Zeitschriften » Internationale Situationniste » Numéro 10
Pierre Gallissaires (Übersetzung) • Jean Garnault • Hanna Mittelstädt (Übersetzung)

Die elementaren Strukturen der Verdinglichung

Als ob der alte Marx alles aus seinem Grab leiten würde, hat die Warenform durch die Logik ihrer wirklichen Entwicklung zur Klärung und Vertiefung der Kritik der politischen Ökonomie beigetragen. Sicherlich haben die Erben dieser Kritik als Bourgeois und als Bürokraten auf theoretischem und praktischem Gebiet alles getan, um sie zu verschleiern bzw. die Konfusion über sie aufrechtzuerhalten, indem sie sie unter dem Ballast metaphysischer Spitzfindigkeiten und theologischer Argumente erdrücken. Die Welt ging aber ohne sie weiter. Sie hat diese Analysen, die sie verheimlichen wollten, mit greller Klarheit in die gewöhnliche Alltäglichkeit übertragen: der Theorie des Warenfetischismus hat sie eine objektive Wahrheit und eine erlebte Banalität verliehen, die sie allgemein verständlich gemacht hat. Obwohl die Ware seit Marx manches durchmachen musste, hat sie sich als Form erhalten — und zwar als eine Form, die Produkte einer schöpferischen Tätigkeit — der Praxis — verhüllt, die durch die Lohnarbeit jeder Menschlichkeit beraubt wurden; eine Form, die als treue Erbin des alten jüdisch-christlichen Gottes eine selbständige Existenz erlangt und Mensch und Welt nach seinem Vorbild geschaffen hat; eine Form, die die Anthropologie eines isolierten Individuums erzeugt hat, das weiterhin der Fülle seiner sozialen Verhältnisse beraubt blieb. Die Ware ist die Praxis der Macht; nicht nur das Auflösungsprinzip der alten bäuerlich-religiösen Zivilisation (deren Überbleibsel sie immer noch verfolgt), sondern eine Repräsentationsweise der Welt und eine Wirkungsform auf sie. Sie hat die gesamte soziale Wirklichkeit auf das Quantifizierbare reduziert und die totalitäre Herrschaft des Quantitativen eingeführt, dessen Ausdehnung auf alle noch nicht beherrschten Sektoren des Lebens (siehe S.I. Nr. 7 und 8, Basisbanalitäten).

Das, was das Konkreteste zu sein schien, war eigentlich das Abstrakteste — eine formelle Rationalisierung und eine Illusion. Wenn aber eine solche Illusion auf ähnliche und umgekehrte Weise wie die revolutionären Ideen einmal selbständig geworden ist, wirkt sie auf die wirkliche Welt wie eine Anregung zur Resignation.

Die herrschende Gesellschaft schreitet über neue, steigende Stufen der Unterdrückung und der Entfremdung immer weiter nach vorn. So hat der „kybernetische Staat“ einen ihm angemessenen Fetisch hervorgerufen, indem er den Warenfetischismus mit dem Kunstwerkfetischismus verknüpfte: das Warenspektakel, die Projektion des ganzen Lebens auf eine verselbständigte und kristallisierte Substanz als Trugbild und normatives Modell dieses Lebens. Die Konzentration der Entfremdungen ging also im Laufe der Konzentration des Kapitals weiter. Der Konkurrenzkapitalismus hatte sich damit begnügt, den sozialen Menschen mit einer Menge partieller Entfremdungen zu belasten; der bürokratische Kapitalismus auf dem Wege zur schnellen Kybernetisierung bringt den sozialen Menschen zum Gefrieren und stellt ihn ins Schaufenster, indem er die alten getrennten Sphären auf eine einzige und dieselbe Verdinglichung reduziert.

