was vom Unternehmen zur Verfügung gestellt wird. Beispielsweise war es in staatlichen Betrieben üblich, zu Mittag ein Essen zu bekommen.

Die Fabriken konzentrierten sich häufig am Rand der Stadt in Bezirken wie beispielsweise Osmaniye oder Zeytinburnu. Die dort angesiedelten Fabriken wie u.a. Sümerbank, Aksu, Akfil, Derby, Vita gehörten hauptsächlich der Textilbranche an. Rund um die Fabriken wohnten mehrheitlich die aus dem Land zugezogenen ArbeiterInnen. Jene ArbeiterInnen, die aus den Stadtzentren zur Arbeit kamen, waren schon länger eingesessen, wenngleich auch sie meist ländliche Wurzeln hatten.

Junge Männer migrierten oft in kleinen Gruppen gemeinsam in die Städte und suchten dort bei Menschen aus ihrer Herkunftsregion Anschluss. Diese erste Migrationsphase wird von vielen als Abenteuer und erfahrungsreiche Zeit beschrieben. Ein weiterer wichtiger Anknüpfungspunkt in den neuen Städten waren Freundschaften, die während der Militärdienstzeit geknüpft worden waren. Gab es keine Reise- oder sonstigen Bekanntschaften, auf die zurückgegriffen werden konnte, wurden Moscheen oder Cafés zu wichtigen Anlaufstellen, um Kontakte zu Personen aus dem Dorf oder zumindest der Region zu knüpfen. Wenn sie sich aber niedergelassen hatten und die Familien nachgezogen waren, wurden Nachbarschaftsnetzwerke zum wichtigsten Bezugspunkt. So vertrauten SchichtarbeiterInnen während der Nachtschicht ihre Familien der nachbarschaftlichen Obhut an.

Netzwerke über Bekanntschaften und Freundschaften waren jedoch nicht die einzige Möglichkeit, Zugang zu Arbeitsstellen zu erlangen. Von Unternehmen eingesetzte ArbeitsvermittlerInnen suchten die Hotels der ZuwanderInnen auf, um Angestellte für die Fabrik zu finden. Die möglichen Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen wurden von den ArbeitsvermittlerInnen üblicherweise [23] wesentlich besser dargestellt, als sie tatsächlich waren. Diese ersten Arbeitsgelegenheiten waren für die wenigsten, die gerade erst ihren Unterhalt als ArbeiterInnen zu verdienen begonnen hatten, befriedigend. Aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen war es schwierig, in der Stadt das Überleben zu sichern, eine Rückkehr ins Dorf war allerdings auch keine Option.

Die städtische Lebensweise wurde in den Dörfern mit Neugierde wahrgenommen. Vor allem die Kleidung der in die Dörfer auf Besuch kommenden Verwandten schürte diese Neugierde, war doch die Kleidung der sichtbarste Ausdruck von Urbanität. Es war nicht ausschlaggebend, ob viel oder kein Geld mitgebracht wurde, das Leben in der Stadt galt jenem auf dem Land auf jeden Fall als überlegen. Die Stadt stand für Abenteuer, die allen offen standen, und für die Möglichkeit bzw. den Beginn eines besseren Lebens. Die migrierenden Männer und Familien, die später nachkommen sollten, hofften auf die Möglichkeiten, die sich in der Stadt bieten sollten. In den folgenden Jahren wurden auch die besseren Bildungschancen der Kinder zu einem entscheidenden Migrations-Motiv. [24]

Sich in einer Stadt fest niederzulassen, war für Abenteurer nicht üblich, sie reisten von Stadt zu Stadt. Viele waren noch sehr jung – zwischen 14 und 20 – und sammelten so bereits Erfahrungen für ein kommendes Leben in der Stadt. Hatten sie genug Geld für städtische Kleidung und die Rückfahrkosten verdient, kehrten sie wieder in ihre Dörfer zurück. Männliche ArbeitsmigrantInnen, vor allem jene der ersten Generation, verdingten sich überwiegend durch befristete Arbeitsverhältnisse – beispielsweise als Zement- oder Bauarbeiter. Sobald sich andernorts eine bessere Arbeit fand, wurde das ursprüngliche Arbeitsverhältnis gekündigt und die neue Arbeit angenommen. Arbeitsangebote wurden verglichen, alle Möglichkeiten erwogen. Ganz egal, wo, ob zuerst in Istanbul und dann in Adana oder Aydin: Arbeit wurde angenommen und dann, wenn sich woanders Besseres fand, wieder weitergezogen. Üblicherweise wurde in kleinen Gruppen, mit Freunden, gereist. Bei Ankunft in der Stadt lösten sich die „Reisegruppen“ oft wieder auf. Wurde hingegen das Ziel verfolgt, sich in der Stadt niederzulassen, war es nicht unüblich, gemeinsam ein Haus, meist am Stadtrand – in den Gecekondus –, zu mieten, allerdings nur solange, bis genügend Geld für den Familiennachzug und eine eigene Wohnung verdient war.

