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Robert Weninger

Brief der Herausgeber

Mehr als eıneinnaib Jahre habe ich mich mit einer Sache hundertprozentig identifiziert, die mittlerweile — zumindest in einschlägigen Kreisen — zum Begriff geworden ist: die „Wiener Neustädter Initiative“, offiziell „Verein zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts“, kurz WNI genannt, ist nicht durch Zufall entstanden. Wie WURZELWERK ist auch sie ein Kind unseres exponierten Hauses. Als wir vor fast drei Jahren großstadtflüchtig zu den großelterlichen Wurzeln zurückkehrten, träumten wir von der ländlichen Idylle. Das südliche Wiener Becken ist ein Notstandsgebiet der Natur. Als Publizist fühlte ich mich bald veranlaßt, drängende Probleme zu artikulieren. Das einzige aufgeschlossene Lokal-Medium waren die „Wr. Neustädter Nachrichten“. Folgerichtig wurde KP-Mandatar und WNN-Chefredakteur mein Stellvertreter als Obmann der aufbrechenden Umweltschutzbewegung. Die Erfahrungen mit den Massenmedien waren nicht immer beglückend. Wenn Zeit, Raum und Relevanz zur Diskussion stehen, während es ums Trinkwasser für eine halbe Million Menschen geht, kann man schon die Nerven verlieren.

Der Wunsch nach einem Forum, in dem man Ansicht und Standpunkt unverändert, ungekürzt, und zum geeigneten Zeitpunkt zum Ausdruck bringt, war naheliegend. Wir entwarfen also drei WNI-Arbeitskreise, von denen einer immer noch im Argen liegt (AUFTAU/Kultur), während WURZELWERK und „NÄHRWERT STATT MEHRWERT“ immer gröBere Kreise ziehen.

Der Wunsch etablierter, „verantwortlicher“ Hoheiten, die aufkeimende Kritik zu dämpfen, war auch naheliegend. Die Methode verdient Aufmerksamkeit. Gibt es doch schon seit geraumer Zeit ein „Salzburger Programm“ der SPÖ, das den geeigneten Umgang mit „unbequemen“ Initiativen lehrt. Was die beiden linken Chefideologen Gehmacher und Nenning da verfaßt haben, ist praktikabel. Moralisch wertvoll ist es nicht, Gefolgsleute einzuschleusen, die den selektiven Konsens suchen, Motto: Bist du brav, sagst du ja, dann darfst du rein; muckst du aber auf, heißt es nein. Doch wer Zwietracht sät, wird Unfrieden ernten. Freilich wird die Sache insgesamt bedenklich, wenn offizielle Verharmlasungs-Statements unreflektiert an die Medien weitergegeben werden, die dann interessanterweise prompt berichten. Dafür haben wir wirklich nicht eineinhalb Jahre mehr Geld investiert, als wir in dieser Zeit verdient haben. Wie die Fakten liegen, erläutert der Bericht über die Berger-Affäre auf den folgenden Seiten.

Auch die ÖVP stellte eine Zeitlang Neutralisierungsversuche an. Sie hatten wenigstens Niveau. Das Wr. Neustädter Rathaus weiß, wie man mit Initiativen umgeht. Hoch ist freilich nur der Mut.

Meine Nachfolge als WNI-Obmann tritt Dr. Gerhard Schebach an. Erich Sameck bleibt Stellvertreter. Josef Brodträger ist weiterhin als Kassier um gute Kontakte bemüht. Das Konto ziert bei der Vorstandsumbildung ein zartes Guthaben. Damit das so bleibt, wurden mit Karl Kreska und Harald Schebach zwei Rechnungsprüfer installiert. Andreas Prandstätter, Motor des „Nährwert“-Arbeitskreises, bleibt Schriftführer, ebenso wie Prok. Franz Glaser auch in Zukunft als Kassierstellvertreter walten wird. Die stellvertretende Schriftführung übernimmt WNN-„Zangerl“ Maria Schicker.

Es wird den neuen Vorstand alle Kraft kosten, die Sache der Umwelt konkret und konsequent voranzutreiben. Diskutieren, Polemisieren, Abwarten, das kann vielleicht Sache einer nur periodisch erscheinenden Zeitschrift sein (die WURZELWERK-Redaktion ist allerdings von ungeduldigen Exponenten der jungen Generation durchsetzt), niemals aber einer Bürgerinitiative. Vereinsmeierei oder kämpferische Bewegung sollte keine Frage sein. Die Zeit drängt, die Natur hat nur den Menschen als Anwalt. Und nachdem sie nicht schreien kann, muß er es tun. Laut und immer wieder. Wer dazu schweigt, resigniert, er duldet stumm die Zerstörung der eigenen Lebensgrundlage.

Auch wenn der Schnee die Blößen der Landschaft, die Narben und Wunden, die wir ihr geschlagen, dürftig bedeckt friert nicht ein, Freunde.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1981
Wurzelwerk 6, Seite 5
Autor/inn/en:

Robert Weninger: Robert Weninger war von 1981 bis 1985 Herausgeber der Zeitschrift „Wurzelwerk“.

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