Zeitschriften » FŒHN » Heft 18
Markus Wilhelm

Der Apparat

Was ist ein Schmarotzer? Ein Schmarotzer ist, wer von andrer Leute Arbeit lebt. Die Industriellen sind (also) Schmarotzer. Nebst dem, was ein jeder von ihnen an Villen, Limousinen, Privatflugzeugen an sich bringt, raffen sie zusammen österreichweit pro Jahr um die 500 Millionen Schilling für ihren Verein, die VÖI, an sich. So wenig die Hunde für die Hundesteuer aufkommen, so wenig die Unternehmer für die Unternehmersteuern und die Mitgliedsbeiträge an die Industriellenvereinigung. Die jahraus jahrein am Betonrüttler der Porr AG stehen, sind’s, und die Preiselbeersiederinnen bei Unterweger, die den Luxus der Herren Industriellen und den kollossalen Apparat des Vereins finanzieren.
Ein Drittel dieser Beute geht, wie in diesem Heft gezeigt wird, gewiß in Gagen für Wahlshows auf. Natürlich kostet auch das Geschmeidigmachen der Presse, der Exekutive, der Finanz usw. die eine oder andere Million, oder auch die eine und die andere. Dazu aber haben sich diese Brüder sozusagen einen Staat im Staate aufgebaut mit zahllosen Organisationen und sogar einer in allen Sparten besetzten Schatten-Regierung. Die Macht, die von den Industriellen verübt wird, geht von einer starken Organisation aus. Während die VÖI maßgebend beteiligt ist am Institut für angewandte Sozial- und Wirtschaftsforschung, am Institut für Bildung und Wirtschaft, an der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Schule oder an den Volkswirtschaftlichen Gesellschaften, gehören ihr z.B. das Institut für Wirtschaft und Politik, das Bildungswerk der Industrie, das Managementinstitut der Industrie, das Spracheninstitut der Industrie und das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft ganz. An Untervereinen hat die Industriellenvereinigung u.a einen Verein Junge Industrie, einen Verein Gruppe 1031 und einen Verein Wirtschaftsforum der Führungskräfte. Der Meinungsmache dient neben ihrer Österreichischen Politischen Korrespondenz der Pressedienst der Industrie, der über die Austria Presse Agentur alle wesentlichen Redaktionsstuben in Österreich erreicht. Zu ihrem Buch- und Zeitschriftenverlag Austria Press hält sich die VÖI den Signum Verlag, der Zeitschriften wie Die Industrie (für die Industriellen), die Industrie-Zeitung (für deren Buggler), das Wirtschaftsmagazin Thema oder die Politischen Perspektiven des ÖVP-Akademikerbundes herausgibt und neuerdings vor allem EG-Propaganda-Bücher verlegt. Das ist nicht alles, was sie tun. Aber alles, was sie tun, tun sie mit dem Geld anderer. Die Lohnarbeiter in den Perlmoser Zementwerken und in den Tiroler Röhrenwerken haben keine Zeitung und keinen Verlag und kein Institut und kein gar nichts.
Das ist so wie mit den ungesunden Amalgamplomben, die du im Mund hast, während der Krankenkassenbonze, den du mit deinen Beiträgen erhältst, die teuren, aber gesünderen goldenen Kronen auf seinen Zähnen sitzen hat.
Wie gesagt, im Haus der Industrie, einem Jahrhundertwendepalast am Wiener Schwarzenbergplatz, sind für alle wichtigen Sachgebiete (Finanz- und Steuerpolitik, Handels- und internationale Währungspolitik, Sozialpolitik Bildungspolitik usw.), Ministerien gleich, Abteilungen eingerichtet, die zusammen eine vollständige andere Regierung ergeben. Hie und da tritt einer sogar aus diesem Schatten-Kabinett heraus und wie z.B. Günter Stummvoll oder Heinrich Neisser oder Johannes Ditz für einige Zeit ins offizielle Regierungskabinett über. Aber notwendig für die Durchsetzung der Interessen der Industriellenvereinigung ist es nicht. Diese verhungerte Demokratie hat der Macht des Geldes nichts an. Sie ist vielmehr — ganz wie sie ist — ein Instrument zur ständigen Mehrung dieser Macht.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1993
Heft 18, Seite 29
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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