Oft reiht sich ein Übergangsjob an den nächsten, bis ein regulärer Arbeitsplatz gefunden werden konnte. Die Möglichkeit eines fixen Arbeitsverhältnisses bot die Fabrik. Kontakt konnte über Freunde hergestellt werden, oder man ging direkt dorthin, um nach Arbeit zu fragen.

Zwei Arbeitsverhältnisse zu haben, war keine Seltenheit. Das erste Arbeitsverhältnis war oft ein regulärer Job, der zweite – beispielsweise als Warenauslieferer - nur vorübergehend. Nicht selten war der reguläre Job Ursprung für den zweiten; fehlerhafte Produkte wurden weiterverkauft, oder - als Kühlschränke noch rar waren - Eis, das in der Fabrik bezogen werden konnte, verkauft.

Der enge Kontakt vieler FabriksarbeiterInnen zu ihren Dörfern resultierte in einer hohen Fluktuation in der Fabrik. Männer wie Frauen waren nach wie vor wichtige Arbeitskräfte für die landwirtschaftliche Arbeit in ihren Heimatregionen. Im Sommer verließen viele die Fabrik, um bei der Feldarbeit zu helfen. Obwohl dies dem regulären Charakter der industriellen Arbeit zuwider lief, wurden diese irregulären Arbeitsunterbrechungen akzeptiert, da ein hoher Bedarf an Arbeitskräften bestand. [25]

Staatliche Betriebe zählten zu den beliebtesten Arbeitsplätzen, nicht weil die Arbeitsbedingungen so viel besser gewesen wären, sondern weil hier zu Mittag Essen und einmal im Jahr Kleidung ausgegeben wurde. Wie einer der Interviewpartner erzählte, war es schwierig, eine solche Stelle zu bekommen: „Vor den Fabriken haben sich Leute auf Arbeitssuche versammelt, bei den privaten Unternehmen war es leichter, eingestellt zu werden. Bei den staatlichen war es weitaus wichtiger, Referenzen vorlegen zu können.“

Dennoch waren nicht alle ArbeiterInnen in staatlichen Betrieben regulär beschäftigt. Auch hier gab es (vor allem für die unqualifizierte Arbeit) befristete Arbeitsverhältnisse. Regulär Beschäftigte genossen den Vorteil, Zugang zu langfristigen Krediten zu haben, und so den Kauf von Wohnungen finanzieren zu können – für befristet Beschäftigte bot sich diese Möglichkeit nicht. In sozial abgesicherten Arbeitsverhältnissen war es üblich, sich den Urlaub ausbezahlen zu lassen. Oft wurde über mehrere Jahre hinweg kein Urlaub in Anspruch genommen. Wenn auch ein Grund dafür der höhere Verdienst war, so war der Wunsch, als „guter Arbeiter“ anerkannt zu werden, ein weiterer Motivationsgrund. Ein „guter Arbeiter“ zu sein, war auch ein Weg, sich den Ansprüchen des neuen Lebens in der Stadt anzupassen, und die Fabrikarbeit wurde auf jeden Fall als Verbesserung gegenüber jener Zeit angesehen, als ein anstrengender, zeitlich befristeter Vertrag den anderen ablöste. Sich Grundkenntnisse in Lesen und Schreiben anzueignen, ein technisches Verständnis zu entwickeln, die Bereitschaft, Überstunden zu leisten und paternalistische Beziehungen zu beherzigen, waren der beste Weg, um ein „guter Arbeiter“ zu werden. Diese Erwartungen wurden auch gegenüber den neu Hinzukommenden reproduziert.

