Zeitschriften » Internationale Situationniste » Numéro 10
Pierre Gallissaires (Übersetzung) • Hanna Mittelstädt (Übersetzung) • Situationistische Internationale

Der Klassenkampf in Algerien

Man könnte glauben, das neue algerische Regime habe es sich als einzige Aufgabe gestellt, die geraffte Analyse zu bestätigen, die schon in den Tagen nach seinem Antrittsputsch in der damals von der S.I. in Algier veröffentlichten Adresse an die Revolutionäre vorgelegt wurde. Die Selbstverwaltung zu liquidieren — das ist der ganze Inhalt von Boumediennes Programm, dessen einzige wirkliche Tätigkeit, und sie beginnt in genau dem Augenblick, wo der Staat durch den Aufmarsch der militärischen Kraft, die unter Ben Bella seine einzige vollendete Kristallisation und sein einziges festes Organ war, seine Unabhängigkeit gegenüber der algerischen Gesellschaft verkündet hat. Die anderen Ziele des Staates, wie die technokratische Reorganisation der Wirtschaft, die Ausdehnung der Grundlage seiner Macht auf sozialem und rechtlichem Gebiet, gehen unter den tatsächlichen Verhältnissen des Landes über die Fähigkeiten der gegenwärtigen herrschenden Klasse hinaus. Die Masse der Unentschlossenen, die nicht Ben Bellas Feind waren sondern diejenigen, die er enttäuscht hatte und die abwarteten, um das neue Regime nach seinen Handlungen zu beurteilen, können sehen, dass dieses Regime letztlich nichts tut — außer seiner Tat, die autonome Diktatur des Staates zu errichten, die gleichzeitig seine Kriegserklärung an die Selbstverwaltung ist. Es schien sogar eine lange Zeit über seine Kraft zu gehen, eine genaue Anklage gegen Ben Bella zu erheben bzw. ihn öffentlich niederzumachen. Das einzige Überbleibsel des „Sozialismus“, zu dem man sich in Algerien noch bekennt, ist gerade dieser Kern des umgekehrten Sozialismus, dieses Produkt der allgemeinen Reaktion in der Arbeiterbewegung selbst, das die Niederlage der russischen Revolution der übrigen Welt — inklusive Ben Bellas Algerien — als positives Vorbild hinterlassen hat: die polizeiliche Antiwahrheit der Macht. So wird z.B. der politische Feind nicht wegen seiner wirklichen Positionen verurteilt, sondern wegen des Gegenteils dessen, was er gewesen ist; oder er löst sich sogar im organisierten Stillschweigen auf, weder für das Gericht noch für den Historiker hat er je existiert. So nennt Boumediennes, der seit jeher einer der Hauptverantwortlichen dafür ist, dass die algerische Selbstverwaltung nur eine Karikatur dessen ist, was sie sein sollte, sie offiziell „eine Karikatur“, um sie autoritär zu organisieren. Im Namen eines ideologisch durch den Staat garantierten Selbstverwaltungsgeistes weist Boumedienne ihre wirklichen entworfenen Erscheinungen zurück.

Durch dieselbe Umkehrung der Wirklichkeit wird Boumediennes Kritik der Vergangenheit bestimmt. Ben Bella wirft man vor, das gemacht und übertrieben zu haben, was er gerade nicht gemacht hat, was er kaum vorgegeben hatte, in Angriff nehmen zu wollen: die Frauenemanzipation oder die tatsächliche Unterstützung der Befreiungskämpfe in Afrika z.B. Den Lügen des heutigen Regimes über die Vergangenheit liegt eigentlich dessen tiefgehende Einheit mit der Vergangenheit zugrunde. Die herrschende Klasse hat sich in Algerien nicht verändert — sie verstärkt sich. Sie wirft Ben Bella vor, das schlecht gemacht zu haben, was er nur vorgeheuchelt hat: einen Revolutionarismus, den sie jetzt nicht mehr vorheucheln will. Nach wie vor dem 19. Juni ist die herrschende algerische Klasse eine im Entstehen begriffene Bürokratie.

Sie setzt ihre Konstituierung fort, indem sie die politische Verteilungsweise der Macht teilweise verändert. Bestimmte Schichten dieser (militärischen, technokratischen) Bürokratie gewinnen jetzt über andere (politische und gewerkschaftliche) die Oberhand. Die Grundverhältnisse sind nach wie vor die Schwäche der nationalen Bourgeoisie auf der einen und der Druck der elenden Bauern- und Arbeitermassen auf der anderen Seite, von denen ein Teil bei der Flucht der alten (europäischen) herrschenden Klassen den selbstverwalteten Sektor erobert hat. Der Zusammenschluss der algerischen Bourgeoisie mit der Bürokratie im Besitz des Staates lässt sich nicht nur durch die neuen, von Boumedienne vertretenen herrschenden Schichten erleichtern, sondern diese Entwicklung passt auch besser mit dem Teil des kapitalistischen Weltmarktes zusammen, mit dem Algerien verbunden ist. Außerdem waren die unter Ben Bella herrschenden bürokratischen Schichten weniger zum offenen Kampf gegen die Forderungen der Massen fähig. Ben Bella geht zusammen mit dem schwankenden sozialen Gleichgewicht, das als provisorisches Ergebnis aus dem Kampf gegen Frankreich und die Siedler entstanden war. In dem Augenblick, in dem sie verdrängt wurden, haben die früher vorherrschenden bürokratischen Schichten (die Führer der FNL-Föderation von Groß-Algerien, die UGTA — Allgemeine Vereinigung der Algerischen Arbeiter) zuerst gezögert, dann haben sie sich doch angeschlossen, da ihre Solidarität mit der gesamten Staatsbürokratie natürlich schwerer wog als ihre Verbindungen mit den Arbeitermassen. Als erste hatte sich die Gewerkschaft der Landarbeiter angeschlossen, deren Kongress 6 Monate vorher die radikalsten Thesen über die Selbstverwaltung gebilligt hatte.