Nur für das bürgerliche Denken und die strukturalistische und vorausschauende Ausgeburt, die dessen Ergebnis ist, war ein solcher Prozess nicht vorauszusehen. Denn eine Strukturanalyse hätte aus der Warenform die gesamte Gesellschaft ableiten können, die sie erzeugt und durch die sie reproduziert wird — inklusive die strukturalistische Ideologie. Diese war aber dazu ziehmlich unfähig, da sie nur unbewusst die Strukturen des laufenden Verdinglichungsprozesses äußerte und sie zu einem unhistorischen Absoluten erhob.

L’indépendance de la marchandise
L’autonomie de la marchandise est à la racine de la dictature de l‘apparence ; de la tautologie fondamentale du spectacle, où l’importance est toute présupposée et définie par la mise en scène de l‘importance. Le pseudo-événement préfabriqué qui y domine et oriente le réel, c’est un événement qui n’est plus visible pour ce qu’il contient, mais qui n’a pas d’autre contenu que d’être visible. Que peuvent exprimer de plus grandiose les pantalons Capital, par exemple, forts de la soumission de leurs milliers de ressortissants recensés; soumission dont, on ne manque pas de l’afficher, ils « ont eux-mêmes choisi » les détails ? Précisément ce que ces fétiches proclament : ils sont « l’expression même de leur mode ». Ce sudisme esclavagiste des marchandises se présente évidemment comme indiscutable devant le bétail humain qu’il a marqué. Rarement une image publicitaire d‘une telle débîlité d’invention concertée aura si bien su exprimer inconsciemment la scission entre les hommes et leur obiectivation ; la rébellion insolente de leurs propres actes qui se retournent contre eux comme une puissance étrangère. Tous les désirs de l’époque sont suspendus à notre victoire dans cette guerre de Sécession.

Das alte, seit der Renaissance unternommene verneinende Werk der Bourgeoisie ist so gut wie möglich und mit verschiedenen Verzögerungen durchgeführt worden. Die seit langer Zeit aufgelöste einheitliche Gesellschaft wird durch die Leere ersetzt, eine zum einzigen Möglichen erhobene Leere. An die Stelle von Mikrogesellschaften, die sich um wirkliche, oberquantitativ und qualitativ beschränkte Einheiten organisierte (Dorf, Familie, Zunft usw.) hat die Leere einen Haufen verdinglichter Abstraktionen gesetzt — das Individuum, den Staat, den Konsumenten, den Markt usw. -, die ihre scheinbare Wirklichkeit dem Wirklichkeitsschein entnehmen, den sie unserem eigenen Leben entnommen haben.

Die Grundsätze der formalen Logik (die zusammen mit den ersten Kaufleuten in die Städte eingezogen sind) finden im Warenspektakel eine angemessene Verwirklichung. Für die Ware ist das Identitätsprinzip das, was die Kategorie der Totalität für die revolutionäre Bewegung ist. In der Struktur der Warenform vor ihrer Wachstumskrise war die allgemeine Identität der Waren nur über den Umweg ihrer fiktiven Identifizierung mit einem allgemeinen abstrakten Äquivalent zu erreichen. Diese illusorische, täglich akzeptierte Identität ließ schließlich die aller Bedürfnisse und also aller Konsumenten folgen, so dass sie einen gewissen Wirklichkeitsgrad erreichen konnte. Die völlige Verwirklichung der alten abstrakten Äquivalenz wäre der Höhepunkt dieses Prozesses. Dem Sektor der Kulturproduktion oder der Werbung wird es wegen der Inflation immer schwieriger, die Produkte zu unterscheiden — er kündigt diese große zukünftige Tautologie an und lässt sie ahnen.

Wie die Bürokratie ist die Ware eine Formalisierung und eine Rationalisierung der Praxis — deren Reduzierung auf einen beherrschbaren und manipulierbaren Gegenstand. Unter dieser Herrschaft lässt sich schließlich die soziale Wirklichkeit auf zwei widersprüchliche Bedeutungen reduzieren — und zwar auf eine waren-bürokratische (die auf einer anderen Ebene dem Tauschwert entspricht) und eine wirkliche. Die Bürokratisierung des Kapitalismus bringt keine innere qualitative Umwandlung hervor, sondern im Gegenteil die Ausdehnung der Warenform. Die Ware war immer bürokratisch.

