Zeitschriften » Internationale Situationniste » Numéro 7
Pierre Gallissaires (Übersetzung) • Hanna Mittelstädt (Übersetzung) • Situationistische Internationale

Die 5. Konferenz der S.I. in Göteburg

Les approches de Göteborg.

Die V. Konferenz der S.I. fand vom 28. bis zum 30.August 1961, elf Monate nach der Londoner Konferenz, in Göteborg statt. Situationisten aus neun Ländern waren vertreten durch Ansgar-Elde, Debord, J. de Jong, Kotányi, D. Kunzelmann, S. Larsson, J.V. Martin, Nash, Prem, G. Stadler, Hardy Strid, H. Sturm, R. Vaneigem, Zimmer.

Nachdem Ansgar-Elde als Vorsitzender gewählt wurde, beschäftigte sich die erste Sitzung mit einem Informationsaustausch über den Stand der verschiedenen S.I.-Sektionen und damit, wie man sich den Leuten gegenüber verhalten soll, die der S.I. näher kommen. Es wird allgemein gemeint, alle Kandidaturen müssten sorgfältig geprüft werden, besonders wenn es sich wie in England oder in Deutschland um bereits bestehende Künstlergruppen handelt. Prem schlägt dann vor, dass jede nationale Sektion in ihrem Land allein über die Anerkennung als Situationist entscheiden kann, nicht nur um die Absichten der Hinzukommenden abzuschätzen, sondern auch die Umstände und die Dauer der Beteiligung derer, die schon Mitglied in der S.I. sind. Gegen diesen Vorschlag wird von mehreren Seiten aus im Namen der Einheit und des Internationalismus der Situationisten protestiert. Natürlich verlangen die Situationisten der Prem-Tendenz diese übermäßige Kontrollmacht, weil ihre in der S.I. gänzlich überstimmten Thesen (siehe die Debatte der IV. Konferenz) in Deutschland immer noch die Mehrheit besitzen, nachdem sie dort lange Zeit allein herrschten. Sie haben vor, aus der deutschen Sektion die Opponenten auszuschließen, die in ihr die S.I.-Politik unterstützen. Die Konferenz beschließt, dass die gesamte S.I. für alle Länder entscheiden soll — wobei die Entscheidungskraft in der Zeit zwischen den Konferenzen dem Zentralrat zukommt — nach den Mitteilungen und begründeten Nachrichten, die ihr für die Aufnahme und mit noch besserem Grund für jede Uneinigkeit in einem einzelnen Land vorgelegt werden.

Nash erklärt, die Skandinavier hätten beschlossen, wenigstens für ein Jahr eine einzige Sektion zu bilden, wegen ihrer großen geographischen Zerstreuung in vier Staaten (einer von ihnen lebt sogar in Island) mit verwandten kulturellen Verhältnissen. Erst dann erwägen sie, die Autonomie der dänischen Sektion wiederherzustellen, die sie zuerst aufrechterhalten wollten, für die sie aber zunächst zu wenig Unterstützung gefunden haben.

Die Konferenz hört dann Vaneigems Orientierungsbericht, in dem u.a. gesagt wird:

Wegen der aktuellen Konjunktur, sowie ihrer inneren Entwicklung befindet sich die S.I. auf einer solchen Entwicklungsstufe, dass die Tätigkeit, die sie glaubt, in der bürokratisierten und verdinglichten Welt entfalten zu können, von nun an von dem kritischen Anspruch abhängt, den sie in sich selbst als Kraft der Kohärenz zu erhalten fähig sein wird. Ihre Schwäche gegenüber den künftigen Aufgaben und der voraussehbaren Unterdrückung kann man nur als eine Kraft definieren, wenn jedes S.I.-Mitglied sich dessen klar bewusst ist, was sie und ihn selbst bedroht, d.h. dessen, was die S.I. ist und sein will. Das ist der Preis für die Autonomie der Sektionen.

« La seule réduction d’un litre de vin par jour ou d’un litre d’apéritif par quinzaine libérerait annuellement une somme correspondant à l‘achat d‘un réfrigérateur. L’économie réalisée permettrait déjà, au bout de trois mois, d’acheter soit un aspirateur, soit un électrophone ou un transistor ... Chaque année, les Français boivent le prix de la construction d’une ville comme Arras ou Brive. »
Elle, 15-9-61.

Die kapitalistische bzw. angeblich antikapitalistische Welt organisiert das Leben spektakulär … Es kommt nicht darauf an, das Spektakel der Verweigerung auszuarbeiten, sondern das Spektakel selbst abzulehnen. Die Elemente der Zerstörung des Spektakels müssen gerade aufhören, Kunstwerke zu sein, damit ihre Ausarbeitung künstlerisch im neuen und authentischen von der S.I. definierten Sinne ist. Es gibt weder einen Situationismus, ein situationistisches Kunstwerk noch einen spektakulären Situationisten. Ein für allemal.