L’armée de Boumedienne
« Qu’attendez-vous donc pour vous lever ! Qu’attendez-vous pour chasser de votre sein les infâmes agents de ce gouvernement de capitulation et de honte qui mendie et achète, à cette heure même, de l’armée prusienne, les moyens de bombarder Paris par tous les côtés à la fois ? Attendez-vous que les soldats du droit soient tombés jusqu’au dernier sous les balles empoisonnées de Versailles ? »
« Aux grandes villes », appel de la Commune de Paris, le 1ᵉʳ mai 1871.

« Les avions américains réquisitionnés par les ennemis du peuple congolais bombardent depuis le 26 les marchés et les usines de la région. Je demande que l’Organisation de l’Unité Africaine, dans l’intérêt du peuple congolais, prenne les mesures qui s’imposent pour faire cesser de pareils agissements. Je sais que ces avions atterrissent en territoire de la République du Ruanda. C’est pourquoi j’avertis que je devrai attaquer ce pays et que, chaque jour, je ferai massacrer et manger un sujet américain prisonnier de mes troupes. »
Communiqué à la presse, du colonel Bidalira, commandant les insurgés mulélistes dans la région d’Uvira, le 27 août 1964.

Von den unter Ben Bella an der Macht teilhabenden bürokratischen Kräften hatten zwei gleichzeitig verfeindete und miteinander verwandte Schichten eine besondere Stellung — und zwar die Kommunistische Partei und die ultralinken Ausländer, die sich in den Dienst des algerischen Staates gestellt hatten und die „Rotfüßler“ genannt wurden. Sie waren weniger an der Macht als vielmehr Machtkandidaten. Als armer Verwandter der Macht, der aber auf deren Erbe aufpasste, hatte der ultralinke Flügel der Bürokratie bei Ben Bella einen Rechtsanspruch auf die Vertretung der Massen: sein Mandat hatte er nicht von den Massen, sondern von Ben Bella. Er träumte davon, diese Macht, die von Ben Bella immer noch nach allen Seiten hin verteilt wurde, eines Tages als Monopol und gleichwohl gegen die Massen anzutreten. Da Ben Bella persönlich für die bürokratische Ultralinke der einzige Zugang zur gegenwärtigen Macht, ihre Hauptverheißung für die Zukunft und die einzige Garantie ihrer Tolerierung war (sozusagen ihr Soekamo), hat sie für seine Verteidigung demonstriert — aber sehr unsicher. So wie sie den Staat ehrfurchtsvoll belagerte, hat sie sich auf den Boden des Staates gestellt, um der ungünstigen Modifizierung des staatlichen Kräfteverhältnisses entgegenzuwirken. Auch hier ist Boumediennes Kritik dieser im Namen eines spezifischen algerischen Sozialismus global als fremd bezeichneten Elemente ganz und gar falsch. Weit davon entfernt, „Theorie für die Theorie zu, betreiben“ (El Moudjahid vom 22.9.65) stellten die Rotfüßler die erschöpfte Mischung einer vollständigen theoretischen Nichtigkeit und von unbewusster oder bewusst verdeckter konterrevolutionärer Tendenz dar. Weit davon entfernt, abenteuerlich außergewöhnliche Utopien in Algerien „experimentieren“ zu wollen, besaßen sie nur Irrtümer oder Lügen, die sich tausendmal als solche bewiesen hatten. Die besten revolutionären Ideen der Rotfüßler waren nicht deshalb ungeeignet, weil sie von allzu weit herkamen, sondern weil sie viel zu spät wiederholt wurden. Es ist keine Frage der Geographie, sondern der Geschichte.

« Frères, 63 comités de gestion m’ont chargé de dire deux mots seulement :
1° - 63 fermes n’ont pas été payées depuis deux mois. Il y a des ouvriers qui dorment à la belle étoile. Et il y a des cadres qui ont dix maisons.
2° - 63 comités de gestion m’ont chargé de dire que nous sommes encore colonisés par les bourgeois. »
Intervention de Ben Dahoud Mohamed, délégué de Saïda, au Congrès des Travailleurs de la Terre, en décembre 1964, à Ben Aknoun.

