Zeitschriften » FŒHN » Heft 21
Markus Wilhelm

Die Haider-Wähler haben recht. Außer mit dem Haiderwählen

Haider gilt vielen als das Gegenteil des Falschen — und schon darum als der Richtige. Haider werden blanko die Eigenschaften unterstellt, die denen Vranitzkys und Schüssels entgegengesetzt sind. An etwas Drittes vermögen die Leute nicht mehr zu denken: an sich selber, an ihresgleichen! Das ist in undenkbare Ferne gerückt (worden). So wie die hoch oben Sitzenden auf Haider reagieren, scheint er recht zu haben. Den Leuten ist wurscht, was er Entsetzliches sagt. Daß er dafür von der Schickeria gehaßt wird, bestätigt ihn in ihren Augen. Haider fällt damit die völlig berechtigte Ablehnung der herrschenden Politik völlig unberechtigterweise zu.

Positiv an Halders Stimmenzahlen ist: Oh, es ist viel Ablehnung! Negativ daran ist: Die Ablehnung ist blindwütig, sie sieht keinen halben Meter weit!

Haider treibt nur dieses System auf die Spitze. Nichts anderes. Er nimmt ihr Demokratiespiel ernst und spielt es perfekter. jetzt sind sie böse. Wer sich im Kapitalismus einrichtet, dem wird sich immer (so) einer als Optimierer anbieten. Die Entwicklung zeigt, daß Faschismus in dieser Demokratie nicht nur möglich ist, sondern das Ergebnis ihrer ständigen Verbesserung darstellt.

Menschen wie du und ich: Haider-Wähler

Die Konkurrenz zwischen, sagen wir, SPÖ und FPÖ ist nicht die unsere. Was ist denn schon der Unterschied zwischen FPÖ und SPÖ gegen den zwischen denen und uns! Der FÖHN hat keinen Ehrgeiz, z.B. zwischen Vranitzky und Haider einen Keil hineinzutreiben. Es kann doch nur darum gehen, zwischen Vranitzky, Haider, Schüssel, Petrovic, Schmidt und Co. einerseits und dem größten Teil ihrer Wähler andererseits einen hineinzutreiben. In Wahrheit besteht da eine nur mit hauchdünnem Zeitungspapier abgedeckte breite Kluft, sodaß jeder Keil, der dort angesetzt wird, von selber ein gutes Stück weit hineinfällt.

Ausgehend von dieser Basis geht’s im nächsten Heft um die Haider-Wähler und um die Haider-nicht-Wähler. Um uns. Um Strategien gegen Haider und Vranitzky.

Anregungen sind ausdrücklich erwünscht. Motto:

Man muß die Haider-Wähler mögen. Sonst hat man keine Chance.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1995
Heft 21, Seite 80
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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