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Alexander Hasgall

Braune Brause fürs Volk

Mecca-Cola wurde zum neuen Lifestylegetränk urbaner Gutmenschen. Dass es aber dessen Entwicklern zuletzt um die immer wieder behauptete Unterstützung palästinensischer Kinder geht belegt folgender Bericht.

Wer zwecks Kauf neuer Bluejeans einen Laden der Lifestylekette «Speed Company», welche in über einem Dutzend schweizer Städte vertreten ist, betreten will, der staunt nicht schlecht. Umrahmt von Schaufensterpuppen mit den neuesten «miss sixty» Tops und «Diesel» Jeans, nimmt man – unter einer grossen Peace-Fahne – die Aufforderung «trink engagiert» wahr, sieht man schön ausgeschmückt PET-Flaschen mit der Aufschrift «Mecca-Cola» und liest – schaut man genauer hin – die Bitte, man solle besagtes Getränk nicht mit Alkohol trinken. Doch kein religiöses Erweckungserlebnis brachte den Geschäftsführer auf die Bahnen islamischer Tugend. Die Symbole «westlicher Dekadenz und Unmoral», die String-Tangas und Jeansjäckchen sind geblieben, doch sie verlocken gemeinsam mit Koranversen und der Al-Aksa-Moschee.

Geht man verwirrt weiter, beispielsweise in die Kneipe des Zürcher Studiokinos «Xenix» der nächste Schreck. Bei der Bestellung einer Coca-Cola, erntet man zuerst ein säuerliches «Haben wir nicht!», gefolgt von einem «aber Mecca-Cola, das kannst du haben!». Dabei zeichnet sich ein schelmisches Grinsen auf dem Gesicht des Barkeepers ab, als wäre er ein Schuljunge, der gerade seiner Lehrerin einen Frosch in die Aktentasche gepackt hat.

Bei so viel Schalk fragt man nicht gerne nach, und so wusste keiner der angefragten Verkäufer, wer Mecca Cola herstellt, und welche Projekte man mit dem engagierten Trinken unterstützt. Dabei gibt es bezüglich Mecca-Cola einiges zu entdecken, was nicht unbedingt auf Frieden und Menschlichkeit hinweist, sondern auf antizionistische Hetze und islamischen Fundamentalismus.

Mathlouthis Imperium

«Erfinder» von Mecca Cola ist der Franco – Tunesier Taoufik Mathlouthi. Nachdem Mathlouthi von der iranischen «ZamZam-Cola» – seit Jahren im Heimatland ein Verkaufsschlager – keine Vertriebslizenz erhalten hat, entschied er sich, die antiamerikanische Welle anderweitig auszunutzen und den Weltkonzern aus Atlanta mittels eines eigenen Getränks das Fürchten zu lehren. Der Name war schnell gefunden: Mecca sollte für den Erfolg am Markt bürgen. Der heilige Ort der Muslime konnte gleichzeitig als Label und Programm dienen. Diejenigen, denen der Markenname doch allzu religiös klingt, beruhigt Mathlouthi damit, dass «Mecca» auch der Name eines nordamerikanischen Indianerstammes sei, der von weissen Einwanderern vernichtet wurde. [1]

Man könnte annehmen, hier wolle ein kleiner Geschäftsmann Profit aus der weltweiten antiamerikanischen Welle ziehen. Doch weit gefehlt, für Mathlouthi ist Mecca-Cola kein (profitabler) Jux, sondern ein «act of protest against the American politics and also against the crimes of Zionism.» Solcherlei Protest bewegt Mathlouthi schon seit Kinderjahren. Nach eigenen Angaben setzt er sich seit seinem 11. Lebensjahr für die palästinensische Sache ein. Damals ging er noch von Tür zu Tür, um für den «Befreiungskampf» seiner palästinensischen Brüder und Schwestern. Heute ist er stolzer Besitzer eines Radiosenders, fungiert als Gründer der Partei «France Plurielle», sowie der Organsation ONACRAM (Organisation Nationale Contre le Racisme et l’Antisémitisme à l’égard des Arabes et des Musulmans). Ausserdem treibt er verbissen die Gründung eines eigenen TV-Senders (TV Liberté) voran .