Mohammed Harbi war als Denker der Selbstverwaltung noch weiter abseits und radikaler im ultralinken Flügel von Ben Bellas Macht — aber nur durch die Gnade des Prinzen und in den Büroräumen der Macht. Harbi hatte sich bis zum höchsten Punkt des algerischen Denkens hinaufgeschwungen — bis zur Idee der Selbstverwaltung, aber keineswegs bis zu ihrer konsequenten Praxis. Ihren Begriff hat er wohl verstanden, aber noch nicht ihr Wesen. Paradoxerweise war Harbi der Regierungstheoretiker der Selbstverwaltung oder vielmehr ihr Hofdichter; über der Praxis stehend hat er die Selbstverwaltung mehr besungen als erdacht. Der Staat der Selbstverwaltung, dieses logische Unwesen, hatte also sein schlechtes Gewissen und seinen Luxus in Harbi gefunden. Boumediennes Panzer auf den Straßen bedeuteten eine Rationalisierung des Staates, der sich jetzt vom lächerlichen Paradox von Ben Bellas Gleichgewicht und von jeder Art schlechtem Gewissen befreien — einfach ein Staat sein — will. Da konnte man sehen, dass Harbi, ein entwaffneter Prophet der Selbstverwaltung, vorher nicht die Selbstverteidigung der Selbstverwaltung auf ihrem eigenen Gebiet bedacht hatte, sondern nur die durch Ben Bellas Vermittlung. Verließ sich Harbi aber nur auf Ben Bella, um die Selbstverwaltung zu verteidigen, auf wen verließ er sich dann, um Ben Bella zu verteidigen? Der Denker der Selbstverwaltung war durch Ben Bella geschützt, wer schützte aber seinen Schutzherrn? Er glaubte, dass Ben Bella als Verkörperung des Staates weiterhin allgemein in Algerien anerkannt sein würde, während er, Harbi, doch nur seine „gute Seite“ — die formelle Anerkennung der Selbstverwaltung — akzeptierte. Der wirkliche Prozess ist also durch seine schlechte Seite vorangeschritten: die Kräfte, die aus Ben Bella umgekehrte Schlüsse zogen, waren interventionsfähiger. Ben Bella stellte nicht die Lösung der algerischen Widersprüche da sondern deren provisorische Verdeckung. Die Geschichte hat gezeigt, dass Harbi und alle diejenigen, die mit ihm derselben Meinung waren, sich getäuscht haben. Jetzt müssen sie ihre Auffassung radikalisieren, wenn sie Boumediennes Diktatur wirksam bekämpfen wollen — also die Selbstverwaltung verwirk1ichen.

Ben Bellas Fall ist ein Datum im Zusammenbruch der weltweiten Illusionen über die „unterentwickelte“ Version des Pseudo-Sozialismus. Castro bleibt als dessen letzter Star bestehen, schon aber verlangt er, der die Nutzlosigkeit von Wahlen gesetzlich damit begründete, dass das Volk bewaffnet war, die Rückgabe aller Waffen und ihre Einziehung durch die Polizei (Reuter, 14.8.65). Sein Leutnant Guevara geht, ohne dass den Massen irgendeine Erklärung gegeben wird, von denen diese Männer ein blindes persönliches Vertrauen verlangt hatten. Die Algerier, die in ihrem Land die Schwäche von Ben Bellas Sozialismus erfahren müssen, entdecken bei derselben Gelegenheit, was die Fürsorge des angeblichen „sozialistischen Lagers“ für ihre Sache wert ist: der chinesische, russische und kubanische Staat — und Nasser noch dazu — überbieten einander in Artigkeiten gegenüber Boumediennes Regime. Die Revolutionen in den unterentwickelten Ländern werden immer wieder erbärmlich missglücken, solange sie ein vorhandenes Vorbild der sozialistischen Macht akzeptieren und für sich selbst wieder aufnehmen, da sie alle offensichtlich falsch sind. Die offiziell zersplitterte russisch-chinesische Version und die „unterentwickelte“ Version dieses Sozialismus bürgen füreinander, bewundern einander und garantieren sich gegenseitig denselben Ablauf. Die Unterentwicklung der revolutionären Theorie auf der ganzen Welt ist die erste Unterentwicklung, die jetzt überwunden werden muss.

Die internen Kämpfe der algerischen Bürokratie während des Krieges und in der Zeit von 1962 bis 1965 haben in der Form von Cliquenkämpfen, persönlichen Rivalitäten, unerklärlichen Uneinigkeiten zwischen verschiedenen Führern und dunklen Bündnisumkehrungen stattgefunden, was direkt aus den Bedingungen folgte, die schon vor dem Aufstand um Messali Hadj herum vorhanden waren. Ihnen fehlte nicht nur jegliche Theorie, sondern die Ideologie selbst war dürftig und verworren und alles blieb an der Oberfläche des politischen Lebens des Landes, in den Wolken, in denen sich der Staat bewegt. Vom 19. Juni an begann eine andere Periode — und zwar die des Zusammenstoßes zwischen der herrschenden Klasse und den Arbeitern und das macht die wirkliche Bewegung aus, die die Bedingung für und das Bedürfnis nach einer Theorie mit sich bringt. Schon am 9. Juli gab die in Algier unter dem Vorsitz des Industrieministers Boumaza veranstaltete Versammlung der Delegierten von 2.500 selbstverwalteten Betrieben diesem Minister ihre Forderung nach der Selbstverwaltung als einen unantastbaren Grundsatz bekannt, sowie eine Reihe von Kritiken, die alle die Rolle des Staates als einer Beschränkung dieses Grundsatzes beanstandeten. So haben die Delegierten „die vielfältigen Vormundschaftsorgane (Präfekturen, Ministerien, Partei) beschuldigt und die Nichtbezahlung der staatlichen Schulden sowie die steuerliche Belastung denunziert. Einige Delegierte haben auch das Problem der Entlassungen, die ‚drakonischen‘ Forderungen von ausländischen Lieferanten sowie die lähmende Rolle des Zolls erwähnt“ (Le Monde, 10.7.1965).