Die spektakuläre Warenform ist eine Parodie des revolutionären Projekts der Herrschaft über die (natürliche und gesellschaftliche) Umwelt durch eine Menschheit, die endlich Herr über sich selbst und ihre Geschichte geworden ist. Sie leitet die Herrschaft über einen isolierten und abstrakten Menschen durch eine von der Macht organisierte Umwelt. Stimmt es, dass die Menschen bloße Produkte ihrer Verhältnisse sind, dann genügt es, unmenschliche Verhältnisse zu schaffen, um sie auf den Zustand von Dingen zu reduzieren. Bei der Errichtung von Warenumgebungen gemäß dem Prinzip der kommunizierenden Röhren wird der Mensch zum Ding reduziert, während die Dinge umgekehrt menschliche Qualität bekommen. In der Zeitschrift Elle kann man folgenden Werbungstitel lesen: „Diese Möbel leben“ — sicher, von unserem eigenen Leben. Der Mensch ist die Welt des Menschen.

In der Fröhlichen Wissenschaft bemerkt Nietzsche, dass „der überwiegende ungeheure Reisgenuß zur Anwendung von Opium und narkotischen Dingen treibt, in gleicher Weise wie der vorwiegende ungeheure Kartoffelgenuß zu Branntwein treibt … Damit stimmt zusammen, dass die Förderer narkotischer Denk- und Gefühlsweisen, wie jene indischen Lehrer, gerade eine Diät preisen und zum Gesetz der Masse machen möchten, welche rein vegetabilisch ist: Sie wollen so das Bedürfnis hervorrufen und mehren, welches sie zu befriedigen imstande sind.“ In einer Gesellschaft aber, die nur das Bedürfnis nach einem anderen Leben absondern kann, ist das Opium des Warenspektakels nur eine parodistische Verwirklichung dieser einzigen wirklichen Begierde. Mit der Warenform und den daraus entstandenen Repräsentationen tendiert die Gesellschaft des Spektakels dahin, diese einzige Begierde aufzusplittern, indem sie ihr massenweise parzellierte und illusorische Befriedigungen verschafft. Für den Verzicht auf das einzige Mögliche — d.h. eine andere Gesellschaft — gewährt sie uns großzügig all die Möglichkeiten, anders in dieser Gesellschaft zu sein.

Das Warenspektakel kolonisiert das Mögliche, indem es den theoretischen und praktischen Horizont der Epoche polizeilich absteckt. So wie im Mittelalter der religiöse Rahmen als der unüberschreitbare Horizont erschien, in dem die Klassenkämpfe ausgetragen werden mussten, so tendiert die spektakuläre Warenform dahin, sich einen solchen Rahmen zu schaffen, in dem alle von vornherein für die totale Emanzipation verlorenen Kämpfe geführt werden sollen.

So wie aber die Warenform, obwohl sie die ganze Wirklichkeit monopolisiert hatte, dabei nur im Kopf des Bourgeois des XIX. Jahrhunderts wirklich existierte, so ist dieser Alptraum einer Gesellschaft nur eine erlebte Ideologie, eine Organisation des Scheins, die sich nur zum Organisationsschein aufschwingt. Das Spektakel ist nur die fantastische Verwirklichung der Ware gewesen, da die Ware nie eine echte Wirklichkeit hatte: sein geheimnisvoller Charakter besteht einfach darin, dass es den Menschen die Merkmale ihres eigenen Lebens vorspiegelt, indem es sie aber als objektive Merkmale darstellt. Die Macht projiziert also das Bild des Überlebens, so wie sie es erlaubt; sie integriert darein die Elemente, die manchmal einen befreienden Inhalt haben und immer dem Möglichen offen stehen. Diese gehen dann in den Dienst der Unterdrückung über, indem sie die Entfremdung mit den Blumen der Kritik ausschmücken und sie dadurch erträglicher machen.

