Zeitschriften » Grundrisse » Jahrgang 2009 » Nummer 30
Redebeitrag von autonomen Feministinnen und Lesben, FrauenLesbenBlock bei der Demo am 28.März:

Das kapitalistische Patriarchat serviert der Öffentlichkeit seine finstere Krise, und diese Krise betrachten wir als öffentliche Bankrotterklärung eines menschenverachtenden Systems

Jene Elemente, die immer reicher und reicher werden wollten und dabei über Leichen gehen, sie stehen nun an. Ihr System droht völlig zusammen zu brechen. Und sie schreien um Hilfe.

Die Staatssäckel werden angezapft – um den schlimmsten Crash zu verhindern.

Dabei wird gar nicht erst gefragt – wie es in einer so genannten demokratischen Gesellschaft der Fall sein sollte. Es wird in den Sack gegriffen und herausgeholt was nur geht. Für Waffen und für ihre Reparaturen in diesem Krieg der Reichen gegen den Rest der Welt, da wird die Kohle Aller locker gemacht, ohne viel Umschweife. Doppelter Raub. So etwas nennen wir Macht.

Wer glaubt das Führungskräfte gut führen können, glaubt das Zitronenfalter Zitronen falten. (Zitat von einer Pinnwand in einer FrauenWG)

Die Massen wissen, dass auf sie nichts Gutes zukommen wird. Sie sind erpressbar, sie fürchten um ihre Lohnarbeitsplätze und um ihre Existenz. Zu Recht.

Welche Antworten haben wir als Feministinnen auf diese Zustände? Seit 40 Jahren existiert weltweit ein radikaler Feminismus von Lesben und Frauen, der die Gesellschaften mehr als 1 mal analysiert und durchleuchtet hat. Wir wissen längst, wie viele Gesichter der Sexismus hat und wie Sexismus in die Leben aller Frauen eingreift oder sie zerstören will. Als Feministinnen stehen wir dazu im permanenten, tagtäglichen Widerstand. Wir leben in einem Bewusstsein und Selbstverständnis, das sich nicht in die inzwischen auch von Staat und der Europa-Politik proklamierten Lippenbekenntnisse eines Gleichheits-Feminismus einverleiben lässt. Auf Kosten anderer zu leben, das ist nicht unser Ziel. Das Gequatsche von der „Partnerschaft“ und das Gerede vom Managen von Beruf und Familie – also die kollektive Ausbeutung als Frauen besser ertragen zu können - wir haben diesen Mainstream-Feminismus-Brei mehr als satt. Burn out. Es brennt!

Was nun schnell klar zu sehen sein wird ist Aufstandsbekämpfung und Vertröstung oder praktizierte Vergatterung aller Frauen für „bessere Zeiten“.

Aber auch die „Linke“ glaubt offenbar bis heute, dass der sexistische, hetero Normalzustand mit kleinen Korrekturen - wie einer zu schaffenden öffentlichen Kinderbetreuung, oder einem weiblichen Vorstand auf bestimmte Zeit - aufrecht erhalten werden soll. Für uns FrauenLesben hat dies fatale Konsequenzen, es geht überhaupt nichts weiter. Schon gar nicht in der „Krise“ und schon gar nicht, so lange eine sich links nennende Opposition Feministinnen nach wie vor als SEPARATISTINNEN oder gar Spalterinnen betrachtet und genau so handelt. Schaut Euch Eure Aufrufe an, und schaut Euch an, wie und wo ihr über die Unterdrückung von Frauen redet! Und dann schaut Euch mal genau an, wie ihr in der Praxis mit Eurem Wissen darüber, dass Frauen durch Patriarchat und Kapitalismus ausgebeutet und unterdrück werden, umgeht. Uns ist das zu wenig, was ihr tut und denkt, ihr Herren! Da bewegt sich gar nichts, obwohl wohl allen klar ist, dass den Frauen mindestens die Hälfte des Kuchens zusteht. Und hier ist auch von Eurer Seite keinerlei Bestrebung zur Umverteilung zu bemerken. Wir wissen genau, dass alle Männer von unserer Ausbeutung und Benachteiligung nur zu gut profitieren – im Alltag und als Unternehmer.

Eines ist klar: Frauen sind längst Familien-Ernährerinnen statt sogenannter DAZU-Zuverdienerinnen. Die Frau als „Dazuverdienerin“ war immer schon ein patrarchaler Schmäh. Gleichzeitig werden wir aus Jobs ausgegrenzt. Bildung hin oder her. Der männliche Working-Class-Hero wird in Krisenzeiten gerne zum Klassenfeind der Frauen.

Die Macht, Besitz und Produktionsmittel sind nach wie vor fest in Männerhand.

Jetzt trifft die Krise erst mal die Industriearbeitsplätze, vor allem in der Autobranche und den Zulieferfirmen. Um Profite und hohe Managergehälter zu erhalten, ist für die – meist männlichen – Arbeiter Kurzarbeit angesagt. Diese Form der Arbeit heißt für die Arbeiterinnen Teilzeitarbeit und ist schon lange Realität für viele weibliche Erwerbstätige, eine Realität von der viele nur schwer eigenständig leben können. Und Teilzeitarbeitsplätze werden in Zukunft nicht gekürzt, sondern ganz gestrichen.

Im Sektor der Schaffung von „Lebensqualität“, oder auch DER Versorgungsökonomie – wie es feministische Ökonominnen nennen - sind die Frauen eingeteilt. Und dort wird es künftig Jobs geben, als sogenannte „Leichtlohngruppe“, ausbeuterisch und vielleicht sogar zwangsverordnet, oder eben unbezahlt. Unsere Bildung/Ausbildung ist da völlig wurscht.

Alle Frauen werden an die bezahlte und an die unbezahlte Arbeit als Dienst-Mägde geschickt. Unter diesen Umständen ist die Gewalt gegen Frauen und Mädchen schon inbegriffen.

Aber Euch und Uns FrauenLesben und Mädchen sagen wir deshalb:

Wir haben immer noch und immer wieder die Lust an Gemeinsamkeit, daran, dass wir uns gemeinsam organisieren, denn nur dieses gemeinsame Handeln von Frauen wird zu Veränderungen führen.

Die Vereinzelung der FrauenLesbenMädchen im patriarchalen, hetero Kontext mit all seinen Zurichtungen führt zu Ohnmacht und Elend! Das Private ist hoch Politisches!

Wir sagen: Ja, der radikale Feminismus rüttelt an den Grundfesten des patriarchalen Normalzustandes und enthält revolutionären Sprengstoff.

Die Marginalisierung der Klasse Frau muss von uns gemeinsam beseitigt werden, da gibt es kein Warten. Wir sind nicht willig, billig und geduldig – mir san haaß!

Wir sind keine Handlangerinnen der Ausbeuter – wir sind frei und wild!

Auf unserem Rücken wird diese Krise aller Krisen nicht saniert werden – dafür können wir sorgen.

Wir halten zusammen, wir sind störrisch und entschieden auf UNSERER Seite.

Wir bezahlen nicht und wir lassen uns nicht hin- und herschieben: wir haben die Schnauze voll!

Wir sind clever, wir sind stark und wir sind viele! Und wer von den Herren und Genossen es nicht glaubt, der zahlt mehr als einen Taler! Frauen Lesben Mädchen! Wir werden unbequem, gegen dieses Scheißsystem!

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
2009
Nummer 30, Seite 13
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