Eine solche Perspektive bedeutet nichts, wenn sie nicht unmittelbar mit der revolutionären Praxis verbunden ist — dem Willen, den Lebensgebrauch zu verändern, was keineswegs darauf hinausläuft, den Dienstherren der bestehenden Arbeit zu verändern. Ferner hängt die Möglichkeit einer kritischen Aktion am Rand der revolutionären Bewegung neuen Typs von Folgendem ab.

Das Vorhergehende definiert eigentlich den einzigen Zusammenhang, in dem die Situationisten von Handlungsfreiheit sprechen können. Steht das einmal fest, bleibt noch alles zu tun:

  1. sich als ein an die Totalität (Ablehnung des Reformismus) angeschlossenes Ganzes verstehen (Jedes Fragment ist Totalität und die Totalität kann nur fragmentarisch sein);
  2. situationistische Stützpunkte errichten, die einen unitären Urbanismus und ein befreites Leben vorbereiten sollen;
  3. dem Erlebten seinen Vorrang wiedergeben — für einen Stil des Lebens gegen die Lebensweisen, die alle mythisch, unabänderlich und quantifiziert sind;
  4. neue Begierden auf dem sorgfältig abgesuchten Feld des heute Möglichen bestimmen;
  5. sich aller technischen Mittel bemächtigen, die die Beherrschung des Möglichen sichern können.

Durch diese gegenseitigen Beeinflussungen wird das Projekt einer permanenten Revolution auf nicht zu erschöpfende Weise entworfen. Unsere Lage ist die von Kämpfern zwischen zwei Welten: die eine erkennen wir nicht an, während die andere noch nicht existiert. Es kommt darauf an, den Zusammenstoß zu überstürzen. Das Ende einer Welt zu beschleunigen, die Katastrophe, bei der die Situationisten die ihren erkennen werden.

Diese Rede ruft keinen Widerspruch hervor. Bei der darauffolgenden Diskussion über die nächsten Stufen einer möglichen Verwirklichung vertritt Vaneigem kurzfristig das Projekt eines Austausches zur Zerstörung ausgewählter Kulturwerte; mittelfristig die Intervention gegen die UNESCO sowie die Errichtung eines ersten situationistischen Stützpunktes (des „Sillinger Schlosses“). Bei der ursprünglichen Akkumulation von Mitteln geht es darum, „die Künstler dazu zu bringen zu erkennen, dass die S.I. den besten Teil von ihnen selbst verteidigt. Sie wird sich ihrer gleichzeitig als Geiseln und Überläufer aus dem gegnerischen Lager bemächtigen“. Die S.I., „deren Ablehnung des Reformismus und Unmöglichkeit einer Schöpfung aus dem Nichts den Wirkungsbereich abstecken“, will „in der gegenwärtigen Gesellschaft Unterstützungen“ finden, „die ihre zukünftigen Brückenköpfe festigen und ihr den Ausbruch zur Eroberung von feindlichem Gebiet vorbereiten können. Wir müssen im breiteren Sinne des Ausdrucks die shop stewards der Schöpfer sein“.

Die zweite Sitzung beginnt mit den Berichten der verschiedenen Sektionen, besonders über die Herausgabe und Übersetzungen der S.I.-Texte. Außerdem stellt die skandinavische Sektion das Problem einer Produktion von Experimentalfilmen in Schweden vor, an denen mehrere ihrer Mitglieder kollektiv gearbeitet haben. Die in Göteborg anwesenden Schweden diskutieren darüber, welcher dieser Filme zur situationistischen Qualität gelangen würde, und sie möchten die Konferenz als Zeugen nehmen. Debord antwortet, dass er selbst nie einen situationistischen Film gemacht hat und folglich darüber nicht richten kann. Kunzelmann drückt seinen tiefen Zweifel aus, was die Macht betrifft, die die S.I. aufbringen kann, um auf der von Vaneigem erwogenen Ebene zu handeln.

