Zeitschriften » FŒHN » Heft 23+24
Markus Wilhelm

Billige Sprüch’

Rechenstunde mit der Frau Staatssekretärin a.D.: Die Preissenkung durch den EU-Anschluß liegt nach den offiziellen, von uns überhaupt nicht überprüfbaren Zahlen weit unter einem Prozent. Aber nehmen wir einmal an, sie betrüge ein ganzes Prozent, wie errechneten sich daraus die 1.000 Schilling, die jeder Familie pro Monat bleiben sollten? Sie müßte jeden Monat um 100.000 Schilling einkaufen, damit sie bei einem Prozent Ersparnis 1.000 Schilling zusammenbrächte. Im Jahr müßte sie dementsprechend 1,2 Millionen ausgeben. Da die durchschnittliche Familie aber im Jahr nur über ein Einkommen von wenig über zweihunderttausend Schilling verfügt, ergeben sich da ziemliche Schwierigkeiten.

Vorher ...

EU: Preise rutschen um bis zu 70 Prozent. Nach einem EU-Beitritt kann sich jeder österreichische Vier-Personenhaushalt am Ende des Jahres rund 12.000 Schilling auf’s Sparbüchl legen.

(Standard, 8.3.94)

Für die Konsumenten bedeutet dies Preissenkungen von 20 Prozent vor allem für Autos, elektrische Geräte, Bekleidung, Fotoapparate und Werkzeuge.

(„Argumente für den Beitritt Österreichs zur EG“, ÖVP-Flugblatt 1988)

EG würde Preise um neun Prozent drücken

(Standard über eine WIFO-Studie, 25.11.89)

Die Bandbreite der Konsumentenpreise wird im Falle eines EG-Beitritts — im Vergleich zum Nichtbeitritt — um 5 bis 6 Prozent sinken.

(Kurier, 2.3.92)

Alles wird billiger, vor allem landwirtschaftliche Produkte.

(Krone, 3.3.94)

... und nachher

Die Verbraucherpreise blieben 1995 mit minus 0,8 Prozent nahezu konstant.

(Standard, 11.4.96)

Ikea-Möbel bis zu 91 Prozent teurer als in Deutschland.

(TT, 28.10.95)

Mehl wird in Bayern um die Hälfte billiger angeboten.

(Blickpunkt über eine AK-Tirol-Einkaufsstudie, 24.1.96)

Benetton-Jeans und -T-Shirts sind in Österreich um rund 30 Prozent teurer als in Italien.

(Studie der AK Wien, TT, 18.2.95)

Babynahrung ist teurer als bei EU-Nachbarn. Für eine Familie mit einem Baby ergeben sich laut AK Mehrkosten von 150 S gegenüber dem EU-Nachbarn Deutschland.

(TT, 21.1.95)

Reisen in Länder der Europäischen Gemeinschaft werden um 2 Prozent teurer.

(TT, 21.1.95)

Durch den EU-Beitritt wird Reisen nicht etwa billiger, sondern voraussichtlich teurer. Die Preise werden um rund sieben Prozent steigen.

(Kurier, 3.11.94)

Bei Reisen droht in der EU sieben Prozent Teuerung

(TT, 13.7.94)

Lebensmittel werden insgesamt nicht billiger.

(Presse vom 14.1.95 lt. Auskunft des WIFO)

Obst und Gemüse auch bei EU-Beitritt nicht billiger

(Kurier, 30.7.94)

Unterhaltungselektronik dürfte auch nach dem EU-Beitritt nicht billiger werden.

(TT, 12.10.94)

Kaffeegenuß wird mit EU-Beitritt teurer.

(TT, 13.12.94)

Drogeriewaren liegen in Kärnten noch um 27,8 Prozent über dem italienischen Niveau.

(AK-Kärnten-Studie, Standard, 24.6.95)

Zwischen 20 und 77 Prozent betragen die Preisunterschiede bei Medikamenten zwischen Italien und Österreich.

(AK-Kärnten-Studie, SN, 10.2.96)

Einzelne Elektrogeräte kosten in Wien um bis zu 36 Prozent mehr als in Berlin.

(AK-Wien-Studie, Kurier, 10.8.95)

Österreich bei Autopreisen EU-Spitzenreiter

(Standard, 25.7.95)

Autopreise werden in EU mangels Wettbewerb nicht sinken

(Konsumentenschützer F. Koppe, TT, 28.7.94)

EU-Beitritt bringt keinesfalls eine Preissenkung

(Kurier, 27.7.94)

Fernseher werden teurer

(TT, 28.12.94)

Trotz EU: Wein und Bier werden 1996 teurer

(TT, 13.12.95)

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Erstveröffentlichung im FORVM:
April
1997
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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