Der Eintritt in die Fabrik war nach den harten Jahren der befristeten Arbeitsverhältnisse für die meisten kein traumatisches Erlebnis. Ich hätte zwar Berichte über Ängste, Unwohlsein und Sorgen erwartet, ähnlich Chaplins Erfahrung in Modern Times, aber keiner der Interviewpartner sprach über seine ersten Erfahrungen mit der Fabrikdisziplin und dem neuen Zeitregime. Es lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, ob der Grund in dem Bedürfnis liegt, sich als erfolgreich im Anpassen an das neue Leben zu präsentieren und somit keine Schwäche und Unsicherheit zuzulassen, oder ob die Fabrikarbeit einfach der vorhergehenden Arbeitsperiode vorzuziehen war. Beschreibungen über Anpassungsprozesse an den neuen Zeitrhythmus und die Fabrikordnung lassen sich eher in Romanen und Erzählungen finden. [26] Akin beschreibt in seinen Arbeiten die Anstrengungen, die mit der Durchsetzung neuer disziplinierender Methoden verbunden waren, wie den Wandel der Zeitverwendung, der mit dem Wechsel von der Landwirtschaft in die Fabrik einhergeht. [27]

Nichtsdestotrotz galt es sich an Disziplin und Produktivitätszwänge anzupassen. Die großen Menschenmassen und die Maschinen erzeugten Unbehagen. Im Vergleich zu den vorhergehenden Arbeitserfahrungen bedeutete die Fabrik einen regulären Job und finanzielle Absicherung. Auch bestehende Arbeitsrechte, wie der Anspruch auf Überstundenzahlungen, wurden erlernt und genutzt. Unter KollegInnen und NachbarInnen wurden Erfahrungen ausgetauscht und Informationen weitergegeben.

Um zu zeigen, dass ich ein guter Arbeiter bin, bin ich immer etwas später von der Arbeit gegangen. Am Ende des Monats bekam ich zusätzliches Geld. Ich fragte danach, wofür dieses Geld sei, und sie sagten mir, dass ich es für die geleisteten Überstunden erhalten hätte. Sie haben die Stunden gezählt und honoriert.

Sich an die neuen Bedingungen anzupassen und dem Bild eines „guten Arbeiters“ zu entsprechen, konnte auch zu Konflikten mit den nachgezogenen Bekannten und Verwandten führen:

Ich habe einige Leute aus meinem Dorf entlassen. Ich habe ihnen einen Job verschafft, und sie waren faul. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen zurück in ihr Dorf gehen.

Kinderarbeit war üblich. Viele ArbeiterInnen zogen es vor, dass ihre Söhne sie bei der Fabrikarbeit unterstützten und so das Familieneinkommen aufbesserten, als dass sie ihre Zeit spielend auf der Straße verbrachten. Auch die Vorgesetzten ermutigten ihre ArbeiterInnen, die Kinder in die Fabrik zu mitzunehmen: „Warum bringst du dein Kind nicht mit? Es ist doch besser, wenn es etwas lernt, als nur auf der Straße zu sein.“ Einer der Interviewpartner berichtete stolz, vielen Kindern aus der Nachbarschaft Arbeit in seiner Fabrik verschafft zu haben.

Viele der Frauen, die ihren Männern aus dem Dorf in die Stadt nachfolgten, gingen offiziell keiner Arbeit nach. Doch dieses Bild bestand mehr in den Köpfen der Männer. [28] Frauen verrichteten überwiegend Arbeiten, die zuhause gemacht werden konnten. Die weiblichen Nachbarschaftsnetzwerke informierten über verschiedene Arbeitsmöglichkeiten. So wurden beispielsweise Arbeiten von Textilfabriken übernommen, Lebensmittel für die Konservenherstellung zubereitet oder die Wäsche für allein stehende Männer gewaschen. Die Mund-zu-Mund-Propaganda war für Männer und Frauen die erfolgreichste Methode der Jobvermittlung.