Damit werden die Träumereien der herrschenden Klassen immer leserlicher für den, der den sozialen Text der Epoche entschlüsseln kann — nichts weniger als eine abstrakte Gesellschaft (eine von der Gesellschaft abstrahierte) zu schaffen, in der abstrakte Zuschauer abstrakte Gegenstände auf abstrakte Weise konsumieren. So hätte man das so ersehnte Zusammentreffen der Ideologie und des Wirklichen erreicht: die Repräsentationen wären zum Bild der Welt geworden, um sich — im Grenzfall — an ihre Stelle zu setzen und eine durch die Macht geschaffene und auf dem Markt verkaufte Welt des Bildes zu errichten. Die bewusste Repräsentation seines Lebens als eines Produkts seiner eigenen Tätigkeit würde dann aus dem Geist des Zuschauer-Konsumenten verschwinden, der nur noch dem Spektakel seiner eigenen Konsumtion beiwohnen würde.

Die kybernetische Auffassung der Aufhebung der Philosophie fällt mit ihrem Traum zusammen, das verlorene Paradies der einheitlichen Gesellschaft auf der Basis der Gesellschaft des Spektakels wiederherzustellen, indem sie es um zwei Jahrtausende des Fortschritts der gesellschaftlichen Entfremdung bereichert. Durch solche Träume wird beiläufig der mit Sachkenntnis verdeckte und mystifizierte Charakter dieser Gesellschaften enthüllt — ihre Einheitlichkeit haben sie nie etwas anderem als der Unterdrückung verdankt. In einer Wirklichkeit, die vollständig auf das Quantitative reduziert und ganz und gar durch das Identitätsprinzip beherrscht wird, ohne dass jemals die geringste Spur der Kritik ihr Gleichgewicht bedroht, würde tatsächlich das alte philosophisch-ökonomische Geschwätz unnütz sein.

Übrigens erfahren diese Trugbilder manchmal den ersten Anfang einer praktischen Verwirklichung, der immer wieder musterhaft aufschlussreich ist. So hat das Krankenhaus Richemond in Virginia eine „Lebensinsel“ für Schwerverbrannte eingerichtet. Es handelt sich um eine riesige, keimfrei erhaltene Plastikkugel. Die Verbrannten werden hier nach vollständiger Entgiftung in eine vorsterilisierte Atmosphäre gebracht. „Es entsteht keine Klaustrophobie — die Lebensinsel ist durchsichtig“ (Paris-Match). Bis ein Atomkrieg diesem philanthropischen Werk die verdienten Kunden liefert, errichtet diese Gesellschaft das Bild der von ihr aufgezwungenen Verhältnisse — des Überlebens in der kontrollierten Isolierung.

Obwohl das Warenspektakel dahin tendiert, diese flache und entpersonifizierte Positivität einzuführen, nährt es in seinem Schoss das Negative — wie jede historische Wirklichkeit gleichfalls die Keime ihrer eigenen Zerstörung selbst erzeugt. Eine alte sozio-ökonomische Banalität: die Entwicklung der Industrie der Massenkonsumgüter produziert und überproduziert die Überproduktion. Es gelingt sogar einigen Soziologen zu verstehen, dass jeder objektive Unterschied zwischen den Dingen mit der Warenüberproduktion verschwindet — die einzige mögliche Differenzierung ist rein subjektiver Art. Die Fähigkeiten eines Soziologen gehen aber nicht so weit, dass er die in einem solchen Prozess enthaltenen, latenten Tendenzen zur Selbstzerstörung entdecken kann. Sobald der Gebrauchswert verschwindet, geht die allgemeine Identität der Dinge vom erlebten Trugbild zur phantasmagorischen Verwirklichung über. Der Gebrauchswert ist der für das Entstehen und Überleben des Tauschwertes unerlässliche Wirklichkeitskern. Die Ware hebt selbst ihre eigenen Bedingungen auf. Wenn das System die Wirklichkeit entbehren kann, heißt das, dass die Wirklichkeit das System entbehren kann. Die moderne Gesellschaft geht dermaßen mit einer Revolution schwanger, dass sie im voraus ihre eigene Zerstörung parodiert. Die Gadgets arbeiten am Ende der Welt der Waren. Die letzten Gadgets sind „nothing gadgets“ — so wie die Maschine, die zu nichts nützt, die Maschine, die sich selbst zerstört und der falsche Dollarschein zum Verbrennen im Kamin.