Kotányi antwortet auf Nash und Kunzelmann: „Seit dem Anfang unserer Bewegung hat sich das Problem des Etiketts der Kunstwerke von S.I.-Mitgliedern gestellt. Wir wussten wohl, dass keines ein situationistisches Produkt war, aber wie sollte man sie benennen? Ich schlage Euch eine sehr einfache Regelung vor, und zwar sie anti-situationistisch zu nennen. Wir sind gegen die herrschenden Bedingungen der künstlerischen Unechtheit. Ich will nicht sagen, jemand müsse aufhören zu malen, zu schreiben usw. Ich will auch nicht sagen, es habe gar keinen Wert. Ich will auch nicht sagen, wir könnten weiterleben, ohne es zu tun. Wir wissen aber zugleich, dass die Gesellschaft in all das eingreifen wird, um es gegen uns zu gebrauchen. Was unsere Kraft ausmacht, ist die Ausarbeitung gewisser Wahrheiten, die die Brisanz eines Sprengstoffes besitzen, wenn Leute dazu bereit sind, für sie zu kämpfen. In ihrer gegenwärtigen Entwicklungsstufe ist die Bewegung erst im Entstehen begriffen, was die Ausarbeitung dieser wesentlichen Punkte betrifft. Die gesamte Bewegung hat sich den Grad der Reinheit, das Kennzeichen des modernen Sprengstoffs, noch nicht angeeignet. Man kann in unserem Umgang mit dem alltäglichen Leben und seiner Kritik nicht mit Sprengwirkungen rechnen, bevor wir nicht alle zu dieser Reinheit, d.h. zu diesem Grad der notwendigen Reinheit gelangt sind. Ich empfehle Euch, nicht zu vergessen, dass es sich zur Zeit um eine anti-situationistische Produktion handelt. Die von diesem Punkt ausgehende Klarheit ist unerlässlich, um die Klärung zu vergrößern. Sollte man auf diesen Grundsatz verzichten, dann hätte Kunzelmann in einem negativen Sinne recht: die S.I. könnte zu keiner — auch nicht mittelmäßigen — Macht gelangen.“

Alle Antworten auf Kotányis Vorschlag bestätigen ihn. Man stellt fest, dass in einigen Ländern der S.I. fremde und sich avantgardistisch nennende Künstler zu erscheinen beginnen, die sich auf den „Situationismus“ berufen bzw. ihre Werke als mehr oder weniger situationistisch bezeichnen. Diese Tendenz wird natürlich zunehmen, die S.I. braucht sich darum nicht zu bemühen. Zur selben Zeit, in der sich verschiedene konfuse Fälle von Sehnsucht nach einer positiven Kunst situationistisch nennen, wird die antisituationistische Kunst auf die besten gegenwärtigen Künstler hinweisen — die der S.I. —, da keineswegs situationistische Verhältnisse vorhanden sind. Situationist ist der, der dies sagt.

Einstimmig beschließt die Konferenz, die Regelung der antisituationistischen Kunst zu billigen, an der die S.I.-Mitglieder zu erkennen sind. Nur Nash missbilligt die Abstimmung, nachdem sein Ärger und seine Empörung während dieser ganzen Auseinandersetzungsphase immer deutlicher zum Zorn und sogar zur Wut geworden waren.

Zu Beginn der dritten Sitzung bringt Jacqueline de Jong die Frage der Herausgabe einer englischen Zeitschrift — The Situationist Times — zur Sprache, die von der ersten Sitzung des Zentralrates im November 1960 beschlossen und für die nichts getan wurde. Man stellt fest, dass die S.I.-Finanzmittel um einiges zu unzureichend sind, um so viele Zeitschriften auf einmal zu unterstützen und vor allem um die Schwierigkeiten der vielen geplanten Übersetzungen geschäftlich zu regeln; dass die Arbeit der S.I.-Genossen als Übersetzer schon unter einem anständigen Durchschnitt liegt, wenn es um die laufenden Verbindungen zwischen den Sektionen geht. Es wird bestätigt, dass diese Veröffentlichung wünschenswert ist. Nur die Entwicklung der Tätigkeit der britischen Sektion kann aber gesunde und nicht künstliche Bedingungen für die Herausgabe einer solchen Zeitschrift schaffen. Die Materialisierung eines situationistischen Stützpunktes kommt wieder zur Diskussion. Sturm erklärt, er verstehe nicht, von welchem Weg gesprochen wird, wenn es um die Durchführung dieses Projektes geht. In Kotányis Intervention sieht er „abstraktes Bewusstsein und einen Monolog über die Reinheit“. Prem nimmt die Einwände seiner Freunde gegen solche Perspektiven in einem längeren Beitrag auf. Er sei zwar damit einverstanden, unsere Kunst eine anti-situationistische zu nennen und einen situationistischen Stützpunkt zu errichten. Er glaube aber nicht, die S.I.-Taktik sei gut. Man spricht von der Unzufriedenheit und der Revolte der Leute, seines Erachtens aber „will die Mehrheit immer noch nur den Komfort“, wie seine Tendenz es schon in London dargelegt habe. Prem meint, die S.I. habe ihre tatsächlichen Chancen in der Kultur systematisch vernachlässigt. Sie weise große Gelegenheiten zurück, sich in der bestehenden Kulturpolitik durchzusetzen, während sie seiner Meinung nach keine andere Macht habe — diese aber uns greifbar nahe liegende Macht könne sehr groß sein. Die S.I.-Mehrheit sabotiere die Chancen einer wirksamen Aktion auf dem Gebiet des Möglichen. Sie schikaniere die Künstler, denen es gelingen könnte, etwas zu tun; sie werfe sie in dem Augenblick hinaus, wo sie anfangen, eine gewisse Macht zu haben, worunter wir alle zu leiden haben. Prem glaubte schließlich sogar, dass „die theoretische Macht in der heutigen Zeit unfruchtbar und unfähig ist, die Dinge praktisch zu modifizieren“. Kotányi antwortet, dass „wir keinen Augenblick lang den Eindruck gemacht haben, eine so eigenartige Theorie der modernen Zeit zu akzeptieren“ und dass gerade das entgegengesetzte Prinzip die ganze Bedeutung der situationistischen Bewegung ausmache. Prem fügt hinzu, dass die situationistischen Theorien zumindest wenig verständlich seien. Mehrere Genossen fragen ihn, warum er eigentlich hier sitze. Debord erinnert an die von Majakowski erzählte Geschichte: „Keiner behauptet, er sei klug, nur weil er die Mathematik oder Französisch nicht versteht; jeder aber findet seine Klugheit dadurch bestätigt, dass er nichts vom Futurismus versteht“.