Auch wenn die Männer nicht gern sahen, dass ihre Frauen einer Lohnarbeit nachgingen, so galt diese Einstellung nicht mehr für ihre Töchter. Eine erwerbstätige Tochter zu haben, symbolisierte die Integration in die städtische Lebensweise, vorausgesetzt allerdings, der Arbeitgeber galt als vertrauenswürdig und war von jemand empfohlen worden. Ihre Frauen sollten nicht arbeiten; wenn es aber die Töchter taten, entsprachen sie dem städtischen Lebensstil. Die Männer versuchten auch, in derselben Fabrik Arbeit für ihre Töchter zu finden, um sie besser im Auge zu haben. Im Gegensatz zu den Buben begannen die Mädchen erst etwas später zu arbeiten.

Jene wenigen MigrantInnen, die im Stadtzentrum lebten, hatten eher Zugang zum kulturellen Leben der Stadt und den vielfältigen Angeboten, vor allem für Frauen boten sich hier mehr Möglichkeiten. Erfahrungen mit dem multiethnischen Charakter der Stadt wurden gemacht; einige hatten amerikanische oder griechische NachbarInnen. Ein Interviewpartner erzählt, wie er einen guten Bekannten, mit dem er schon einige Male geplaudert hatte, auf der Straße fragte, ob er mit ihm gemeinsam das Morgengebet in der Moschee sprechen wolle. Nach Rückfrage erfuhr er den Grund für dessen Ablehnung: Er war nicht moslemisch.

MigrantInnen, die im Stadtzentrum lebten, verbrachten ihre Freizeit beispielsweise auf den Prinzen-Inseln [29] und in Parks. Frauen verbrachten ihre Freizeit gemeinsam mit Freundinnen ebenfalls an diesen Plätzen. MigrantInnen im Zentrum und männliche MigrantInnen, die am Stadtrand wohnten, genossen die Vorzüge der Stadt und erforschten die Möglichkeiten, die ein Leben in der Stadt zu bieten hat. Keyder hebt allerdings hervor das, dass die städtische Kultur den Massen zunächst verschlossen blieb. [30] Die ArbeiterInnenklasse konnte aber Zugang dazu erlangen, wenngleich dies für Migranten leichter war als für Migrantinnen. Migranten gaben einen Teil ihres Geldes ohne ihre Familien für Vergnügungen im Zentrum aus. Viele holten auch Grundschulabschlüsse nach, um ihre (Arbeits-) Chancen in der Stadt zu verbessern.

Die Klassendifferenzen wurden im Stadtzentrum sichtbarer als an der Peripherie. Eine der Töchter der Interviewten bemerkte, sie habe bereits als Kind gemerkt, dass zwischen ihr und den „Offiziellen“ ein Unterschied bestand, obwohl sie damals noch nicht einmal gewusst habe, was „offiziell“ bedeute.

Kontakt zu den Herkunftsdörfern wurde aufrechterhalten, wenngleich sich die Gründe dafür wandelten. So stellten die Nahrungsmittel vom Dorf eine kleine, aber dennoch willkommene Unterstützung für die StädterInnen dar; und den Neuankömmlingen vom Dorf wurde Unterkunft gewährt, bis sie selbst genug verdienten.

Schlussfolgerungen

Die Migration der 1950er-Jahre war von der Hoffnung auf ein besseres Leben und den Beginn eines sozialen Aufstiegs getragen. Die Beziehungen zu den Herkunftsdörfern waren vor allem zu Beginn -durch die regelmäßige Rückkehr in den Sommermonaten - sehr eng und blieben auch später durch weitere Unterstützungsleistungen aus den Dörfern aufrecht. Arbeitsmöglichkeiten bestanden in privaten oder öffentlichen Unternehmen. Die Investitionen stiegen aufgrund der amerikanischen Unterstützungsprogramme schnell an. Die Vereinzelung in der Landwirtschaft, die Atmosphäre des Mehrparteiensystems und die Nachkriegssituation zogen viele in der Hoffnung auf ein besseres Leben vom Land in die Stadt. Auch der abenteuerliche Charakter der Städte war für viele ein wichtiger Grund um das eintönige Leben auf dem Land gegen ein Leben in der Stadt zu tauschen. Den Problemen, die das Leben in der Stadt mit sich brachte, wurde auf verschieden Weisen begegnet, dabei wurden unterschiedliche Taktiken entwickelt. Nach Makal sind vor allem vier Merkmale der 1950er-Jahre wesentlich für die Klassenbewegung der 1960er-Jahre: die auf individueller Ebene gesammelten Arbeitserfahrungen, dass die Arbeitsplätze zu einem Ort von Arbeitskämpfen wurden, die Ansiedlung der ArbeiterInnen rund um die Fabrik und die daraus resultierende Herausbildung von Klassenbewusstsein, und die Stärkung von Gewerkschaften. [31]

