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Michael Katzmayr
2000 Zeichen abwärts

Bordelle als Retter von Standort und Arbeitsmarkt

In den Oberösterreichischen Nachrichten vom 31. Jänner konnten LeserInnen die schnoddrige Artikelüberschrift lesen: „Edelbordell erhöht ‚Verkehrs-dichte‘ in Ansfelden“. Zwar ist das krebsartige Wuchern von Rotlichtunternehmen in der Dienstleistungsgesellschaft sattsam bekannt, die Begleitumstände dieser wirtschaftlichen und kommunalpolitischen Erfolgsstory verdienen jedoch nähere Betrachtung. So gaben sich zur Eröffnung dieses mittelständischen Unternehmens mit immerhin 27 Mitarbeiterinnen auch Wirtschaftstreibende und die lokale Politprominenz die Ehre, allen voran der SP-Ortschef samt Gattin, um die Neugründung zu feiern. „Es gibt Orte, die ein Outlet-Center haben, wir haben ein Inlet-Center. Die Verkehrsdichte wird sich bei uns jetzt erhöhen“, feixte der Bürgermeister beim geselligen Umtrunk mit Kommerzialräten und den Bordell-Chefs. Die Freude ist verständlich: Wenn im Standortwettbewerb anderweitig schon längst nichts mehr geht, Bordelle gehen immer noch. Der wirtschaftliche Erfolg scheint garantiert, richtet sich das Angebot doch an „betuchte Herren“, nicht zuletzt aufgrund der Nähe der Industriebetriebe, die ihre Geschäftspartner ja gerne verwöhnen lassen. Allem voran ist dieses Etablissement jedoch der Beweis, dass es die Krise der Arbeit gar nicht gibt: So finden hochqualifizierte Frauen hierzulande immer noch gute Jobs, insbesondere wenn sie sprachgewandt sind. O-Ton der OÖN: „Alle beherrschen mehrere Fremdsprachen. Etwa Niki: Sie ist Ungarin, 23 Jahre alt, spricht natürlich Ungarisch, aber auch Rumänisch, Italienisch und versteht auch ganz gut Deutsch.“ An der Arbeitsmoral der osteuropäischen Frauen können sich die ÖsterreicherInnen ein Beispiel nehmen: Wenn die Zeiten enger werden, dürfen wir es nicht so eng sehen und müssen halt ein bisschen liberaler sein und es billiger geben. Die Ansfeldner Sozialdemokratie macht es vor – und wirbt mit ihren Bemühungen zur Rettung des Wirtschaftsstandortes zugleich für konsequente Anti-Politik.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
März
2005
Heft 33, Seite 16
Autor/inn/en:

Michael Katzmayr:

Geboren 1977, lebt in Wien. Studium der Handelswissenschaften, trotzdem (oder gerade deswegen?) kapitalismusablehnend. Besonderes Interesse besteht am Zusammenhang zwischen Gesellschaft und Natur, deshalb Mittäter bei ökoAttac. Arbeitet an einer Doktorarbeit, in der es um die Kommerzialisierung der Daseinsvorsorge geht. Derzeit tätig als Bibliothekar.

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