Zeitschriften » Streifzüge » Print-Ausgaben » Jahrgänge 2001 - 2010 » Jahrgang 2006 » Heft 38
Maria Wölflingseder
2000 Zeichen abwärts

Akustisches Nervensägen

Unlängst antworteten im Radio eine Sängerin und ein Sänger, beide ältere Semester, auf die Frage, was für sie missliebige Musik sei: Wenn aus einem Auto mit offenen Fenstern Popmusik mit unerträglichen Bässen dröhnt. Die Glücklichen, wenn sie nur damit gelegentlich behelligt werden! Sie sind nicht von drei Wohnungen umgeben, aus denen nach Belieben zu jeder Tag- und Nachtzeit Techno ertönt; dieses Gehämmer muss gar nicht besonders laut sein, damit es seine marternde Funktion zeitigt. Die Glücklichen, wenn sie nicht in Geschäften mit unerträglichem Lautgemenge verkehren müssen. Auch beim Billa gibt’s seit kurzem kein Pardon mehr, in der Gastronomie sowieso selten, und in Scheißhäusln herrschen Radiosender mit ortsentsprechendem Musik- und Werbeprogramm. Unlängst demonstrierte in Wien eine stumme Blasmusikkapelle gegen diese akustischen Verseuchungen. Eigentlich gibt es keine entsprechenden Begriffe für diesen nervtötenden Lärm, der Musik genannt wird. Kakophonie ist ein niedlicher Hilfsausdruck.

Und wie soll das gedeutet werden? Werden hier die durchgeknallten gesellschaftlichen Verhältnisse in entsprechende Töne transponiert? Oder ist es ein Zudröhnen, um den übrigen unerträglichen Lärm (Straßen-, Flug-, Baustellenlärm) zu übertönen? (Übrigens Ostwind – meist bei Schönwetterphasen – beschert halb Wien samt den Erholungsgebieten Schönbrunn und Wilhelminenberg einen früher nie da gewesenen auditiven Flugzeuglande-Alptraum.)

Den Jugendlichen werden Ballspiel- und Trampolinkäfige inmitten der Verkehrshölle auf dem schmalen Grünstreifen zwischen Wiener Außen- und Innengürtel (je 3-4spurige Straße) zugewiesen. Nicht nur diese Lokation wird als megahip erklärt, auch die Technotempel im Gürtelbereich erfreuen sich großer Beliebtheit, mitsamt ihren Schanigärten direkt neben den Fahrbahnen und dem suizidal anmutenden Abgas- und Lärmcocktail. Die ganze Nacht lautstark die Gegend bevölkernd und mit leeren Aludosen Fußball spielend rauben die Technofreaks den Anrainern den Schlaf.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Oktober
2006
Heft 38, Seite 29
Autor/inn/en:

Maria Wölflingseder:

Geboren 1958 in Salzburg, seit 1977 in Wien. Studium der Pädogogik und Psychologie. Arbeitsschwerpunkt: Kritische Analyse von Esoterik, Biologismus und Ökofeminismus; zahlreiche Publikationen. Bei den Streifzügen seit Anbeginn. Mitherausgeberin von „Dead Men Working“ (Unrast-Verlag, 2004). Nicht nur in der Theorie zu Hause, sondern auch in der Literatur, insbesondere in der slawischen. Veröffentlichungen von Lyrik sowie Belletristik-Rezensionen.

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