Die Kontakte und Beziehungen der ArbeitsmigrantInnen waren vorerst auf Verwandte und Personen aus dem Herkunftsdorf beschränkt und dehnten sich später auf die erweiterte Nachbarschaft und Arbeitskontakte aus. Die Regeln der Industriedisziplin wurden erlernt, aber die zweite Generation war den Verheißungen der Stadt gegenüber schon weitaus skeptischer.

Keyder zeigt, dass MigrantInnen der zweiten Generation ein ausgeprägter klassenspezifisches Verhalten zeigten, und zwar zunehmend in dem Maße, in dem die Peripherien stärker mit den Stadtzentren interagierten. Es scheint auch, dass das noch weniger klassenspezifische Verhalten der ersten Generation stärker auf den Anerkennungswunsch in der Stadt abzielte, da sie Angst hatte, von den Möglichkeiten urbanen Lebens ausgeschlossen zu werden. Die MigrantInnen der zweiten Generation hingegen waren bereits StadtbewohnerInnen, die sich den unzureichenden Lebensbedingungen in der Stadt widersetzten. Sie verglichen ihre Lebensbedingungen in den Städten mit jenen ihrer Eltern, während diese die Vorzüge der Stadt noch gegenüber den meist schlechteren Lebensbedingungen auf dem Land sahen.

Kartal unterscheidet so zwei Phasen urbanen migrantischen Lebens: Eine erste, in der sich die Menschen selbst als „relativ wohlhabender“ als zuvor wahrnahmen, und eine zweite, in welcher sie sich als „relativ benachteiligt“ sahen. Aus diesen Gründen neigten erstere auch zur Wahl konservativer Parteien, zweitere hingegen zu Parteien, die eine Änderung des bestehenden Systems versprachen.

Die IndustriearbeiterInnen der 1950er-Jahre gehörten zwar einer gemeinsamen Klasse an, sie konstituierten aber keine homogene Masse. Ohne die Heterogenität der Alltagserfahrungen zu leugnen, gewinnen sie doch erst durch den gemeinsamen Kontext an Bedeutung. Sonst hätten wir nur die Erinnerungen, aber keine gemeinsamen Anknüpfungspunkte, um Antworten auf aktuelle Fragen geben zu können. Wie Yiğit Akın zeigt, sind individuelle Erfahrungen äußerst wichtig für die Geschichte der ArbeiterInnen. Erfahrungen sind nicht bloß Anekdoten, sie geben uns vielmehr Anhaltspunkte für die Politik von heute.

[1E.P. Thompson, The Making of the English Working Class, Harmondsworth : Penguin Books, 1968

[2Richard Johnson, “Thompson, Genovese, and Socialist Humanist History”, History Workshop, 6, 1978, pp.79-100

[3Vefa Saygın Öğütle & Güney Çeğin, Sosyo-Tarihsel Teorinin Sınıfla İmtihanı, Duvar, 2007, p 88

[4E.P.Thompson, Custom in Common, London: Penguin, 1993. In diesem Buch entwickelt Thompson das Konzept der “moral economy”.

[5Hakan Koçak, 50’leri İşçi Sınıfı Oluşumunun Kritik Bir Uğrağı Olarak Yeniden Okumak, Çalışma ve Toplum, 2008/3

[7Ahmet Makal, Türkiye’de Çok Partili Dönemde Çalışma İlişkileri: 1946-1963, İmge Kitabevi, 2002

[8Mustafa Delican, Cumhuriyet Döneminde Türk Endüstri İlişkileri, İşçi Sendikalarının Dünü, Bugunü, Sosyal Siyaset Konferansları, Kitap 51, http://www.calisma.org/index.php?option=com_content&task=view&id=2275&Itemid=59

[9Ahmet Makal, Ameleden İşçiye, İletişim Yayınları, 2007

[10ArbeiterInnen beschäftigt in Industrie und Handwerk: 8,7%, Zafer Toprak, ATA Lecture Notes, http://www.ata.boun.edu.tr/Faculty/Zafer%20Toprak/ATA_522_PART4_fall2007.ppt

[11Çağlar Keyder, Türkiye’de Devlet ve Sınıflar, İletişim Yayınları, 1989

[13Ahmet Makal, Ameleden İşçiye, İletişim Yayınları, 2007. Das Konzept der “Solidarität” stammt ursprünglich aus Dürkheims “organic solidarism”.