Diese Delegierten wussten, wovon sie sprachen. Tatsächlich bereitete die Macht schon mit der Erklärung vom 19. Juni, in der das Wort „Selbstverwaltung“ nicht erwähnt wurde, die „Sanierung“ der ökonomischen Lage durch die Verstärkung der Staatskontrolle und die beschleunigte „Kader“bildung vor. Sie beabsichtigte, alle ungebührlich bewohnten Wohnungen (mehr als 100.000 an der Zahl) durch Mietverkauf schnell bezahlen zu lassen; das in den selbstverwalteten Betrieben „dem Staat gestohlene“ Geld einzuziehen; die Abnutzung der schlecht behandelten Betriebsanlagen zu steuern und alle rechtswidrigen Beschlagnahmungen durch die Massen beim Fortgang der Franzosen zu legalisieren. Seit dieser Zeit wird den Arbeitern des selbstverwalteten Sektors, die auf ihre unbezahlten Löhne mit mehreren Monaten Verspätung warten müssen, immer wieder vorgeworfen, einen großen Teil ihrer eigenen Produktion zu rauben, obwohl die Selbstverwaltung gerade die Form ist, in der die lähmende Ehrfurcht vor dem — persönlichen oder staatlichen — Eigentum, die der Arbeiterbewegung soviel Schaden zugefügt hat, am besten überwunden werden kann. Das dringendste Ziel des algerischen Staates, der schon genügend Soldaten und Polizisten hat, ist also die Heranbildung von 20.000 Buchhaltern pro Jahr.

Der heimliche und offene zentrale Kampf ist sofort zwischen den Vertretern der herrschenden Klasse und den Arbeitern gerade wegen des Selbstverwaltungsproblems ausgebrochen. Über Boumazas bzw. Boumediennes „beruhigende“ Erklärungen hat sich keiner getäuscht. Das in Le Monde vom 3. Oktober erwähnte „Unbehagen in den Gewerkschaften“ ist ein beschönigender Ausdruck, um den Widerstand des einzigen Bollwerks der sozialistischen Revolution in Algerien — des selbstverwalteten Sektors — gegen die letzten Operationen der bürokratischen Vormachtstellung zu bezeichnen. Die Gewerkschaftsführer selbst konnten nicht weiter schweigen: ihr offizielles Statut als Vertreter der Arbeiter beim Staat und gleichzeitig ihr soziales Statut als Linke der herrschenden Klasse waren mit im Spiel. Die Artikel in Revolution et Travail vom September, in denen die wirklichen Forderungen der Arbeiter („Mit unserem Elend wird die Selbstverwaltung gedemütigt“) und die zunehmende Besorgnis der Gewerkschaftsführer („Einverständnis mit den Analysen der Erklärung vom 19. Juni“, aber Anklage gegen die Technokraten und Ökonomen) vermischt waren, sind die genaue Widerspiegelung dieser Situation, bei der eine ganze Reihe von senkrechten oder waagerechten Kämpfen übereinanderliegen.

Die immer plumpere Betonung der „ökonomischen Anarchie“ — die immer mit Selbstverwaltung übersetzt werden soll —, die rechtlichen Maßnahmen gegen den selbstverwalteten Sektor, von denen die Zeitungen weniger sprechen (wie z.B. dass man die selbstverwalteten Betriebe dazu zwingt, die rückständigen Steuern zu bezahlen), und die Rückgabe der „Norcolor“-Fabrik an seinen ehemaligen Besitzer zeigen diesen „Labour“führern, dass sie bald keinen Platz mehr im herrschenden Apparat haben. Schon sind die neuen Bewerber da: „der Sturm auf die Macht der zweideutigen Elemente“, über den Revolution et Travail sich entrüstet, bringt den Rutsch der führenden Klasse nach rechts zum Ausdruck. Technokraten und Militärs können keine anderen Verbündeten haben als die Vertreter der alten traditionellen Bourgeoisie. Zu einer Zeit, wo die Offiziere ähnlich wie in den süd-amerikanischen Armeen zum bürgerlichen Lebensstandard gelangen (jeder kennt deren ohne Zoll und mit 30 % Ermäßigung gekauften BMW-Wagen), folgt eine ganze Herde algerischer Bourgeois dem Pfad des „Norcolor“-Unternehmens und kehrt ins Land zurück, um ihre Güter wiederzuerhalten, die „unter ganz rechtswidrigen Bedingungen von skrupellosen Leuten“ (Boumaza) beschlagnahmt wurden. Zu allen diesen Herausforderungen kommt noch die schnelle Preiserhöhung der Lebensmittel hinzu. Die dieses Prozesses vollkommen bewussten Arbeiter leisten auf der Stelle Widerstand: die wiederholten Streiks der Renault-Werke, im Gütertransport, beim Telefon, der Versicherungsbeamten und die Demonstrationen der nicht bezahlten Milidja-Arbeiter sind die ersten Zeichen einer Bewegung des Zorns, die das ganze gegenwärtige Regime wegfegen kann, wenn sie sich mit Konsequenz behauptet.

