Zeitschriften » FŒHN » Heft 21
Markus Wilhelm

Arbeiterführer-Karaoke*

Die arbeiterfeindliche Politik der SPÖ ist die rechte Hintergrundmusik, die Haider braucht, um den Menschen seinen vordergründig arbeiterfreundlichen Text vorsingen zu können.

„Die Art von Politik, wie sie die neue sozialistische Koalitionsregierung vertritt, macht die Reichen reicher und die Armen ärmer.“ (Haider, 17.1.87) „Die Regierung greift schamlos in die Taschen der sozial Schwachen.“ (Haider, 23.9.87) „Es wird am falschen Platz gespart, nämlich bei den Konsumenten und den kleinen Leuten, die mit einer unglaublichen Belastungswelle konfrontiert sind.“ (Haider, 13.10.93)

Was sagt die Geschichte zu dieser Mimikri? In der vorigen Vorkriegszeit legte Georgj Dimitroff diese Taktik bloß: „Der Faschismus erstrebt die zügelloseste Ausbeutung der Massen, tritt aber mit einer raffinierten antikapitalistischen Demagogie an sie heran, macht sich den tiefen Haß der Werktätigen gegen die räuberische Bourgeoisie [= die Besitzbürger), gegen die Banken, die Truste und die Finanzmagnaten zunutze und stellt Losungen auf, die im gegebenen Moment für die politisch unreifen Massen am verlockendsten sind.“

Haider: „Eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche und eine Nulllohnrunde sind eine Provokation.“ (Profil, 14.9.92) „Die Arbeiterkammer ist wesentlich mitschuld, daß die kleinen Leute heute brutal zur Kasse gebeten werden. Gewerkschaft und Arbeiterkammer haben vor kurzem zugestimmt, daß Lohnabschlüsse unter der Inflationsrate zustandekamen.“ (Kleine Zeitung, 24.11.93) „Das ‚rotschwarze Sittenbild‘ läßt bei der Bevölkerung eine zwangsweise Verbindung von Politik, Korruption und Gaunerei entstehen.“ (FP- Pressedienst, 10. 1. 88)

Dimitroff (1935): „Der Faschismus liefert das Volk den korruptesten, käuflichsten Elementen auf Gnade und Ungnade aus, tritt aber vor dem Volk mit der Forderung nach einer ‚ehrlichen und unbestechlichen Regierung‘ auf. Der Faschismus, der auf die tiefe Enttäuschung der Massen über die Regierungen der bürgerlichen Demokratie spekuliert, entrüstet sich scheinheilig über die Korruption.“

Haider: „Die Nadelstreifsozialisten haben jede Beziehung zu den Arbeitnehmern verloren.“ (Profil, 14.9.92) „Die ‚Arbeiterführer‘ von heute müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, die neuen Feudalfürsten zu sein. (FrPrD.30.4.90) „Man kann nur wehmütig an einen Reumann, an einen Seitz denken. Die haben für die Leute was gemacht!“ (Kurier, 2.11.91)

Dimitroff (1935): „Der Faschismus fängt im Interesse der reaktionärsten Kreise der Bourgeoisie (- Besitzbürger) die enttäuschten, den alten bürgerlichen Parteien den Rücken kehrenden Massen ein. Er imponiert diesen Massen durch die Heftigkeit seiner Angriffe gegen die bürgerlichen Regierungen, durch die Unversöhnlichkeit seines Verhaltens gegenüber den alten Parteien der Bourgeoisie.“

Heute ist der Anteil von Arbeitern unter den Wählern Haiders höher als der unter den SPÖ-Wählern. Heute kann Haider mit einigem Recht höhnen: „Als Troubleshooter (- Krisenmanager) die SPÖ übernehmen, wär’ eigentlich lustig. Eine schöne Aufgabe. Ich wäre sicher ein besserer SP-Vorsitzender, schon aufgrund meiner sozialpolitischen Vorstellungen.“ (Basta, 2/89) Und: „In Wirklichkeit bin ich ein besserer Arbeiterführer als Vranitzky, sozialpolitisch stehe ich links von der SPÖ.“ (News, 22.12.94)

*) nach jap. kara (= leer) und oke (= Orchester), ein. Leeres Orchester: Instrumentalversion eines Hits, bei der der gesungene Part fehlt und individuell hinzugefügt werden kann

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1995
Heft 21, Seite 25
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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