Dass sich die ONACRAM auf die Bekämpfung des «Antisemitismus (!) gegen Araber und Muslime» beschränkt, liegt auch im Interesse ihres Gründers. Ansonsten müsste sich besagte Organisation erst einmal mit des Gründers Hausmedien beschäftigen. Radio Méditerranée, Mathlouthis Haussender, erreicht aus Paris hauptsächlich die in Frankreich lebenden Muslime, welche er mit Musik und Information – beziehungsweise mit dem, was Mathluthi unter Information versteht – versorgt. Solche dient meistens der «Sache Palästinas». Gemäss Berichten des französischen Magazins «Le nouvel observateur» [2] bezeichnet Mathlouthi in seinem Sender Mordattentate islamistischer Terroristen in Israel als «incident» (Zwischenfall), bei dem der «Selbsmordattentäter und dessen Mut den Respekt der Gesamtheit der Moslems weltweit verdienen.» Israel spricht er nicht einmal terminologisch eine Existenzberechtigung zu, viel lieber spricht er von der «entité sioniste promise à disparaître» (zionistische Einheit die verschwinden wird), die Sozialistische Partei Frankreichs bezeichnet er als «Partie sioniste» und den Fall des ehemaligen Premierministers Jospin als «Niederlage für die jüdische Lobby.»

So bildet also antizionistische Hetze die Geschäftsgrundlage Mathlouthis, der er auch in seinem noch in den Startlöchern befindlichen Fernsehsender frönen wird. Als er im Oktober 2002 vom pro-arabischen «Saphirnet» [3] befragt wurde, ob sein projektierter Fernsehsender «Tele-Liberté» in die Fussstapfen des Quatarischen Fernsehsenders Al-jazeera treten möchte, verneinte er mit dem leicht paranoiden Hinweis, dass hinter Al-jazeera die USA stehe und Al-jazeera «gemeinsame Sache mit Bush und Israel» mache. Ziel seines Fernsehsenders sei es, das politische Bewusstsein der Moslems zu steigern, für die «legitimen Rechte des palästinensischen Volkes zu kämpfen» und Diktaturen zu bekämpfen.

Bis heute ist Tele-Liberté, vor allem aus finanziellen Gründen, noch nicht auf Sendung. Dies könnte sich jedoch bald ändern. Im nämlichen Interview weist Mathlouthi darauf hin, dass Mecca-Cola unter anderem der Finanzierung seines neuen Senderkindes dienen solle.

Die Gute Sache

Doch was ist mit den karitativen Zwecken, denen Mecca-Cola dienlich sein soll? Gemäss Flaschenetikette werden 20% des Erlöses je zur Hälfte in Europa und in den Palästinensergebieten wohltätigen Institutionen gespendet. Dazu sind Informationen nur schwer erhältlich. Dies unter anderem, weil keine unabhängige Organisation über die Verteilung wacht. Mathlouthi selbst verweist bei Nachfrage auf seinen «guten Willen» (bonne foi), der für die gerechte Verteilung seiner Gelder garantiere. Bei besonders kritischen Nachfragen verweist Mathlouthi auf das Jahresende. Dann werde das Geld von einer eigens gegründeten Stiftung verteilt.

Es gibt jedoch einige Anhaltspunkte, die darauf hinweisen, wohin das Geld wandert. Auf der Homepage von Mecca-Cola [4] werden Dankesschreiben einer Organisation namens «Comité de Bienfaisance et de Soutien aux Palestiniens» (CBSP) veröffentlicht, welche eine Spende über 2000 Euro erhalten hat. Das CBSP gilt als NGO mit höchst zweifelhaftem Ruf. Das American Jewish Comitee stellte in einer Veröffentlichung 2001 eine Verbindung zwischen der Hamas und CBSP her. [5] Die israelische Regierung hat das Comité im Mai 1997 verboten. In einem Terrorismusbericht wird das CBSP als der Hamas nahestehend bezeichnet. [6] Die CBSP selbst verweist gerne auf ihren Einsatz für die Bildung palästinensischer Kinder. Ob sie unter «Bildung» eher das Erlernen des kleinen Einmaleins oder den Jihad versteht, darüber breitet sie jedoch in der westlichen Öffentlichkeit den Mantel des Schweigen aus. Geographie ist deren Sache auf jeden Fall nicht: In einer Karte Israels und der Westbank ist zwar der arabische Vorort Jaffa verzeichnet, die Grossstadt Tel Aviv wurde schlichtweg «vergessen».

Kindersoldaten als Promotionsinsignien

Dass dies keine Ausrutscher sind, dass der gebetsmühlenartig immer wieder formulierte Verweis, Mecca-Cola wolle keinesfalls Gewalt unterstützen, nichts als eine Worthülse ist, zeigt sich auch an der Aufmachung ihrer Website. [7] Da begegnen einem martialische Bilder von Kindern, welche mit Zwillen auf den Betrachter zielen oder von vermummten Jugendlichen, die mit Molotowcocktails abgebildet werden. Darüber thront die Al-Aksa-Moschee.

