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Maria Wölflingseder
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Bloß enttabuisiert?

In der ORF-Hörfunkreihe des „Salzburger Nachtstudios“ auf Ö1 gab es am 24.10.2012 eine Sendung über Burnout: „Ausgebrannt – Eine Zeitgeistdiagnose der Gesellschaft, von Menschen und Systemen“. Eingangs wurde die Frage gestellt, warum denn die Zahl der psychischen Erkrankungen so hoch sei. Die Antwort lautete: „Ein Grund dafür könnte sein, dass diese Erkrankungen enttabuisiert wurden, dass man darüber sprechen darf, ohne sofort stigmatisiert zu werden.“ Wie bezüglich vieler anderer neuer gesellschaftlicher Symptome wurde auch hier versucht, die Brisanz zu relativieren. Als zweite Ursache ließ man dennoch die Zunahme der Zahl jener Menschen gelten, die mit ihrer Lebenssituation und Arbeitsumgebung unzufrieden seien. – Obwohl in dieser Sendung großteils individuelle Strategien gegen Burnout erörtert wurden, klangen trotzdem einige brauchbare Diagnosen an. Die Systemlogik zwinge uns zu ständigem Wirtschaftswachstum. Daraus folgt: Nur wer schneller ist, gewinnt. So dreht sich die Spirale der Überforderung von Mensch, System und Gesellschaft unaufhörlich weiter. Und Peter Hofmann, Psychiater an der Medizinischen Universität Graz, konstatierte, die Gesellschaft sei drauf und dran, sich selbst zu erschöpfen. Als perfide bezeichnete er den Umstand, dass kein Ende absehbar sei, ja nicht einmal mehr eine Karotte hänge vor der Nase. Wir verausgaben uns völlig, und dafür werden wir auch noch bedroht – gibt der Psychiater zu bedenken.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Oktober
2012
Heft 56, Seite 32
Autor/inn/en:

Maria Wölflingseder:

Geboren 1958 in Salzburg, seit 1977 in Wien. Studium der Pädogogik und Psychologie. Arbeitsschwerpunkt: Kritische Analyse von Esoterik, Biologismus und Ökofeminismus; zahlreiche Publikationen. Bei den Streifzügen seit Anbeginn. Mitherausgeberin von „Dead Men Working“ (Unrast-Verlag, 2004). Nicht nur in der Theorie zu Hause, sondern auch in der Literatur, insbesondere in der slawischen. Veröffentlichungen von Lyrik sowie Belletristik-Rezensionen.

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