Die Ware produziert aber auch ihre eigenen Totengräber, die sich auf keinen Fall mit dem Spektakel ihrer Zerstörung begnügen können, da sie sich die Zerstörung des Spiels zum Ziel gesetzt haben. Existenzbedingungen kann man nicht wiederlegen, man kann sich nur von ihnen befreien.

Auf jeder Stufe der praktischen Kritik werden Gesten entworfen, die sich in revolutionäre Handlungen umwandeln können. Da aber keine revolutionäre Bewegung vorhanden ist, muss diese praktische Kritik auf individueller Ebene bleiben; Die Sehnsucht nach der enteignenden Aneignung lag der Theorie der individuellen Wiederaneignung zugrunde und sie hat diese auf einen bloßen Rückschlag gegen die durch die Warenform eingeführte abstrakte Sozialisierung reduziert. Der Diebstahl im Kaufhaus, der von den Psychosoziologen der Eigentümer so richtig ein „unbekanntes Verhalten“ genannt worden ist, ist qualitativ anderer Art. Im Spektakel der Überfülle hören die sogenannten „Konsum“gegenstände auf, Genussgegenstände zu sein, um zu Beschauungsgegenständen zu werden, die denen immer radikaler fremd werden, deren Bedürfnisse sie eigentlich befriedigen sollten. So scheint also der Diebstahl die einzige auf den Genuss gerichtete Aneignungsweise zu sein — im Gegensatz zum „bekannten Verhalten“, das als ein kontemplativer Gebrauch erscheint, als eine Art, von den Gegenständen in Besitz genommen zu werden, ohne sie zu genießen.

Bei ihren polizeilichen Ermittlungen haben etliche Soziologen den Zusammenhang zwischen Rockerbanden und den archaischen Gesellschaften als eine Entdeckung angekündigt. Es ist jedoch recht einfach und offensichtlich der bloße wirkliche Zusammenhang zwischen einer Gesellschaft, die sich diesseits, und Gruppen, die sich jenseits der Ware befinden. Die absichtliche Warenzerstörung, das Zerschlagen von Schaufenstern erinnern an die Luxuszerstörungen in den vorkapitalistischen Gesellschaften (unter dem Vorbehalt, dass die revolutionäre Bedeutung solcher Gesten in einer Gesellschaft der Warenüberproduktion begrenzt bleibt). Indem einige Rocker Waren stehlen, um sie dann weiter zu geben, vermeiden sie diese Zweideutigkeit. Sie reproduzieren auf höherer Ebene die Praxis der Gabe, die in den archaischen Gesellschaften vorherrschend war und durch den Tausch als eine Formalisierung der sozialen Beziehungen auf der Basis einer schwachen Entwicklungsstufe der Produktivkräfte vernichtet wurde. Damit erfinden sie ein Verhalten, das einer Gesellschaft noch besser angemessen ist, die sich selbst als eine Gesellschaft des Überflusses definiert, und sie nehmen deren Aufhebung praktisch in Angriff.

In den vergangenen Aufständen waren schließlich die spontansten Gesten, die von den Handlangern der Macht „blind“ genannt wurden, eigentlich die revolutionär scharfsichtigsten. Um ein einziges Beispiel aus der neuesten Aktualität anzuführen: die Aufständischen von Los Angeles haben direkt den spektakulären Tauschwert angegriffen, der die Szenerie ihrer Sklaverei bildete — sie haben den Himmel des Spektakels gestürmt. Zu gleicher Zeit, als sie die Schaufenster zerschlugen und die Supermärkte in Brand steckten, entwarfen sie an Ort und Stelle eine Wiederherstellung des Gebrauchswerts: „Ein Schwarzer, der einen gestohlenen Kühlschrank auf einem Schubkarren trägt, öffnet ihn und nimmt Steaks und einige Flaschen Wisky heraus“ (L’Express).