Unfähig zur Lösung eines einzigen ihrer Probleme versuchen die Herrschenden durch permanent und bestürzt gehaltene Konferenzen, ständige Folterungen in den Gefängnissen und die Denunziation der „Auflösung der Sitten“ auf die Lage zu reagieren. So greift El Moudjahid (vom 7.12.65) den „erotischen Sentimentalismus einer jungen Generation ohne politisches Engagement“ an, sowie den richtigen Standpunkt all derer, die „versucht haben, eine Religion von sich zu weisen, die als eine Schranke für ihren Hang zum Vergnügen und für eine unter dem einzigen Aspekt der Genussmöglichkeit betrachteten Emanzipation dargestellt wird, und die den Beitrag der arabischen Zivilisation für einen Rückschritt hält.“ In keinem anderen Ton drückt die Macht in Washington und in Moskau ihr Bedauern aus, bekanntgeben zu müssen, dass sie kein Vertrauen mehr in die Jugend haben kann. Einige Monate später wetteifert das neue Regime mit Ben Bella in der lächerlichsten Kundgebung seines Islamismus — dem Alkoholverbot.

Die gegenwärtige Opposition gegen Boumediennes Diktatur ist doppelter Art: auf der einen Seite setzen sich die Arbeiter in den (selbstverwalteten oder nicht selbstverwalteten) Betrieben zur Wehr, sie sind die wirkliche, durch die Tatsachen selbst bedingte Kritik. Auf der anderen Seite versuchen die Ultralinken im FNL-Apparat, wieder einen revolutionären Apparat zu bilden. Erst nach sechs Wochen trat der erste Versuch der von Zahouane geleiteten und von den französischen Stalinisten unterstützten „Organisation des Volkswiderstandes“ (O.R.P.) mit einer inhaltsleeren Erklärung auf, in der die aktuelle Macht genauso wenig analysiert wurde wie die Mittel, ihr entgegenzutreten. Ihr zweiter Aufruf galt der algerischen Polizei, mit deren revolutionärer Unterstützung gerechnet wurde. Das war aber eine falsche Rechnung, da diese Polizei Zahouane schon vor Ende September festgenommen und dessen erste Untergrundorganisation zerschlagen hatte (Harbi selbst war bereits im August festgenommen worden). Die O.R.P setzt ihre Tätigkeit fort, sie bekommt schon Geldspenden „für Ben Bella“ von den algerischen Arbeitern in Frankreich und die Mehrheit der Studentenführer schließt sich ihr an. Der spätere Zusammenschluss des illegalen bzw. emigrierten Apparats mit dem Kampf der algerischen Arbeiter anlässlich der nahen ökonomisch-politischen Krise in Algerien ist das Ziel dieses Apparats. In dieser leninistischen Perspektive will er dann mit oder ohne Ben Bellas Fahne als die Ersatzlösung zur Macht Boumediennes auftreten.

Was wird jedoch die Bildung eines von so vielen Militanten begehrten Apparats bolschewistischen Typs verhindern? Die seit Lenin verflossene Zeit — Lenins Scheitern — und der ununterbrochene und zur Schau gestellte Verfall des Leninismus, dessen unmittelbares Ergebnis es ist, dass diese Ultralinken in allerlei Schattierungen untereinander vermischt und entgegengesetzt sind — Chruschtschow-Breschnewisten, Maoisten, Unter-Togliattisten, reine und halbe Stalinisten, all die trotzkistischen Nuancen usw. Sie werden sich alle weigern (und gezwungen sein, sich zu weigern) das wesentliche Problem der Natur des Sozialismus, d.h. der Klassenmacht — in Russland und in China und folglich auch in Algerien klar zu lösen. Was ihre grundsätzliche Schwäche während des Kampfes um die Macht ausmacht, ist auch die grundsätzliche Garantie für ihre konterrevolutionäre Rolle, wenn sie zur Macht gelangen. Diese Ultralinken werden sich als die Nachfolger der personalisierten politischen Konfusion der vorherigen Periode ausgeben, während der wirkliche Klassenkampf in Algerien diese Periode jetzt abgeschlossen hat. Ihre Bedenken über Ben Bella waren eng mit ihren Bedenken über die Welt (über den Sozialismus) verbunden und sie bestehen nach Ben Bellas Sturz weiter. Sie sagen nicht alles, was sie wissen und sie wissen nicht alles, was sie sagen. Ihre soziale Grundlage und ihre soziale Perspektive bildet dieser bürokratische Sektor, der durch die Verlagerung der Machtbasis benachteiligt wird und seinen Platz wieder erobern will. Da sie einsehen, dass sie nicht mehr darauf hoffen können, die Macht zu beherrschen, wenden sie sich an das Volk, um dessen Opposition zu beherrschen. Ob sehnsüchtige oder Möchtegernbürokraten, wollen sie Boumedienne „das Volk“ entgegensetzen, während Boumedienne den Massen den wirklichen Gegensatz zwischen Staatsbürokraten und Arbeitern bereits gezeigt hat. Das schlimmste Elend ihres Bolschewismus liegt jedoch in diesem auffallenden Unterschied: während die bolschewistische Partei nicht wusste, was für eine bürokratische Macht sie einleiten würde, haben jene diese bürokratische Macht, deren mehr oder weniger gereinigte Wiederherstellung sie wollen, auf der Welt und in ihrem eigenen Land schon sehen können. Bekommen die Massen einmal das Wort, so werden sie nicht diese verbesserte Bürokratie wählen, die sie schon im wesentlichen ausprobiert haben. Die algerischen Intellektuellen, die sich nicht der Macht anschließen, können immer noch zwischen der Teilnahme an diesem Apparat und der Entdeckung einer direkten Verbindung mit der selbständigen Massenbewegung wählen. Aber das ganze Gewicht des algerischen Kleinbürgertums (Kaufleute, kleinere Beamte usw.) wird regelrecht lieber die neue technokratisch-militärische Bürokratie als die bürokratischen Ultralinken unterstützen.

