Zeitschriften » Streifzüge » WWW-Ausgabe » Jahrgang 2020
Petra Ziegler

Bizarr

In der gegenwärtigen Debatte über Armut bzw. Wohlstand fällt dreierlei auf.

1. Die Behauptung von Wissenschaftlern, es ginge uns doch – weltweit – so gut wie noch nie, verbreitet sich auch im linksliberalen Milieu immer mehr. Angeblich seien der Lebensstandard, die Gerechtigkeit und das Gesundheitsniveau ständig im Steigen begriffen. Etwa der Existenzphilosoph und Grafikdesigner Stefan Sagmeister, der Politologe Klaus Schroeder, der Philosoph und Schriftsteller Johan Norberg, und allen voran der Psychologe Steven Pinker – sie alle vertreten eine „leidenschaftliche Antithese zum üblichen Kulturpessimismus“. Anstatt „sozialhysterisch“ zu sein sollten wir lieber das Positive in den Blickpunkt rücken. Die Arbeiterkammer scheint sich dies offenbar zu Herzen genommen zu haben. Sie kommt in ihrer großangelegten Untersuchung – dem „Wohlstandsbericht 2019“ – zu einem recht positiven Ergebnis.

2. Manche mögen diesen Hurra-Optimismus dennoch nicht teilen. Vielerorts wird stattdessen der Begriff „Solidarität“ wieder beschworen. Meist jedoch ohne Definition, ohne analytische Aussagekraft. So spiegelt sich darin nur ähnliche Hilflosigkeit wie im Buch von Heinz Bude „Solidarität – Die Zukunft einer großen Idee“. Als ob dieser Begriff nicht vielfach missbraucht worden wäre – bereits damals in den 1970er Jahren, als er hoch im Kurs stand. Es fragt auch niemand, warum jene Schwachen, mit denen wir solidarisch sein sollen, schwach sind, wie und warum sie schwach gemacht wurden. „Warum“ zu fragen, ist schlicht tabu.

3. Weil auch sozialen Einrichtungen und Armutsorganisationen tiefgreifende Gesellschaftskritik fehlt, sowie die Möglichkeit die Lage der Armen zu ändern, bleibt ihnen offenbar nur Trostpflaster zu verteilen. Hoch im Kurs stehen neuerdings Bemühungen, damit Arme nicht abwertend und schlecht behandelt werden. Auch sie hätten „ein Recht auf Anerkennung, Wertschätzung und Würde“. Sie dürften nicht diskriminiert und ausgegrenzt werden. Der Slogan einer Einrichtung für Wohnungslose lautet: „Du bist wichtig!“

FORVM des FORVMs

Vorgeschaltete Moderation

Dieses Forum ist moderiert. Ihr Beitrag erscheint erst nach Freischaltung durch einen Administrator der Website.

Wer sind Sie?
Ihr Beitrag

Um einen Absatz einzufügen, lassen Sie einfach eine Zeile frei.

Hyperlink

(Wenn sich Ihr Beitrag auf einen Artikel im Internet oder auf eine Seite mit Zusatzinformationen bezieht, geben Sie hier bitte den Titel der Seite und ihre Adresse bzw. URL an.)

FORVM unterstützen

Die Digitalisierung des FORVM und der Betrieb dieser Website ist ein Projekt von Context XXI. Im Rahmen von Context XXI sind bereits 5819 Beiträge veröffentlicht. 9878 Beiträge warten derzeit darauf, der Texterkennung zugeführt und verfügbar gemacht zu werden. Context XXI kann Euch in den kommenden Jahren noch Vieles bieten. Das kann zu unser aller Lebzeiten und dauerhaft nur mit Eurer Unterstützung gelingen. Ganz so wie unsere alternativen Zeitschriften auf Abos angewiesen waren und sind, so ist dieses Projekt auf regelmäßige Beiträge von Euch Lesenden und Nutzenden angewiesen — hier heißen sie halt fördernde Mitgliedschaften:

Persönliche Daten

bzw. zweites Namensfeld bei juristischen Personen

z.B. "p.A. Kommune 1"

einschließlich Hausnummer und ggf. Wohnungsnummer

Mitgliedschaft

Ich trete hiemit dem Verein Context XXI - Verein für Kommunikation und Information als förderndes Mitglied in der gewählten Beitragsgruppe bei. Ich kann meine Beitragsgruppe jederzeit ändern.

SEPA-Lastschriftmandat

Ich/Wir ermächtige/ermächtigen Context XXI – Verein für Kommunikation und Information, Zahlungen meiner/unserer Mitgliedsbeiträge von meinem/unserem Konto mittels SEPA-Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich/weisen wir mein/unser Kreditinstitut an, die von Context XXI – Verein für Kommunikation und Information auf mein/unser Konto gezogenen SEPA–Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Zahlungsart: wiederkehrende Lastschrift (Recurrent)

Werbung

Erstveröffentlichung im FORVM:
Januar
2020
Autor/inn/en:

Petra Ziegler:

Geboren 1969. Mitglied im Kritischen Kreis.

Lizenz dieses Beitrags:
Gemeinfrei
Diese Seite weiterempfehlen