Haben die bisherigen Revolutionen im allgemeinen ihre Zeit damit verloren, die abgelegten Kleider der alten Feste anzuziehen, so hat der Feind, den sie anscheinend vergessen hatten, sie immer wieder an die Gesten erinnert, die sie seit langer Zeit hätten machen sollen. Das, was für Gesten der Verzweiflung gehalten wurde, drückte nur die Verzweiflung aus, sie nicht früher gemacht zu haben. Die nächsten Revolutionen müssen diese Gesten sofort wiederfinden und unverzüglich ausführen; indem sie das Warenspektakel zerstören, sind sie die Träger der Hoffnung auf eine freie Konstruktion des Lebens. Es kommt dann darauf an, alle zugunsten des Himmels des Spektakels geraubten Schätze als das Eigentum des Menschen zurückzufordern und sie in Richtung auf das wahre Leben zu entwenden. Man wird uns die Zerstörer der Warenwelt nennen, während wir nur die Konstruktion von uns selbst sind.

FORVM des FORVMs

Vorgeschaltete Moderation

Dieses Forum ist moderiert. Ihr Beitrag erscheint erst nach Freischaltung durch einen Administrator der Website.

Wer sind Sie?
Ihr Beitrag

Um einen Absatz einzufügen, lassen Sie einfach eine Zeile frei.

Hyperlink

(Wenn sich Ihr Beitrag auf einen Artikel im Internet oder auf eine Seite mit Zusatzinformationen bezieht, geben Sie hier bitte den Titel der Seite und ihre Adresse bzw. URL an.)

FORVM unterstützen

Die Digitalisierung des FORVM und der Betrieb dieser Website ist ein Projekt von Context XXI. Im Rahmen von Context XXI sind bereits 5667 Beiträge veröffentlicht. 9972 Beiträge warten derzeit darauf, der Texterkennung zugeführt und verfügbar gemacht zu werden. Context XXI kann Euch in den kommenden Jahren noch Vieles bieten. Das kann zu unser aller Lebzeiten und dauerhaft nur mit Eurer Unterstützung gelingen. Ganz so wie unsere alternativen Zeitschriften auf Abos angewiesen waren und sind, so ist dieses Projekt auf regelmäßige Beiträge von Euch Lesenden und Nutzenden angewiesen — hier heißen sie halt fördernde Mitgliedschaften:

Persönliche Daten

bzw. zweites Namensfeld bei juristischen Personen

z.B. "p.A. Kommune 1"

einschließlich Hausnummer und ggf. Wohnungsnummer

Mitgliedschaft

Ich trete hiemit dem Verein Context XXI - Verein für Kommunikation und Information als förderndes Mitglied in der gewählten Beitragsgruppe bei. Ich kann meine Beitragsgruppe jederzeit ändern.

SEPA-Lastschriftmandat

Ich/Wir ermächtige/ermächtigen Context XXI – Verein für Kommunikation und Information, Zahlungen meiner/unserer Mitgliedsbeiträge von meinem/unserem Konto mittels SEPA-Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich/weisen wir mein/unser Kreditinstitut an, die von Context XXI – Verein für Kommunikation und Information auf mein/unser Konto gezogenen SEPA–Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Zahlungsart: wiederkehrende Lastschrift (Recurrent)

Werbung

Erstveröffentlichung im FORVM:
Januar
1977
Numéro 10, Seite 36
Autor/inn/en:

Jean Garnault:

Pierre Gallissaires:

Geboren 1932 in Talence (Gironde). Übersetzer und Mitgründer der Edition Nautilus in Hamburg.

Hanna Mittelstädt:

Geboren 1951 in Hamburg. Autorin und Übersetzerin, Mitgründerin der Edition Nautilus in Hamburg.

Lizenz dieses Beitrags:
Gemeinfrei
Diese Seite weiterempfehlen