[14„Encloseure“ (dt. Einhegung) in der Türkeit ist der Prozess, bei dem Gemeindeland privatisiert wird und die BäuerInnen dadurch gezwungen werden vom Land in die Städte zu siedeln. Das bekannteste Beispiel ist England im 18. Jahrhundert. Teilweise geschah ähnliches auch im Osten der Türkei.

[15Ibid. P.169

[16Ibid. P.171

[17“The percentage of peasantry was 83 % in 1945 and 71 % in 1955”: Zafer Toprak, ATA Lecture Notes, http://www.ata.boun.edu.tr/Faculty/Zafer%20Toprak/ATA_522_PART4_fall2007.ppt

[18Vgl. Giddens, The Consequences of Modernity, Polity Press, Stanford, 1992 by Oğuz Işık&Melih Pınarcıoğlu in “Nöbetleşe Yoksulluk”, İletişim Yayınları, 2001

[19ibid.

[20“Freier Arbeiter”wird hier im Marxschen Sinn verwendet: Er besitzt nichts als seine Arbeitskraft, um zu überleben.

[21Sema Erder, Kentsel gerilim: enformel ilişki ağları alan araştırması, 1997

[22Zur Zeit der Kriegswirtschaft musste ein Teil der Ernte an offizielle Stellen abgeführt werden. Dies führte zur Verarmung der Landbevölkerung und zu Konflikten mit den Behörden.

[23Die ArbeitsvermittlerInnen nehmen in den Arbeitsbeziehungen der damaligen Perioden eine wichtige Rolle ein – eine weiterführende Untersuchung wäre lohnend.

[24Zeki Erdoğmuş, Kırsal bölgelerden Ankara, Kıbrıs-Bayraktar İlkokulu gecekondu bölgesine göç ve göçedenlerin kentlileşmesi, Hacettepe Üniversitesi Yayınları, 1978. Nach einer Studie von Zeki Erdoğmuş, basierend auf einer quantitativen Befragung in den gecekondus von Ankara, stellt der Wunsch nach einer guten Ausbildung für die Kinder den drittwichtigsten Migrationsgrund dar.

[25Yıldırım Koç, 1923-1950 Döneminde CHP’nin İşçi Sınıfı Korkusu, Mülkiyeliler Birliği Dergisi, Cilt 8, Sayı: 170, p: 43-44

[26Als Beispiel seien, Lilo Linke, Mustafa Kemal Türkiyesi: Modern Türkiye Seyahatnamesi, İkarus Yayınları, 2008 und die Romane von Orhan Kemal genannt.

[27Yiğit Akın, “Erken cumhuriyet dönemi emek tarihçiliğine katkı: Yeni yaklaşımlar, yeni kaynaklar”, Tarih ve Toplum Yeni Taklaşımlar, Volume:2, p92, 97, 98, und Yiğit Akın, Gürbüz Yavuz Evlatlar, Erken Cumhuriyette Beden Terbiyesi ve Spor, İletişim Yayınları, 2004

[28Die Interviewpartner haben selbst nicht über Frauen in der Lohnarbeit berichtet, aber die beim Interview anwesenden Mütter und Töchter haben es bestätigt.

[29Die Prinzeninseln sind für ihren bourgeoisen Lebensstil bekannt.

[30Çağlar Keyder, Türkiye’de Devlet ve Sınıflar, İletişim Yayınları, 1989, p:170

[31Ahmet Makal, Türkiye’de Çok Partili Dönemde Çalışma İlişkileri: 1946-1963, İmge Kitabevi, 2002

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
2009
Nummer 30, Seite 100
Autor/inn/en:

Käthe Knittler:

Feministische Ökonomin, lebt und arbeitet in Wien.

François Naetar:

Ebru Işikli:

Lizenz dieses Beitrags:
Copyright

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