La répression. Et sa division des tâches à l’échelle mondiale
(Ici, Vietnamienne torturée).
« Un jeune communiste de vingt-sept ans, Karel Modzelewski, fils d’un communiste de la vieille garde qui fut le premier ministre des affaires étrangères de la Pologne populaire ... avec quelques autres étudiants marxistes, dont un autre fils de vieux communiste, Jacek Kuron, Modzelewski avait mis au point depuis quelque temps un programme « communiste révolutionnaire », dont l’idée directrice était une critique radicale de la « dictature bureaucratique » mise en place en Pologne et ailleurs par les P.C. traditionnels. Largement inspirée des analyses de Djilas sur la « Nouvelle Classe » et par les critiques de Trotski contre le système stalinien, la plate-forme de ces « néo-marxistes » se veut une synthèse de tout ce qui a été dit et expérimenté un peu partout contre la déformation bureaucratique de la doctrine.
ll s’agit de lutter pour le respect des libertés et contre le parti unique, mais en même temps de dépasser l’imparfaite démocratie bourgeoise pour accéder à une « véritable démocratie ouvrière », établie sur la base d’authentiques conseils ouvriers qui reprendraient à la machine bureaucratique la propriété que celle-ci a en fait usurpée (l’exemple des conseils ouvriers yougoslaves est considéré comme entaché de « technocratie ») ... Toutes ces théories, qui malgré leur caractère parfois utopique, semblent trouver une certaine audience parmi les jeunes intellectuels de la « seconde génération communiste », furent exposées à l’automne par Modzelewski et Kuron dans un manifeste de 128 pages dont seuls quelques privilégiés eurent connaissance, entre autres M. Gomulka lui-même. Car la police, survenue « à temps » se hâta de confisquer ce dangereux manuscrit et de mettre ses auteurs sous les verrous. »
« Un groupe de jeunes gens, pour la plupart étudiants en chimie à l’université ou chercheurs dans des instituts de chimie, accusés d’avoir publié deux numéros d’une revue « libérale » clandestine, ont été condamnés à des peines d’emprisonnement en novembre dernier par un tribunal de Léningrad, apprend-on de bonne source soviétique. L’animateur principal de ce groupe aurait été condamné à sept ans de privation de liberté, et huit de ses complices, dont deux jeunes femmes, à des peines de deux à cinq ans. Les jeunes gens, indique-t-on de même source, avaient monté une véritable « organisation secrète », comptant quelque deux cent cinquante membres, et disposaient d’une imprimerie clandestine pour y publier leur revue. Inspirés par les idées du célèbre révolutionnaire russe du XIX. siècle, Alexandre Herzen — dont le souvenir est révéré en URSS — les jeunes gens prétendaient ne pas s’opposer au principe du communisme, mais à sa forme actuelle dans le pays, et aux séquelles du stalinisme, et réclamer plus de liberté de pensée et de paroles. Ils avaient baptisé leur revue du nom de la publication clandestine éditée à Londres et mise en circulation par Herzen en dépit des interdits de la police tzariste, Kolokol (la Cloche). »
Le Monde (26-5-65 et 4—1-66).