Unser Fortschritt liege darin, dass Majakowskis Geschichte sich auf den bürgerlichen Zuschauer bezog, die S.I. aber die erste Avantgarde ist, in der ein Mitglied sich selbst darin bewundert, die Theorie nicht zu verstehen, der der sich seit über zwei Jahren angeschlossen hat.

Andere deutsche Situationisten treten dann Prem entgegen, wobei einige ihm vorwerfen, Ansichten in ihrem Namen ausgedrückt zu haben, die sie nicht vertreten (es sieht aber eher so aus, als ob Prem aufrichtig genug war, um die in der deutschen Sektion vorherrschende Linie deutlich darzulegen). Schließlich behaupten die Deutschen, keiner von ihnen fasse die Theorie als von den praktischen Resultaten getrennt auf. So endet die dritte Sitzung mitten in der Nacht und nicht ohne heftige Aufregung und Lärm — „Die Theorie ist genau das, was einem eines Tages aufs Maul zurückfällt!“ kann man von einer Seite hören, auf der anderen Seite Rufe wie: „Zuhälter der Kultur!“

Zu Beginn der vierten Sitzung werden die von den beiden abwesenden Situationisten George Keller und Uwe Lausen der Konferenz zugeschickten Beiträge vorgelesen.

Lausen denunziert den Konformismus des Lebens mehrerer Mitglieder der deutschen Sektion und sogar den ihrer Auffassung des Kunstexperimentierens, das auf einige herkömmliche Sektoren begrenzt bleibt. Er setzt ihnen die durch das situationistische Experiment geforderte totale Freiheit entgegen, wobei er genau weiß, wie diese durch die Modalitäten des Kampfes gegen die Gesellschaft bedingt wird. Er schließt dann wie folgt: „Das alltägliche Leben ist die einzige Möglichkeit für die zukünftige Kunst. Wir müssen nach radikalen Freunden suchen — solche gibt es ja. Die Alten sagen: ‚In unserer Jugend waren wir radikal.‘ Das stimmt. In ihrer Jugend lebten sie noch. Man hat dann vergessen, was man wollte. Man schläft. Man ist tot. Wir müssen diejenigen aufrufen, die wach sind, die Schläfrigen aus dem Schlaf rütteln und die Toten begraben. Das heißt: wir müssen anfangen.“

Keller schreibt: „Keiner kann leugnen, dass irgendeine neue Erfindung situationistisch ist. Nur uns gehören die neuen Erfindungen, nicht nur, weil sie uns dienlich sein können, sondern auch, weil wir die neuen Erfindungen in ihrer globalen Vielfältigkeit sind. Sie sind unsere Welt“. Er verlangt „die Beherrschung der umherschweifenden dynamischen Einheit und eine genaue Kenntnis der Äquivalente, um wirkliche Störungen des Gleichgewichts als Ausgangspunkte aller Spiele herzustellen“. Er schlagt auch vor, die S.I.-Veröffentlichungen zu vereinheitlichen, in denen es Verschiedenheiten gibt, die letztlich auf eine Spezialisierung der Gattungen hinauslaufen — so ist z.B. das französisch verfasste Zentralbulletin theoretisch bis zur Suche nach der absoluten Langeweile, während die Veröffentlichungen in Italien, Skandinavien und Deutschland sich im allgemeinen mit einem elementaren Spielcharakter zufriedengegeben haben. Wobei diese konventionelle Trennung zwischen Spiel und Ernst vom Standpunkt der S.I. aus eine Schwäche ist.