Auch in der Selbstdarstellung von Mecca-Cola ist nur wenig Dialogbereitschaft und Interesse an Aufklärung zu finden. Anstoss zur Gründung von Mecca-Cola habe der Umstand geboten, dass «auch das muslimische und arabische» Kapital zum grössten Teil die Form des «wildesten materialistischen Kapitalismus» angenommen habe. Als Antwort darauf verschreibt sich Mecca-Cola dem «charity Business» (wohl eine Art vergeistigter, materieloser Kapitalismus). Das «charity business» befasse sich unter anderem mit dem Umstand, dass «das palästinensische Volk» «die unaushaltbarsten und dringlichsten Leiden (...) erduldet.» Besagtes Volk erleide «inmitten des allgemeinen Desinteressens» die «schändlichsten und niederträchtigsten Handlungen der Apartheid und des zionistischen Faschismus.»
Das Interesse am Schicksal der Palästinenser ist aber offenbar doch gross genug, dass die Verkaufszahlen boomen. Das Schwadronieren über den «zionistischen Faschismus» und das Portraitieren kleiner Kinder als Kamikazekämpfer scheint den Absatz nur zu fördern.

Selbstethnifizierung und Lifestyleprodukt

Man stelle sich vor, jemand produziere ein «Assisi Bier», packe den heiligen Franziskus aufs Etikett und weise darauf hin, man dürfe es nicht in Stripteaselokalen konsumieren, dafür gingen 20% an den Opus Dei. Dieses Getränk würde es höchstens zum Partygag auf dem katholischen Weltjugendtag schaffen, zum Lifestyleutensil jedoch keineswegs. Sobald es aber gegen Amerika und die Juden geht, ist nichts zu peinlich. Mecca Cola hat eine wahre Erfolgsgeschichte hinter sich. Bis anhin seien in den ersten Monaten seit der Lancierung Ende 2002 über 30 Millionen Flaschen verkauft worden, und bis Ende 2003 sollen eine viertel Milliarde Flaschen über den Ladentisch gehen. Schon werden neue Produkte entworfen: beispielsweise ein «Hallal fried Chicken», oder «Mecca-Café.»

In seinem Mutterland, in Frankreich, schwimmt Mecca-Cola auf einer Welle von Selbstethnifizierung arabischer Einwanderer, welche sich mittels einer immer totaleren Schattenökonomie immer mehr vom Rest der französischen Gesellschaft abgrenzen. Marc Knobel, Forscher des «Conseil Représentativ des Institutions juifs de France» (crif), konstatiert eine enorme Werbeoffensive für Mecca-Cola auf Mathlouthis Medien, aber auch auf einer Unmenge muslimischer Websites. Hauptslogan sei «Moslems trinken Moslemisch.» Bei Mecca-Cola gehe es seiner Ansicht nach nicht, wie bei anderen als kosher oder halal deklarierten Produkte, um die Befriedigung spezifischer kultischer Bedürfnisse, sondern um eine eigentliche Form des «Kampfs der Kulturen», und um eine gefährliche Vermischung von politischen und ökonomischen Interessen.

Anders in der Schweiz. Hier hat sich Mecca-Cola zu einem Identifizierungsobjekt derjenigen Kreise gemausert, die bis anhin vor allem mittels der regenbogenbunten Peaceflagge Identität geschöpft haben. Während die Forderung nach Frieden wenigstens grundsätzlich ehrenwert ist, haftet Mecca-Cola das reine Ressentiment an. Mecca-Cola verkauft sich über das Gefühl, endlich etwas «gegen Israel» tun zu müssen. Hier materialisiert sich der Wunsch, dem Unbehagen in der modernen Warenwirtschaft mittels Rückgriff auf eine Ware zu begegnen, deren öffentliches Auftreten sich modernster Marketingtechniken bedient, sich jedoch selbst als Gegenprodukt zur westlichen Moderne verkauft. Mecca-Cola-Trinken suggeriert eine Rebellion gegen eine als totalitär empfundene Warengesellschaft, ist jedoch als reines Marketingprodukt selbst ihr extremer Ausdruck. Als Akte angepasster Revolte bieten sich Produkte wie Mecca -Cola gerade denjenigen Individuen als Identifikationsobjekt an, welche bis anhin ihre Identität eher von der richtigen Turnschuhmarke abhängig machten und welche dem Unbehagen über ihre eigene Verdinglichung nur durch Rückgriff auf eine völkische Ideologie zu entrinnen vermeinen.

[1Dieser immer wieder formulierte Hinweis auf den vernichteten Mecca-Indianer-Stamm wurde von der Presse gerne und kritiklos übernommen. Leider wurde trotz Konsultation der Fachliteratur kein Hinweis auf einen Stamm dieses Names gefunden.

[2Le Nouvel Observateur, 6. Februar 2003.

[6Lage- und Gefährdungsanalyse Schweiz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Botschaft des Bundesrats vom 26. Juni 2002.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
2003
Risse 5, Seite 14
Autor/inn/en:

Alexander Hasgall: War Mitarbeiter der in Zürich erscheinenden Zeitschrift Risse und von Dezember 2004 bis 2006 Redaktionsmitglied von Context XXI.

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