Zeitschriften » Wurzelwerk » Jahrgang 1981 » Wurzelwerk 4
Robert Weninger
Edition

Brief der Herausgeber

Schwere Zeiten liegen vor uns. Zu offenkundig sind Symptome und Signale geworden, als daß wir vor der Realität die Augen verschließen könnten. Die vielzitierten Grenzen des Wachstums sind die Grenzen der Umwelt, die Beschränktheit der darin enthaltenen Rohstoffe und Energien. Auch verstärkte Innovation, kreativster Erfindungsgeist kann sich über die durchaus ökonomische Tatsache nicht hinwegsetzen: das perpetuum mobile gibt es nicht.

Reagans Radikalkur (oder die der Multis) treibt einer gefährlichen Krise zu. Der Feuerwehr Kreisky geht allmählich das Wasser aus. Dem Bürger das Geld. Daneben brodeln weltweit die Pulverfässer militärischer Versuchsfelder. Die Giftfässer nehmen auch überhand. Eine fürwahr strahlende Zukunft ... Der Importdruck der Wirtschaftsgiganten Japan und U.S.A läßt dem kleinen Österreich gar keine Wahl. Den technologischen Vorsprung aufholen zu wollen wäre vermessen, wiewohl es alternative, energiesparende und umweltschonende Know-Hows unbedingt mehr zu fördern gilt.

Viele Länder der dritten und vierten Welt beginnen sich ein Beispiel an Österreich zu nehmen. Blickwinkel: kleines Land verzichtet auf die Kernkraft und lebt trotzdem in Wohlstand. Freilich, hinter die Kulissen der weinseligen Insel sehen sie nicht. So manches, was uns wehtut, bleibt ihnen verborgen.

Trotzdem könnten wir tatsächlich beispielgebend sein, wie man mit dem Allgemeingut Natur und Landschaft sowie der Fruchtbarkeit des Bodens umzugehen hätte. Österreich verfügt über viel Naturgegebenes. Eine abwechslungsreiche und nährstoffreiche Gegend mit viel Wasserkraft, Holz zuhauf, großer Erholungswert. Nicht zufällig unsere allgemein bäuerlichen Wurzeln und der hohe Ertrag aus dem Fremdenverkehr.

Doch nicht die Seilbahn und das Appartementhotel sind das Fundament, sondern die schier unerschöpfliche Vielfalt der Natur in ihrer ursprünglichen Belassenheit.

Mehr(wegwerf)produktion, Kahlschläge, Verpackung und Kosmetik, Zentralismus pflegeleicht vollgeklärt ist passé.

Das Gesundheitswesen, primär von Anlage und Vererbung wie auch von Umweltfaktoren bestimmt, gibt Anlaß zu steigender Sorge. Mehr Unfälle und Krankheiten, horrende Mehrkosten. Auch hier höhlt der Aufwand, auf technisch-chemische Reparatur ausgerichtet, die Substanz aus. Der Geist bleibt unbedarft in Angst und Fatalismus. Den „Mehrwert“ des AKH zahlen alle Bürger dieses Landes die nächsten hundert Jahre. Der Sand und Schotter dazu wäre besser im Boden geblieben. Dort hat er Filterwirkung.

Sparen, sich bescheiden, etwas nicht tun, an etwas nicht (mit)verdienen sind ungeliebte Alternativen. Es muß aber durchaus nicht unangenehm sein. Ökologischer Vorausblick kann uns schmerzhafte Gesundungsprozesse und viel überflüssige Arbeit ersparen (es könnten auch viel schlimmer kommen).

WURZELWERK No. 4 versucht die Säulen menschlicher Existenz — Landbau, Ernährung und Gesundheit — ein wenig zu durchfurchen, ohne dabei ökonomische Aspekte zu vernachlässigen.

Die organisierte, aber nicht unbedingt organische Spaltung in Konsumenten und Produzenten, in Arbeitnehmer und -geber wäre abbaubedürftig. So mancher Mitverdienst wäre überflüssig, so manche Mitbestimmung dringend erforderlich. Das Einkommen der Mehrheit bäuerlicher Bevölkerung steht in keiner Relation zum Endpreis der meisten Lebensmittel. Die Quote an Zukaufdünge- und Betriebsmitteln, ebenso importiert wie zahlreiche Futtermittel, wie Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel, ist zwar vielleicht Mittel zum Zweck, sicher aber nicht zu dem, unser Land unabhängig oder gesund zu machen. Die Flucht darbender ländlicher Gemeinden in den vollmechanisierten Fremdenverkehr, aber auch so manche „Betriebsansiedelungspolitik“ könnte sie noch teuer zu stehen kommen. Mehr als die Hälfte unserer Bauern sind schon in den Nebenerwerb abgedrängt und im (meist industriellen) Haupterwerb mit Vorrang kündigungsbedroht. Entwurzelt in eine zerstörte Landschaft? An den Wurzeln werken, um Früchte zu ernten? Vielleicht findet der Interessierte in dieser Ausgabe ein paar Antworten auf die vielen Fragen, die in letzter Zeit auf uns zugekommen sind.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
September
1981
Wurzelwerk 4, Seite 3
Autor/inn/en:

Robert Weninger: Robert Weninger war von 1981 bis 1985 Herausgeber der Zeitschrift „Wurzelwerk“.

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