A l’issue de la Conférence de Gëteborg, des situationnistes fraternisent avec des ouvriers suédois.

Indem die belgische Sektion feststellt, dass die am Vorabend zur Schau gestellten anhaltenden Meinungsverschiedenheiten und das zugegebene Zurückbleiben die Aktualität des Kellerschen Vorschlags bestätigen, unterstützt sie ihn in der Form der vereinigten Redaktion einer Zeitschrift mit vier Ausgaben — eine deutsche, englische, französische und schwedische. Die für die Zeitschrift Spur verantwortlichen deutschen Situationisten billigen diesen Vorschlag zwar prinzipiell, seine Ausführung verschieben sie aber auf eine noch nicht reife Zukunft, so dass die Mehrheit der Konferenz auf die Abstimmung über eine Frage verzichtet, die von den am unmittelbarsten betroffenen Situationisten abgelehnt wird. Diese machen geltend, dass sie sich noch dringend darum bemühen müssen, ihre eigenen Stellungen und Vorschläge mit denen der übrigen S.I. zu vereinigen, wie es sich bei der Konferenz noch einmal deutlich herausstellte. Kunzelmann erklärt, dass diese Diskussion auf der Grundlage des Berichts von Vaneigem, der in Deutschland sehr sorgfältig gelesen werden muss, schnell vorangehen kann. Jedoch verpflichten sich die Deutschen dazu, die Verbreitung und die Ausarbeitung der situationistischen Theorie möglichst bald zu verstärken, wie sie in den Nummern 5 und 6 von Spur begonnen haben. Auf ihren Antrag hin ordnet die Konferenz Attila Kotànyi und Jacqueline de Jong dem Spur-Redaktionskomitee bei, damit sie dieses Vereinheitlichungsverfahren kontrollieren (im Januar wird dieser Beschluss allerdings durch die Herausgabe der Nummer 7 verhöhnt, die ohne deren Wissen verfasst wurde und den vorherigen gegenüber ein deutlicher Rückschritt war, was den Ausschluss der Verantwortlichen zur Folge hatte).

Der neue, von der Konferenz ernannte Zentralrat besteht aus Ansgar-Elde, Debord, Kotányi, Kunzelmann, Lausen, Nash und Vaneigem. Außerdem wird Zimmer zum Brüsseler Büro des Unitären Urbanismus gesandt. Bei der Abstimmung über die Stadt, in der die VI. Konferenz abgehalten werden soll, wird Antwerpen gewählt, nachdem der skandinavische Vorschlag, diese Konferenz geheim in Warschau abzuhalten, zurückgewiesen wird. Dafür aber beschließt die Konferenz, eine Delegation aus drei Situationisten nach Polen zu schicken, um unsere dortigen Kontakte weiterzuentwickeln.

Nach dieser letzten Arbeitssitzung geht die Konferenz als Fete zuende. Über diese viel konstruktivere Fete gibt es leider kein Protokoll. Von der Reise über den Sund an soll sie sogar an ein Umherschweifexperiment gegrenzt und viele bis zum Hafen von Friedrichshafen geführt haben, während andere es bis nach Hamburg verlängerten.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Januar
1976
Numéro 7, Seite 25
Autor/inn/en:

Pierre Gallissaires:

Geboren 1932 in Talence (Gironde). Übersetzer und Mitgründer der Edition Nautilus in Hamburg.

Hanna Mittelstädt:

Geboren 1951 in Hamburg. Autorin und Übersetzerin, Mitgründerin der Edition Nautilus in Hamburg.

Situationistische Internationale: Situationistisch / Situationist: All das, was sich auf die Theorie oder auf die praktische Tätigkeit von Situationen bezieht. Derjenige, der sich damit beschäftigt, Situationen zu konstruieren. Mitglied der situationistischen Internationale.
Situationismus: Sinnloses Wort, missbräuchlich durch Ableitung des vorigen gebildet. Einen Situationismus gibt es nicht — was eine Doktrin zur Interpretation der vorhandenen Tatsachen bedeuten würde. Selbstverständlich haben sich die Anti-Situationisten den Begriff „Situationismus“ ausgedacht.

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