In Algerien und überall führt der einzige Weg zum Sozialismus über „einen Verteidigungs- und Angriffspakt mit der Wahrheit“ gemäß dem Ausdruck eines ungarischen Intellektuellen von 1956. Dort, wo die Adresse der S.I. gelesen werden konnte, ist sie verstanden worden. Dort, wo die praktischen revolutionären Bedingungen vorhanden sind, ist keine Theorie zu schwierig. Villiers de l’Isle-Adam, ein Zeuge der Pariser Kommune, bemerkte z.B.: „Zum ersten Mal kann man Arbeiter hören, die ihre Meinung über Probleme austauschen, die bisher nur von Philosophen erörtert wurden“. Die Verwirklichung der Philosophie, die Kritik und der freie Wiederaufbau aller durch das entfremdete gesellschaftliche Leben aufgezwungenen Werte und Verhaltensweisen — gerade das ist das maximale Programm der verallgemeinerten Selbstverwaltung. Dagegen sagen uns ultralinke Militante, dass diese Thesen zwar richtig seien, dass man aber den Massen noch nicht alles sagen könne. Diejenigen, die in einer solchen Perspektive denken, sehen den Zeitpunkt nie gekommen und sie arbeiten praktisch daran, dass er nie kommt. Den Massen muss man sagen, was sie tun. Die spezialisierten Denker der Revolution sind Spezialisten ihres falschen Bewusstseins, und diejenigen, die dann einsehen, dass sie etwas ganz anderes getan haben, als sie tun wollten. Dieses Problem wird durch die den unterentwickelten Ländern eigenen Schwierigkeiten und die ständige theoretische Schwäche der algerischen Bewegung noch verstärkt. Die eigentliche bürokratische Randschicht ist in der gegenwärtigen Opposition winzig, durch ihr bloßes Vorhandensein aber als eine „Berufsführung“ bildet sie eine Form, deren Gewicht sich durchsetzt und den Inhalt bestimmt. Die politische Entfremdung ist immer mit dem Staat verbunden. Die Selbstverwaltung hat von den auferstandenen Bolschewisten nichts zu erwarten.

Pour le rembarquement du corps expéditionnaire américain au Vietnam
Les étudiants « Zengakuren » et l’organisation qui exprime leur programme politique, la Ligue Communiste-Révolutionnaire du Japon, sont les premiers dans le monde à pouvoir mener une lutte de masse, dans la rue, contre la répression américaine au Vietnam, tout en rejetant radicalement les illusions et les compromis vis-à-vis des bureaucraties régnantes à Moscou, Pékin et Hanoï.

Die Selbstverwaltung muss zugleich Mittel und Zweck des gegenwärtigen Kampfes sein. Sie ist nicht nur der Einsatz des Kampfes, sondern auch seine angemessene Form. Sie ist ihr eigenes Werkzeug. Sie ist ihre eigene Materie, die sie bearbeitet, und ihre eigene Voraussetzung. Sie muss ihre eigene Wahrheit total anerkennen. Die Staatsmacht formuliert das widersprüchliche und lächerliche Projekt, „die Selbstverwaltung zu reorganisieren“ — praktisch aber muss die Selbstverwaltung sich als Macht organisieren oder verschwinden.

L’I.S. au Japon
(« Les situationnistes et les nouvelles formes d’action dans la politique et l’art », réédité en brochure par la Ligue Communiste-Révolutionnaire).

Die Selbstverwaltung ist die modernste und wichtigste im Kampf der algerischen Bewegung aufgetretene Tendenz und sie ist auch das, was am wenigsten auf Algerien beschränkt ist. Sie hat eine allgemeine Bedeutung. Im Gegensatz zur jugoslawischen Karikatur, der Boumedienne sich anschließen will und die nur ein halb dezentralisiertes Instrument der Staatskontrolle ist („Wir müssen“, gesteht Boumedienne wörtlich, in Le Monde vom 10. November 1965, „dezentralisieren, um die selbstverwalteten Betriebe besser kontrollieren zu können“) und eine untere Ebene der Zentralverwaltung; im Gegensatz zu Proudhons „Mutualismus“ von 1848, der danach strebte, sich am Rand des Privateigentums zu organisieren, kann die wirkliche, revolutionäre Selbstverwaltung nur dadurch errungen werden, dass die vorhandenen Eigentumstitel mit Waffengewalt abgeschafft werden. Ihr Scheitern in Turin 1920 leitete die bewaffnete Herrschaft des Faschismus ein. Die Grundlagen einer selbstverwalteten Produktion in Algerien haben sich dort spontan gebildet, sowie 1936 in Spanien und 1871 in Paris in den von den Versailles-Leuten verlassenen Werkstätten, wo die Besitzer nach ihrer politischen Niederlage das Feld hatten räumen müssen: in den freien Gütern. Es ist die freie Zeit des Eigentums und der Unterdrückung, der Sonntag des entfremdeten Lebens.

Wegen ihres bloßen Vorhandenseins bedroht die Selbstverwaltung jede hierarchische Gesellschaftsorganisation. Sie muss jede äußerliche Kontrolle zerstören, da alle äußerlichen Kontrollkräfte niemals Frieden mit ihr als lebendiger Wirklichkeit schließen werden, sondern höchstens mit ihrem Namen und ihrer einbalsamierten Leiche. Dort, wo die Selbstverwaltung ist, können weder Armee, Polizei noch Staat sein.

Die „die ganze Produktion und alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens umfassende“ generalisierte Selbstverwaltung setzt nicht nur der Arbeitslosigkeit von 2 Millionen Algeriern ein Ende, sondern auch allen Aspekten der alten Gesellschaft, sie bedeutet die Abschaffung aller ihrer materiellen und geistigen Knechtschaft und die Beseitigung ihrer Herren. Der jetzige Entwurf einer Selbstverwaltung kann nur deshalb von oben kontrolliert werden, weil er es duldet, die zahlreichen Arbeiterschichten, die nicht an ihm teilnehmen, bzw. die Arbeitslosen auszuschließen; weiter, weil er in seinen eigenen Betrieben die Bildung von herrschenden Schichten von „Direktoren“ bzw. Verwaltungsleuten duldet, die aus der Basis hervorkommen oder durch die Staatsmacht abgeordnet worden sind. Die Direktoren sind die Staatsviren innerhalb dessen, was dazu tendiert; den Staat zu verneinen, sie sind ein Kompromiss; aber die Zeit des Kompromisses ist vorbei, sowohl für die Staatsmacht als auch für die wirkliche Macht der algerischen Arbeiter.

Die radikale Selbstverwaltung, die einzige, die fortbestehen und siegen kann, lehnt jede Hierarchie innerhalb und außerhalb von ihr ab; sie weist durch ihre Praxis ebenfalls jede hierarchische Trennung der Frauen von sich — eine versklavende Trennung, die sowohl von Proudhons Theorie als auch von der rückständigen Wirklichkeit des islamischen Algeriens mit Nachdruck anerkannt wird. Die Verwaltungskomitees, sowie jeder Delegierte in Föderationen selbstverwalteter Betriebe müssen zu jeder Zeit durch die Basis widerrufen werden können, wobei diese Basis selbstverständlich alle Arbeiter ohne Unterschied zwischen permanenten und saisonbedingten Arbeitern umfasst.

Das einzige Programm der algerischen sozialistischen Elemente ist die Verteidigung des selbstverwalteten Sektors — und zwar nicht nur, wie er ist, sondern wie er werden soll. Diese Verteidigung muss also der von der Macht durchgeführten Säuberung eine andere Säuberung der Selbstverwaltung entgegensetzen — die Säuberung durch die Basis gegen das, was sie von innen her verneint. Allein von der erhaltenen und radikalisierten Selbstverwaltung kann der revolutionäre Ansturm gegen das vorhandene Regime ausgehen. Indem man das Programm einer quantitativ und qualitativ verstärkten Arbeiterselbstverwaltung vorschlägt, fordert man von allen Arbeitern, die Sache der Selbstverwaltung als ihre eigene Sache direkt in ihre Hände zu nehmen. Indem sie nicht nur die Verteidigung, sondern die Ausdehnung der Selbstverwaltung, die Auflösung jeder, nicht zur Selbstverwaltung gehörigen spezialisierten Tätigkeit verlangen, können die algerischen Revolutionäre zeigen, dass diese Verteidigung nicht die Angelegenheit der einzigen Arbeiter des provisorisch selbstverwalteten Sektors ist, sondern die aller Arbeiter als die einzige Art und Weise, sich endgültig zu befreien. Damit zeigen sie, dass sie für die allgemeine Befreiung kämpfen und nicht für die eigene Herrschaft als Revolutionsspezialisten; dass der Sieg „ihrer Partei“ ebenfalls ihr Ende als Partei sein soll.

Als ersten Schritt muss man die Verbindung der Delegierten der Selbstverwaltung untereinander ins Auge fassen, sowie die mit Betriebskomitees, die die Selbstverwaltung im privaten und staatlichen Sektor vorbereiten; alle Informationen über die Kämpfe der Arbeiter und über die in ihnen zutagegetretenen Formen der selbständigen Organisation verbreiten und veröffentlichen und diese als einzigen Weg zu einer tiefen Kritik erweitern und verallgemeinern. Gleichzeitig muss durch dieselben geheimen Verbindungen und Veröffentlichungen die Theorie der Selbstverwaltung und ihrer Forderungen im selbstverwalteten Sektor selbst und vor den Massen Algeriens und der ganzen Welt entwickelt werden. Die Selbstverwaltung muss zur einzigen Lösung für die Geheimnisse der Macht in Algerien werden und sie muss wissen, dass sie diese Lösung ist.

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Ich/Wir ermächtige/ermächtigen Context XXI – Verein für Kommunikation und Information, Zahlungen meiner/unserer Mitgliedsbeiträge von meinem/unserem Konto mittels SEPA-Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich/weisen wir mein/unser Kreditinstitut an, die von Context XXI – Verein für Kommunikation und Information auf mein/unser Konto gezogenen SEPA–Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Zahlungsart: wiederkehrende Lastschrift (Recurrent)

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Erstveröffentlichung im FORVM:
März
1966
Numéro 10, Seite 12
Autor/inn/en:

Pierre Gallissaires:

Geboren 1932 in Talence (Gironde). Übersetzer und Mitgründer der Edition Nautilus in Hamburg.

Hanna Mittelstädt:

Geboren 1951 in Hamburg. Autorin und Übersetzerin, Mitgründerin der Edition Nautilus in Hamburg.

Situationistische Internationale: Situationistisch / Situationist: All das, was sich auf die Theorie oder auf die praktische Tätigkeit von Situationen bezieht. Derjenige, der sich damit beschäftigt, Situationen zu konstruieren. Mitglied der situationistischen Internationale.
Situationismus: Sinnloses Wort, missbräuchlich durch Ableitung des vorigen gebildet. Einen Situationismus gibt es nicht — was eine Doktrin zur Interpretation der vorhandenen Tatsachen bedeuten würde. Selbstverständlich haben sich die Anti-Situationisten den Begriff „Situationismus“ ausgedacht.

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